Einige Nutzer des „Gewerbehofs Hagen“ haben sich rund um den ungeliebten Poller versammelt (v. l.): Barbara Ferloni (Musikinstrumentenbau), Volkmar Grünkorn (Getriebewerkstatt), Jörk Kalkreuter (Kunstschule) und Jan Hempel (Lampenbau). Foto: cvs

Ch. v. Savigny, Ottensen

Eine schmale Toreinfahrt erzürnt die Gemüter in Ottensen Stein des Anstoßes ist rot-weiß markierter Metallpfosten, der seit einigen Wochen die Durchfahrt zu einem Gewerbehof am Hohenesch verhindert. Betroffen von dem Verbot sind 23 Handwerksbetriebe, Künstlerateliers und Geschäfte, die auf dem Hof ansässig sind – etliche davon bereits seit Jahrzehnten. Ohne die Möglichkeit einer direkten Anlieferung seien viele Firmen in ihrer Existenz gefährdet, sagt Lampenbauer Jan Hempel („Lichtsubjekte“) stellvertretend für seine Kollegen. „Wir möchten unbedingt bleiben – auch weil wir hier noch einigermaßen moderate Mieten haben. Das ist in Ottensen heuzutage keine Selbstverständlichkeit mehr.“

Es geht um einen Nachbarschaftsstreit: Auf der einen Seite der alteingesessene „Gewerbehof Hagen“, der auf 2.000 Quadratmetern unter anderem eine Motorradwerkstatt, ein Studio für Gitarrenbau, mehrere Ateliers, eine Kunstschule, eine Siebdruckwerkstatt und eine Getriebewerkstatt beherbergt – auf der anderen ein Vermieter für Ferienappartements. Die Auseinandersetzung begann, als vor fünf Jahren ein Ehepaar das benachbarte Anwesen kaufte und seitdem dort Gästewohnungen vermietet. Denn es stellte sich heraus, dass die – unterkellerte und seit jeher gemeinsam genutzte – Hofeinfahrt marode war und womöglich sogar einzustürzen drohte. Problem Nummer zwei: Die Einfahrt liegt auf dem Grundstück der Gästevermieter – nicht auf dem der Gewerbetreibenden, die die Zufahrt nach eigenen Angaben so dringend benötigen.

Der Gewerbetreibenden möchten, dass die Einfahrt repariert wird, was aber nach Auskunft der Nachbarn „aus statischen Gründen“ nicht möglich ist. Auf keinen Fall will das Ehepaar namentlich in der Zeitung erscheinen, da es wegen der Geschichte bereits zu Genüge „schikaniert und bepöbelt“ worden sei, wie der Ehemann dem Elbe Wochenblatt telefonisch versichert. Alternativvorschlag ist eine zweite Einfahrt, für die allerdings das Vorderhaus des Gewerbehofs durchbrochen werden müsste. Die Planung dafür hatte das Bauamt Altona zwar in diesem Jahr abgesegnet – doch der zuständige Bauausschuss legte sein Veto ein. Angeblich, weil „falsche Informationen“ übermittelt worden seien, so die Appartement-Vermieter. Im Wesentlichen geht es um die Frage der Kosten – die Angaben schwanken zwischen 60.000 und 250.000 Euro – und ob bei dem Durchbruch tragende Wände betroffen wären.

Derweil versuchen die Gewerbetreibenden, so gut es geht über die Runden zu kommen. Volkmar Grünkorn, Chef des seit 1980 ansässigen „Getriebedienst Altona“, rechnet aber bereits mit finanziellen Verlusten. „Wir mussten eine zweite Werkstatt in Stellingen anmieten, weil wir hier nichts mehr ein- oder ausbauen können. Die Mehrkosten sind zum Teil erheblich“, sagt er.

❱❱ Unterschriftenaktion unter www.openpetition.de/petition/online/gewerbehof-hagen-bleibt

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