Unglaublich: Der auch gerne als „Spatz“ bezeichnete Haussperling ist in Hamburg selten geworden. Foto: panthermedia

Gaby Pöpleu, Hamburg

In Hamburg brüten 151 heimische Vogelarten – rund 450.000 Brutpaare, so viel wie in keiner anderen deutschen Großstadt, freut sich Umweltsenator Jens Kerstan. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Etwa ein Viertel aller hier regelmäßig brütenden heimischen Vogelarten gilt mindestens als gefährdet, beispielsweise Rebhuhn oder Feldlerche.

Vor zehn Jahren lag der Gesamtbestand noch bei 415.000 Paaren. Inzwischen seien aber viele Waldvögel in die Stadt zugezogen, erklärt das die Umweltbehörde. Sie hat ihre Erkenntnisse aus einer umfangreichen Bestandsaufnahme, der „Roten Liste gefährdeter Brutvögel“, an der seit Jahrzehnten regelmäßig sehr viele Ehrenamtliche Vogelfreunde mitarbeiten. Zuletzt erschien sie 2007.

Mit großem Abstand am meisten verloren hat seitdem der auch als „Spatz“ bekannte Haussperling, früher der häufigste Brutvogel in der Stadt. Jetzt sind noch rund 16.000 Brutpaare übrig – ein Minus von mehr als 50 Prozent. Beim Star sank die Zahl um 45 Prozent. Als erste deutsche Großstadt hat Hamburg deshalb Star und Spatz als gefährdete Vogelart eingestuft.

Weißstorch, Saatkrähe und Nachtigall auf Vorwarnliste

Weitere zwölf Arten stehen auf einer „Vorwarnliste“, etwa Weißstorch, Saatkrähe oder Nachtigall. Aus der Warnliste herausgefallen sind zum Beispiel Blaukehlchen, Grünspecht und Rauchschwalbe. Zwei Drittel der Vogelarten gelten als ungefährdet, beispielsweise Amsel, Kranich oder Mäusebussard. Seit 2007 sind sieben Arten in Hamburg ausgestorben, unter anderem Brachvogel, Haubenlerche und Zwergseeschwalbe.

Andererseits kamen neue Arten hinzu, darunter Seeadler und Raufußkauz. Weitere gute Nachricht: Die Anzahl der Mittelspechte hat sich vervierfacht. Gründe sind eine naturnahe Forstwirtschaft, abwechslungsreiche Laubwälder und darin viel Totholz, heißt es aus der Umweltbehörde. Auch der streng geschützte Eisvogel konnte die Rote Liste verlassen – die verbesserte Wasserqualität der Alster und ihrer Nebenflüsse werden als Ursache genannt.

Viele weitere gefährdete Vogelarten sind Spezialisten, wie die Rohrdommel – inzwischen in Hamburg ausgestorben – das Tüpfelsumpfhuhn und die Wasserralle, die auf besondere Lebensräume angewiesen sind. Doch auch hier gab es vereinzelt Erfolge: In Neuland konnte beispielsweise der Schwund des Kiebitzes durch gezieltes Wassermanagement gestoppt werden.

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