Das „Bismarck-Bad“ 1912, ein Jahr nach seiner Eröffnung. „Das Haus verfügte über ein genietetes Dach. Das galt damals als technisches Meisterwerk“, sagt Altonas Stadtarchivar Wolfgang Vacano. foto: Altonaer Stadtarchiv
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Reinhard Schwarz, ALTONA

Das Bismarckbad überstand zwei Weltkriege, mehrere Wirtschaftskrisen und drei politische Systeme aber keinen CDU-Senat. Generationen von Altonaern lernten dort Schwimmen. 1911 eröffnet und benannt nach dem Reichskanzler Otto von Bismarck, Ehrenbürger von Altona, wurde das Bad 2005 geschlossen und 2007 schließlich abgerissen. „Rettet das Bissi“ hatten viele Altonaer vergeblich gefordert.
Der wilhelminische Prachtbau stand an der Ecke Bismarckstraße (heute Ottenser Hauptstraße) und Scheel-Plessen-Straße. An dieser Stelle befindet sich heute ein Elektronikmarkt und ein Schnellrestaurant. 94 Jahre tummelten sich im Bismarckbad Männlein und Weiblein – anfangs noch züchtig voneinander getrennt in zwei separaten Schwimmbecken. Da damals meist nur Begüterte über ein eigenes Wannenbad verfügten, nutzten viele die kleinen Badeanstalten, um sich dort einer Ganzkörperreinigung zu unterziehen. Auch das Bismarckbad bot diesen Service an.

Bis 1980 gab es auch
ein Bad für Hunde

„Altona war damals eine aufstrebende Stadt, der Zuzug war enorm, von daher gehörte ein Hallenbad zur kulturellen Infrastruktur im Kaiserreich“, so Wolfgang Vacano, Leiter des Altonaer Stadtarchivs. Gebaut wurde das Bad nach den Plänen des Stadtbaurats Emil Brandt. Die Stadt ließ sich die technische Innovation mit 1.180.000 Mark einiges kosten, inklusive Kacheln und Ornamenten im Jugendstil.

Bis 1995 wurde die Anlage von den Hamburger Wasserwerken betrieben, anschließend von der städtischen Bäderland Hamburg GmbH weitergeführt. Wer etwas für seine Gesundheit tun wollte, konnte auch Schwitz- und Moorbäder buchen. Auch Fangopackungen und Radiumbehandlungen wurden angeboten. Bis 1980 gab es auch ein Bad für Hunde, die Vierbeiner hatten ein eigenes Wasserbecken, es gab einen Scherraum und einen Trockenraum.

Doch der Zahn der Zeit nagte an dem Bau. Die Fassade wurde mehrfach verändert, ein neues Entree entstand. Der Charme der frühen Jahre verschwand. Nur noch im Inneren konnten die Besucher den Jugendstil-Charakter des Altbaus bewundern. Als die Entscheidung der Bäderland GmbH bekannt wurde, das Bad zu schließen und abzureißen, bildete sich 2004 die Initiative „Unser Bismarckbad bleibt“. Ein Bürgerbegehren wurde gestartet, 80 Prozent der Teilnehmenden sprach sich für den Erhalt des Bades aus. Der Senat unter dem damaligen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) lehnte ab, das Bürgerbegehren galt nur als Empfehlung. Bald darauf wurde das Grundstück an die Deutsche Grundvermögen veräußert und gehört seitdem zum Mercado-Komplex.

Während der Abrissarbeiten schaute Stadtarchivar Vacano immer wieder vorbei, um historische Stücke für die Nachwelt zu retten. Doch die Ausbeute war mager, schildert der Archivar. So wurde die Grundsteinbulle samt der dort enthaltenen Dokumente nicht gefunden. „Auch die beiden Altona-Wappen, die über den Schwimmbecken prangten, waren nach dem Abriss verschwunden.“ So konnte Vacano immerhin noch die Leuchtreklame mit dem Schriftzug „Bismarckbad“ retten, die nun in dem Kellergewölbe des Archivs angebracht wurde.

❱❱ Altonaer Stadtarchiv,
Max-Brauer-Allee 134,
(über Seiteneingang Hospitalstraße), Tel. 50 74 72 24
kontakt@altonaer-stadtarchiv.de
www.altonaer-stadtarchiv.com
mo-fr 10-16 Uhr
(nur nach Voranmeldung)
Leiter und Ansprechpartner: Wolfgang Vacano

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