Blick Richtung Bahnhof Holstenstraße: Anwohner A. deutet auf die Quelle des Übels Foto: schneider

Mateo Schneider, Altona

Tak . . .Taktak . . .taktak …taktak. Das Stakkato der Schläge ist nicht so laut, dass es schmerzt, aber eindringlich genug, dass es nervt. Tagsüber geht es im gewaltigen Straßenlärm fast unter, aber je ruhiger es auf der Stresemannstraße wird, umso lauter hämmern frühmorgens und spätabends die Schläge von den Bahngleisen herüber.

Als Heinz A. 1974 in die Wohnung schräg gegenüber dem S-Bahnhof Holstenstraße zog, wurde dieser noch von seiner ursprünglichen, zweischiffigen Bahnhofshalle überdacht, auf der Stresemannstraße fuhr noch die Straßenbahnlinie 11 und das Gelände, auf dem heute das Holstenhaus steht, war noch ein Kinderspielplatz. Seit Anfang 2019 sind es die S-Bahnen der Linien 3 und 21 in Richtung Elbgaustraße, die ihn nachts nicht mehr ruhig schlafen lassen und frühmorgens aus dem Bett holen. „Immer wenn die Züge über die Ausfädelung fahren, gibt es diese Schläge, von denen ich morgens aufwache“, so A.

Erstmals hatte es im Februar 2018 gekracht, als A. gerade auf seinem Balkon im fünften Stock saß. Der 1946 geborene A., 42 Jahre lang Feuerwehrmann bei der Hamburger Berufsfeuerwehr, seit der Rente zweiter Bass im Polizeichor und profilierte Hobbyfotograf, kann mit seiner tiefen Stimme sehr anschaulich schildern. Senile Überempfindlichkeit ist nicht seine Sache.

Anfang dieses Jahres reagierte die DB Netz AG und schickte die Bahnpolizei zur angegebenen Stelle. Sie fand nichts. Die Schläge hörten allerdings nicht auf. Am 11. April beschwerte A. sich erneut. Diesmal reagierte die DB Netz AG schon einen Tag später. Man habe wieder nichts entdecken können, so die Auskunft. „Vielleicht haben die mir auch gar nicht geglaubt. Wenn man beispielsweise unten an der Stresemannstraße am Bahndamm steht, sind die Schläge kaum zu hören“, mutmaßt A.

„Ich hatten angeboten, in meine Wohnung zu kommen und sich das vom Balkon aus anzuhören.“ Die Bahn AG lehnte dankend ab. Fünfter Stock und kein Fahrstuhl ist vielleicht auch ein bisschen viel verlangt. Dass die Schläge in den neuen S-Bahnen aufgrund deren Luftfederung nicht mehr zu spüren seien, damit will A. sich nicht zufrieden geben. Er will einfach nur wieder ruhig schlafen.

 

Das sagt die Bahn: Auf Anfrage des Elbe Wochenblatts heißt es aus der Pressestelle der Deutschen Bahn AG, dass es an der Stelle keine „Oberbaumängel“ gebe. Eine Sprecherin weiter: „Fahrgeräusche lassen sich konstruktionsbedingt nicht komplett vermeiden.
Dennoch werden wir im Rahmen von Bauarbeiten Anfang September diese versuchen zu minimieren.“ Geht doch. EW

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