Ingo Brussolo – Blick zurück auf den Pokal. Foto: düse

Waldemar Düse, Harburg

Die ersten Minuten nach dem Abpfiff waren an Symbolik kaum noch zu überbieten. Bevor die Trophäe an den diesjährigen Pokalgewinner Rot Weiss Wilhelmsburg übergeben wurde, ließ Andreas Meyer mit brüchiger Stimme im Schnelldurchlauf noch einmal die vergangenen knapp 20 Jahre Revue passieren. Einige Meter entfernt verdrückte Ingo Brussolo dabei die eine oder andere Träne.

Auch wenn die beiden Spielausschuss-Mitglieder bereits vor Beginn der 55. Auflage von Deutschlands am längsten ausgespielten lokalen Pokal-Wettbewerb öffentlich gemacht hatten, dass nicht nur sie, sondern auch Siggi Sendrowski und Fiete Suhr aufhören würden, bahnten sich die Emotionen dann doch ihren Weg. Einzig Olaf Müller wird weitermachen.
Die beiden Finalisten Rot Weiss und der SV Wilhelmsburg verschenkten jedoch die Gelegenheit, dem Abschluss dieser Ära einen würdigen Rahmen zu verleihen. Im Elbinsel-derby bestimmten – wie zu erwarten – ebenfalls Emotionen das Geschehen. In einer Weise allerdings, auf die der Fußball getrost verzichten kann.

Insgesamt sechs berechtigte Platzverweise – zweimal Rot und viermal Gelb-Rot – musste Schiedsrichter Tobias Nawo aussprechen. An Spieler, Ergänzungsakteure und Trainer. Das volle Programm. Dazu auf beiden Seiten ein immerwährendes Gezeter über nahezu jede Entscheidung des Gespanns. Ach ja, ein entscheidender Treffer zum 1:0 für Rot Weiss ist auch gefallen.

Es ist nicht verwunderlich, dass sich sowohl bei Brussolo als auch bei Meyer zur Wehmut die Erleichterung gesellte, es hinter sich zu haben. „Die Zeiten haben sich offensichtlich geändert. Schon nach einer halben Stunde ist keiner mehr da, es wird nicht mehr zusammen gefeiert“, bedauerten sie unisono. Schon vor dem Turnier hatten beide ihrem Frust über das mangelnde Interesse vieler Vereine am Wettbewerb und mangelnde Zusammenarbeit Luft gemacht. Dann machten sich der Spielausschuss und seine wenigen ehrenamtlichen Helfer ans Aufräumen und Abbauen. Von einem öffentlich gemachten Dank Harburger Vereine an den scheidenden Spielausschuss ist nichts bekannt geworden.

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