Sammeln Spenden für traumatisierte Kolegen (v.l.): Michael Vogeler, Klaus Vöge, Ronald Helmer, Stephan Paul Marcus und Begleiter Dietrich Magunia. Foto: pr

Wer in seinem Job viel Streit und Gewalt sieht, braucht professionelle Unterstützung und auch mal eine Auszeit. Sonst wird man die oft schlimmen Bilder im Kopf nicht mehr recht los, weiß Klaus Vöge. Er hat – nach 2016 schon zum zweiten Mal – für die Stiftung Deutsche Polizeigewerkschaft eine Radtour mit Kollegen organisiert, um Kollegen zu helfen, die im Dienst viel Schlimmes erlebt haben.
Die Stiftung bezahlt traumatisierten Kollegen – auch wenn
sie keine Gewerkschaftsmitglieder sind – den Aufenthalt mit ihren Familien in stiftungseigenen Ferienunterkünften im Bayerischen Lenggries. Vöge: „Das ist wirklich schön dort, mitten in den Bergen.“ Die Zeit dort soll für die Kollegen nach den medizinischen und psychiartrischen Therapien einen Schlusspunkt hinter das Erlebte setzen.
Um das nötige Geld einzusammeln, tritt der 59-jährige Neugrabener Vöge mit drei Hamburger Kollegen – ein weiterer, Michael Vogeler (61), stammt aus Hausbruch – durchschnittlich 130 Kilometer pro Tag in die Pedale, besucht auf seiner Deutschlandtour alle 16 Landeshauptstädte.
Erkennbar sind die radelnden Polizisten an ihren Polizeigewerkschaftstrikos mit dem stilisierten Stern. „Wir wurden 2016 oft an Ampeln angesprochen“, erzählt Vöge, „Da steckte man uns manchmal schon einen Zwanziger zu.“ Deshalb haben die radelnden Polizisten jetzt umfunktionierte Trinkflaschen als Sammeldosen am Rad.
Vöge selbst arbeitet nicht nur für die Stiftung ehrenamtlich: Der Polizist und Personalratsmitarbeiter ist in der Polizeigewerkschaft aktiv. Mit-Radler Vogeler – ehemals beim Landeskriminalamt Hamburg tätig – hat als begeisterter Radfahrer schon vier Vätternseerundfahrten absolviert, hilft zudem ehrenamtlich im Duckdalben.
Für die Fahrt geht grob der halbe Jahresurlaub der Polizisten drauf. „Aber das ist ja für einen guten Zweck“, sagt Vöge. Und alle Teilnehmer sind schließlich auch begeisterte Radfahrer. Die Fahrtkosten – Verpflegung und Unterkunft – zahlen die Polizisten weitgehend selbst. „Oft werden wir auch eingeladen, zum Beispiel nach Berlin: Da nächtigen wir kostenlos bei der Bundeswehr.“

Hamburg werden die radelnden Polizisten auf der achten Etappe am Sonnabend, 15. Juni, erreichen. Von Kiel kommend wird gegen 14 Uhr am Anleger Teufelsbrück für eine Aktion ein Stopp eingelegt. Anschließend geht es mit der Fähre nach Finkenwerder, von dort über Neuenfelde, Rübke und Buxtehude nach Ahlerstedt.

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