Melissa Breuer und Fikret Inan wollen über ihre Arbeitsgelegenheiten bei SpendaBel wieder einen festen Job finden. Foto: cvs
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Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg

An den Kleiderständern hängen schicke Hemden und bunte T-Shirts für nur wenige Euro. In den Regalen finden sich sauber aufgearbeitete Jeans und hübsche Stoffhosen, ordentlich nach Größe sortiert. Das Angebot von SpendaBel im Veringhof ist mit dem eines gut sortierten Kleidungsgeschäfts durchaus vergleichbar.

Melissa Breuer, eine von insgesamt 75 „Teilnehmern“ bei SpendaBel, sagt: „Ich bin jetzt seit sechs Monaten dabei und habe viel Spaß an meiner Arbeit gefunden. Der Umgang mit den Kunden liegt mir. Für die Zukunft kann ich mir gut vorstellen, in der Textilbranche oder auch in der Gastronomie zu arbeiten.“
Seit rund neun Jahren existiert der Second-Hand-Laden für Bedürftige und Geringverdiener in unmittelbarer Nähe des Reiherstiegviertels. Neben Kleidung kann man hier auch gebrauchte Bücher und Möbel erstehen. Eine Extra-Abteilung ist auf Sportbekleidung und Fitness-Mitmachaktionen (Yoga, Stickwalking) spezialisiert. Besucher können gemütlich einen Kaffee trinken oder auch ein richtiges Mittagessen zu sich nehmen.

Wer hier einkaufen möchte, muss allerdings nachweisen, dass er „bedürftig“ ist, also wenig Geld verdient. Die sogenannte „Pfändungsfreigrenze“ liegt derzeit bei 1.140 Euro pro Monat für Alleinstehende. Sobald eine formelle Bestätigung vorliegt (ALGII-Bescheid, Steuerbescheinigung), erhält der Einkäufer eine Kundenkarte.

Trägerin des Wilhelmsburger SpendaBel-Ladens – in Hamburg gibt es insgesamt sieben davon – ist die einfal GmbH. Ein wesentliches Ziel der Firma ist es, Langzeitarbeitslose wie Melissa Breuer – hier „Teilnehmer“ genannt – wieder ins Berufsleben zu integrieren. „Unsere Teilnehmer sind zwischen 25 und 65 Jahre alt, die meisten von ihnen kommen aus Wilhelmsburg“, erklärt Projektleiterin Susanne Priebitz.

Im Prinzip gehe es darum, Stärken und Schwächen zu analysieren und den Arbeitslosen auf lange Sicht wieder zu mehr Selbstbewusstsein zu verhelfen. „Man kennt das ja, dass sich negative Erfahrungen so lange auftürmen können, bis man ganz mutlos wird. Genau so funktioniert das aber auch im positiven Sinne“, erklärt Priebitz. „Daran arbeiten wir hier gemeinsam.“

einfal GmbH
Die einfal GmbH (Eimsbüttler Initiative für Arbeiten und Lernen) bietet Arbeitsgelegenheiten in folgenden Bereichen an: Verkauf, Hauswirtschaft, Küche und Bistro, Büro, Begleitung von mobilitätseingeschränkten Menschen, Zweiradreparatur und Selbsthilfe, handwerkliche Tätigkeiten, Schneiderei, Lager, PC-Arbeit, Lieferfahrten, sowie Unterstützung bei Veranstaltungen.
In Absprache mit dem Jobcenter kann man 15 bis 30 Stunden pro Woche tätig sein. Pro Stunde wird eine „Mehraufwandsentschädigung“ in Höhe von 1,60 Euro gezahlt. Hamburgweit stellt einfal 300 Plätze für Langzeitarbeitslose zur Verfügung.

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