Breit wie eine Straße: Monika Ebbecke (78) fragt sich, warum sie in ihrem Hausflur keinen Rollator abstellen darf. „In meiner Wohnung hat er jedenfalls keinen Platz“, sagt sie. Foto: cvs

Ch. v. Savigny, Bahrenfeld

Beinahe verloren wirkt Monika Ebbecke (78) zwischen den beiden Wänden ihres Hausflurs – einer der geräumigsten Hausflure, den man sich überhaupt vorstellen kann. Rund dreieinhalb, wenn nicht sogar vier Meter beträgt die Distanz von einer Seite zur anderen. Rechts befindet sich eine langgezogene Nische, ein Wandbild zeigt eine einladende Küstenlandschaft mit Dünen, Sand und Gras. An dieser Stelle hatte die Seniorin immer ihren Rollator angeschlossen, auf den sie wegen fortgeschrittener Arthrose in den Beinen so dringend angewiesen ist.

Doch der Vermieter, die Saga, machte der Bewohnerin der Alten-Wohnanlage in der Behringstraße jetzt einen dicken Strich durch die Rechnung. Aus Brandschutzgründen sei das Abstellen von Gehhilfen und Rollstühlen im Flur ab sofort untersagt, hieß es plötzlich. „Das versteht kein Mensch“, sagt Monika Ebbecke. „Ich wohne seit sieben Jahren hier, und es gab noch nie ein Problem deswegen.“

Saga hat Abstellplatz
im Keller angeboten

Die Saga argumentiert, dass laut Feuerwehrvorschrift die Rettungswege in Hausfluren freizuhalten seien. Im Grunde möchte der Vermieter auch nicht, dass dort irgendetwas herumsteht – schon gar nichts, was im Zweifelsfall brennbar ist. Elektrische Rollstühle und E-Scooter gelten als mögliche „Brandlast“, aber auch antriebslose Gehhilfen scheinen eine Gefahr darzustellen. „In jedem Fall dürfen Rollatoren und Rollstühle nicht an Handläufen oder Geländern angeschlossen werden, da diese dann im Brandfall von der Feuerwehr nur mit zeitlichem Mehraufwand entfernt werden können, was im Zweifel die Rettung der Bewohner verzögert“, sagt Saga-Sprecher Gunnar Gläser.

Die Saga habe mit den Bewohnern – dort leben rund 150 Senioren – Gespräche geführt und Alternativen angeboten. Lediglich in einem Fall seien die Vorschläge abgelehnt worden – damit ist wohl Monika Ebbecke gemeint.

Die Betroffene berichtet, man habe ihr einen Abstellplatz im Keller angeboten. „Das ist für mich zu weit“, sagt Ebbecke, die im dritten Stock wohnt. Sie will weiterkämpfen, auch wenn sie im Moment als einzige „Rebellin“ übriggeblieben zu sein scheint. „Gottseidank bin ich nicht auf den Mund gefallen“, sagt sie. „Wenn mich etwas stört, dann sage ich das auch.“

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21073 Hamburg. Stichwort: Rollator

Rollator-Urteile:
Das Amtsgericht Recklinghausen stellte mit einem Urteil vom Januar 2014 fest, dass eine Mehrfamilienhaus-Bewohnerin, die gegen ihren Vermieter geklagt hatte, ihre Gehhilfe grundsätzlich im Treppenhaus abstellen darf. Der Vermieter dürfe dies nicht verbieten, sondern müsse diesen Zustand hinnehmen. Allerdings wurde die Mieterin in diesem Fall dazu verpflichtet, ihren Rollator (aus Platzgründen) zusammenzuklappen.
In einem weiteren Fall (aus Hannover) ging es um das gleiche Problem – allerdings war der Flur hier nochmal deutlich schmaler. Trotzdem entschied das Gericht zugunsten des Mieters – mit der Begründung, dass in dem Abstellen des Rollators im Flur keine vertragswidrige Nutzung zu finden sei. Im Rahmen dieses Urteils war von einer vor
geschriebenen Rettungsweg-Breite von 1,25 Meter die
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