Durch geschicktes Hin- und Hermanövrieren kann man den (eigentlich zu langen) Balken zwischen den Basketbällen hindurchschieben – ohne dass diese herunterfallen. Foto: cvs

WILHELMSBURG.
Wenn der Begriff „Millimeterarbeit“ noch nicht erfunden worden wäre, dann müsste man es hierfür tun: In winzigen Schritten nähert sich der Gabelstapler einer höchstens drei Zentimeter großen Spielzeugtonne, um diese zu ergreifen und auf einem benachbarten Holzklotz abzusetzen.
Auch der Stapler ist in diesem Fall ein Spielzeug – es klebt vorne auf dem Zinken seines mannsgroßen Schwesterfahrzeugs und bietet zwischen seinen beiden Plas-tikgabeln gerade mal Platz genug für eines der drei kleinen Fässchen. Die Aufgabe verlangt eine ruhige Hand und gute Nerven: Erst wenn alle Gegenstände auf diese Weise versetzt wurden, darf der Fahrer seinen Job als erledigt ansehen. Der Schnellste unter ihnen benötigt dafür an diesem Tag gut eineinhalb Minuten – einige schaffen es aber auch gar nicht.
Karsten Dreyer, Fachlehrer für „Flurförderzeuge“ (so lautet der korrekte Fachbegriff) bei Jetschke Industriefahrzeuge und Cheforganisator des 13. Staplercups auf dem Firmengelände an der Harburger Chaussee, betont die Bedeutung der Veranstaltung: „Für uns ist dieser Tag vor allem eine sehr wirkungsvolle und nachhaltige Sicherheitsschulung“, erläutert er. Etwa 12.000 Stapler-Unfälle seien pro Jahr bundesweit zu verzeichnen – davon zehn bis 15 mit tödlichem Ausgang. „Motivierte und aufmerksame Fahrer machen weniger Unfälle. Außerdem werden alle in Lagern und Logistikbetrieben relevanten Vorschriften auch im Wettbewerb abgefragt und angewendet. Davon profitieren auch unsere Kunden“, sagt er.

Staplerfahren
ist wie Tetris
spielen
Janina Quack,
Staplerfahrerin

Insgesamt fünf Parcours müssen die rund 90 Staplercup-Teilnehmer absolvieren – den schnellsten drei unter ihnen winkt die Teilnahme am deutschlandweiten Finale im September in Aschaffenburg. Unter anderem müssen lange Stangen hochgehoben und senkrecht in ein Loch gesteckt werden. Tabletts mit gefüllten Wasserbechern wollen verlustfrei transportiert, Kanthölzer durch viel zu eng erscheinende Öffnungen hindurch bugsiert werden.
Staplerfahren ist vornehmlich Männersache: Lediglich sechs der aktuellen Teilnehmer sind Frauen. Janina Quack, Fachlageristin bei einer Geesthachter Autoteilefirma, hat einen interessanten Vergleich gefunden: „Staplerfahren ist wie Tetris spielen“, sagt sie. „Wer das kann, der kann auch Autoteile verpacken.“ An den Spielzeugtönnchen ist Janina Quack heute gescheitert. Macht nichts: „Die Veranstaltung macht immer großen Spaß, man lernt viele neue Leute kennen“, sagt sie.

Ergebnisse
Dieter Willmann aus Hamburg von der Glomm Logistik GmbH, Norderstedt bewies das meiste Geschick in dem anspruchsvollen Wettkampfparcours und sicherte sich den Titel „Regionalmeister im Staplerfahren für Schleswig-Holstein und Hamburg“. Zusammen mit Dennis Eggert aus Mölln (LEG Lagerhaus Elbbrücken GmbH) und Mathias Höppner aus Bad Oldesloe (Hass + Hatje Bauzentrum Bad Oldesloe) darf er beim Finale des StaplerCup in Aschaffenburg antreten.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here