Es geht um Chancen und es geht um „Housing First“. In den USA, in Wien und auch in Finnland wurde das System bereits erfolgreich praktiziert. Nun hält die Idee auch in Deutschland Einzug. Zuletzt in Berlin – nun auch in Hamburg. Unsere Bürgerinitiative möchte einen kleinen Beitrag dazu leisten, das Prinzip „Housing First“ bekannter zu machen, denn es birgt große Chancen für die Betroffenen einen dauerhaften Ausstieg aus der Obdachlosigkeit zu finden.

Was ist Housing First?

Housing First, auch „rapid re-housing“ genannt, stammt aus den USA und beinhaltet eine völlig neue Denkweise im Umgang mit Obdachlosigkeit. Denn im Unterschied zu anderen Programmen müssen sich die Obdachlosen bei diesem Ansatz nicht durch verschiedene Ebenen der Unterbringungsformen für unabhängige und dauerhafte Wohnungen „qualifizieren“, sondern können direkt in eine „eigene“ Wohnung ziehen. Das zumeist bestehende Stufenmodell, in dem ein Umzug zwischen verschiedenen Wohnformen vorgesehen ist (beispielsweise von wohnungslos zum Nachtquartier zum Übergangswohnen und dann erst in die eigene Wohnung) bedeutet zwar, das auch hier am Ende die eigene Wohnung steht. Jedoch ist zumeist vorgesehen, dass mit dem Einzug in die eigene Wohnung auch die Unterstützung endet. https://www.youtube.com/watch?v=2DBNdvDHcnY

 

Das ist bei Housing First anders: Die Unterstützung wird bedarfsgerecht in der eigenen Wohnung kontinuierlich angeboten. Zudem wird auch keine Abstinenz von Alkohol oder anderen Substanzen als Voraussetzung verlangt. Unterstützung und Programme können in Anspruch genommen werden, sind aber nicht verpflichtend.

Der Ansatz basiert darauf, dass eine obdachlose Person oder Familie als erstes und wichtigstes eine stabile Unterkunft braucht und andere Angelegenheiten erst danach angegangen werden sollten. Die meisten anderen Programme arbeiten hingegen mit einem Modell der „Wohnfähigkeit“, was bedeutet, dass andere Probleme, die zur Wohnungslosigkeit geführt haben, zuerst behoben werden müssen.

Ersten Studien zu Folge, verringerte sich die Zahl der Menschen, die auf der Straße leben, in Gebieten mit „Housing-First“-Programmen um 30 Prozent, so dass sogar die Zahl der Notunterbringungen reduziert werden konnte. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Housing_First

Praxisfall „Carola“

Während die Einen das System noch erforschen, sind wir bereits mittendrin. Denn Carola – eine obdachlose Frau aus Hamburg – ist mit ihrer Lebengeschichte geradezu exemplarisch dafür, warum es Housing First überhaupt braucht. Denn wie viele der Betroffenen hat auch sie ein Problem, das sie an die Straße bindet. Warum und wieso wird erstmal nicht hinterfragt. Die Unterbringung ist prioritär. Erst das Zimmer, dann alles Andere. Es könnte Monate dauern, Carola in das gängige Sozialsystem zu integrieren. In dieser Zeit soll sie nicht auf der Straße leben. https://www.youtube.com/watch?v=7n71_vgOePg&list=UUWbqAhkZlc-5P2_rEJtcXkg

Von der Straße weg

Besonders Langzeitobdachlose leiden nicht selten unter multiplen Traumatas. Dinge, die sie an die Straße binden und die meist über Jahre gewachsen sind. Da braucht es vor allem ZEIT um sich erstmal therapeutischer Hilfe auch anzunähern und diese Zeit gibt ihr Niemand in Hamburg. Kein „Frauenhaus“, kein „Fördern und Wohnen“ und auch keine sonstige städtische Einrichtung. Sie alle halten nach spätestens 14 Tagen die Hand auf – wollen Geld für das Zimmer vom Sozialamt sehen. Doch was tun, wenn der oder die Obdachlose gar nicht im Stande ist, die Wege zum Sozialamt zu gehen? Wenn irgendein Hindernis schwerer wiegt, als die angebotene Hilfe und Begleitung zurück ins System? Dann hat die Stadt keine Lösung dafür und genau diese Lücke wollen wir schließen.

Video: https://www.youtube.com/watch?v=aXXiWZ30ASM&list=UUWbqAhkZlc-5P2_rEJtcXkg

Unser privates Sommernotprogramm für Obdachlose sieht vor, Carola und Menschen wie Carola in eine autarke, nur aus Spenden finanzierte Unterbringung zu vermitteln. Dies hat den Vorteil, nicht an die 14-Tage Regelung der Stadt gebunden zu sein und damit ohne städtischem Druck die Angelegenheit der Betroffenen regeln und bestehende Blockaden erst einmal aufarbeiten zu können. Im Fall von Carola kann das einige Zeit dauern. Eine große Herausforderung wartet auf uns. Insbesondere bei Langzeit-Obdachlosen und bei traumatisierten Menschen, ist es oft schwierig die Betroffenen für neue Wege zu „begeistern“. Da braucht es Hilfe auf vielen Ebenen und diese Hilfe wollen wir Carola anbieten.

Die Ersten machen schon mit

Eine WG aus St. Georg hatte Carola zuerst untergebracht und weitere Kapazitäten in Aussicht gestellt. Wie auch ein Seniorenstift, die mehrere Wohnungen besitzen und helfen möchten. Darüber hinaus hat ein Hausbesitzer in Scheenefeld Teilnahme signalisiert und ein Hotel mitten auf dem Kiez hilft ebenfalls zu überbrücken. Nun braucht es nur noch das Geld für die Miete, die wir als Initiative an die Vermieter dann zahlen möchten.

Durch die Unterstützung von Spendern können wir diesen Sommer bis zu 3 Personen unterbringen. Darunter auch Carola, die erstmal Zeit braucht. um zu sich zu finden. Ganz in Ruhe und in Begleitung. Nicht in Tagen, sondern in Wochen und Monaten. Denn das, was Carola an die Straße bindet, ist über Jahre gewachsen und in 7 oder 14 Tagen einfach nicht zu lösen. Es wird längere Zeit brauchen, die tiefgreifenden Probleme anzupacken und diese Zeit wollen wir ihr geben. Es ist ein Geschenk an ihre Zukunft, weil wir nicht wollen, dass sie so stirbt und wir danken allen Menschen guten Herzens, die uns bei dieser Hilfe für Carola mit unterstützen.

Finanziert aus Spenden

Sei es durch eine Geldspende oder das zur Verfügung stellen von Wohnraum. Es braucht einfach noch mehr Menschen, die bedingungslos helfen und Obdachlose bei sich auch aufnehmen.

Was braucht es?

Zwei Dinge braucht es, um ein Sommernotprogramm für Obdachlose in Hamburg zu realisieren. 1.) Leute die mitmachen, die Wohnraum und/oder eine Fläche zur Verfügung stellen, wo Menschen ohne Obdach ein vorübergehendes Zuhause finden und 2.) Geld für Miete und Begleitung. Denn mit dem Einzug in die 4 Wände ist es nicht getan. Der oder Diejenige braucht Begleitung, Menschen, die sich darum kümmern, gemeinsam den nächsten Schritt zu tun. Wir möchten das gerne leisten und haben dies bereits mit Erfolg getan.

Beispiel „Bolle“

Letzten Mai (2018) war es uns gelungen, den Obdachlosen „Bolle“für wenig Geld in einem Zimmer an der Ostsee unterzubringen. https://www.youtube.com/watch?v=m5JEtpVMTlE&list=UUWbqAhkZlc-5P2_rEJtcXkg

Inzwischen ist der 65-Jährige gut versorgt, hat eine feste Wohnung und wieder eine Krankenversicherung. Danke an Alle, die das mit ermöglicht haben.

Starthilfe in ein neues Leben

Nichts desto trotz – jedes Programm ist endlich und auch wir können nicht ewig das Leben der Betroffenen nur aus Spenden finanzieren. Die Rückführung in ein autark finanziertes Leben – mit oder ohne Sozialamt – muss daher am Ende unserer Bemühungen stehen. Wir verstehen uns daher lediglich als „Starthilfe“ – als eine Art „Motor“ für mehr, mit Antrieb den Kurs auch zu halten. Dafür kämpfen wir und dafür setzen wir uns ein.

TAS – Diakonie-Zentrum für Wohnungslose im April 2018

Wer unsere kleine Bürgerinitiative mit unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen selbst auch tätig zu werden. Sei es mit einem Angebot für eine Fläche zur Aufstellung eines Wohnmobils / einer Wohnbox oder einem Zimmer zur Überbrückung, helft mit – auch im Sommer!

Mietenmove 2018 und auch in diesem Jahr waren wir wieder mit dabei – Sommernotprogramm für Obdachlose – Flagge zeigen JETZT!

Sommernotprogramm JETZT!

Es gibt ein Winternotprogramm, es muss auch ein „Sommernotprogramm“ geben! Wir wollen Menschen wie Carola die übrigen Monate des Jahres nicht einfach so hängen lassen.

Wir können mehr tun als nur zusehen, wie die Ärmsten der Armen von A nach B geschoben werden. „Der Winter ist vorbei, nun könnt ihr wieder draußen schlafen, es ist ja warm draußen“ – habe ich neulich sogar gehört. Doch so einfach ist es nicht. Die Umstellung von 6 Monate weichem Bett auf 6 Monate harte Straße (ohne Bett) ist jedes mal so energielastig, dass viele diesen Aufwand gar nicht erst betreiben, eben weil sie fürchten, das lieb Gewonnene wieder zu verlieren und mit diesem Verlust dann nicht klar zu kommen. Das ist auch einer der Gründe, warum viele der Betroffenen den Winter lieber draußen schlafen, eben weil sie wissen, dass es nicht für immer ist und sie im Sommer wieder raus müssen und was, wen ein Anderer die alte „Platte“ dann inzwischen belegt hat? Dann kann der Betroffene auch dahin nicht zurück!

Menschen, die selbst schon einmal betroffen waren, können das sehr gut nachempfinden, was es bedeutet, ein über Monate lieb gewonnene Bleibe wieder zu verlieren. Der Kreislauf aus „Winter drinnen“ und „Sommer draußen“ wirkt zermürbend. Die Betroffenen bleiben gefangen in der Gewohnheit dieser Dinge und hören auf an ein besseres Leben für sich zu glauben. Diesen Glauben wollen wir helfen wiederzufinden – auch für Menschen wie Carola.

Obdachlose ganzjährig helfen

Ein „Sommernotprogramm“ für Obdachlose könnte das leisten. Obdachlose auch den Sommer über unterbringen und mit Carola fangen wir an. Dieser Aufgabe wollen wir uns stellen. Die Schaffung eines Schutzraums für die Nacht, eine Tür, die man hinter sich zuschließen kann. Keine Angst mehr vor Übergriffen haben zu müssen, das zu aller erst – und alles Andere danach. „HOUSING FIRST“ – SOMMERNOTPROGRAMM JETZT!

www.hamburger-obdachlose.de

Appell & Aufruf „Sommernotprogramm für Obdachlose“ (Video)

https://www.youtube.com/watch?v=jikvDvQg36o&list=UUWbqAhkZlc-5P2_rEJtcXkg&t=5m12s

Video Carola (Teil 1 und 2):

https://www.youtube.com/watch?v=7n71_vgOePg&list=UUWbqAhkZlc-5P2_rEJtcXkg

Spenden für Carola:

https://www.paypal.com/cgi-bin/webscr?cmd=_s-xclick&hosted_button_id=C69KWRT6254TS

Danke an Alle, die den Obdachlosen helfen!

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