Die Schüler der Ida Ehre Schule befassen sich viel mit dem Klimaschutz. ,,Welcome to Wonderland" zeigt die Bestürzung von Cora Leppert (16) über die Umweltverschmutzung. Collage: Cora Leppert

Von Alicia Hagemann. Für das Siegerfoto musste Jesper Nebbe ein guter Kletterer sein. „Weg!“ heißt das Schwarzweißfoto, das Nebbe (14) gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Mitschüler Can Nayci vom Gymnasium Dörpsweg zum diesjährigen Fotowettbewerb für Hamburger Schulen ,,Protest.sucht.Motiv.“ eingereicht hatte. Nebbe kletterte für das Bild auf einen meterhohen Sportplatzzaun, im Gegenlicht sind nur seine Umrisse zu erkennen. „1.000 Dinge werden von einem erwartet, Kreativität und Eigensinn im Keim erstickt. Man will dann einfach nur weg“, schreiben die Schüler, die beide gemeinsam für ihr grandioses Schwarzweißfoto eine Digitalkamera gewannen.

Die Jury bewertete die Inhalte zu Klimaschutz, Cyber-Mobbing, aber auch Gewalt der über 800 eingereichten Fotos. Unter den 66 Siegerbildern, die zwei Jahre lang an wechselnden Orten der Stadt ausgestellt werden, befinden sich auch sehr persönliche Geschichten der Schüler.

Vor über einem Jahr wurde das Thema ausgewählt. Es sollte zum ersten Wettbewerbs dieser Art passen, der 2013 „Plastik. sucht.Motiv“ hieß. Obwohl Greta Thunberg noch nicht für Klimaschutz protestierte, habe das Thema „Protest“ bereits in der Luft gelegen, sagt Projektleiterin Cläre Bordes, die lange Lehrerin an der Stadtteilschule Stellingen war.

Die Ida Ehre Schule hat die imponierende Zahl von über 100 Beiträgen eingereicht. Hanna Griffin (18) hat eine Langzeitbelichtung der nächtlichen Mönckebergstraße gemacht, um die Lichtverschmutzung zu zeigen, der Menschen im 21. Jahrhundert ausgesetzt sind. Im Kunstunterricht hat die Viertplatzierte des Wettbewerbs, Cora Leppert (17), die Montage ,,Welcome to Wonderland“ angefertigt. Eine Alice, die eine Gasmaske tragen muss, zeigt ihre Bestürzung über die Umweltverschmutzung. Definitiv sei diese Generation viel politischer als die Generation bevor, meint Cläre Bordes und sie hofft, dass „die Jugendlichen einen langen Atem haben“.

Besonders schockierend für die Projektleiterin waren Fotos zum Thema Gewalt. Für die heimliche Aufnahme ,,Kindheit unter der Burka“, die die gesellschaftliche Lage der Heimatstadt einer Schülerin in Afghanistan zeigt, begab diese sich selbst in Gefahr. Alle Beiträge würden die Reife und den Mut der Jugend beweisen. Wichtig sei, dass junge Menschen ernst genommen werden, sagt Cläre Bordes. ,,Ich hoffe, dass das Wahlrecht ab 16 bald kommt.“

❱❱ Momentan werden noch Ausstellungsorte für die kommenden Jahre gesucht. Mehr
Infos unter www.protest.sucht-motiv.de

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