25 Jahre Suchtberatung bei „Kajal“: Leiterin Susanne Herrschelmann (li.) mit Mitarbeiterin Sabine Wittig. Foto: cvs

Von Christopher von Savigny.  Sich selbst akzeptieren, die eigenen Stärken erkennen: Dies sei schonmal ein guter Beginn, sagt Susanne Herrschelmann, Leiterin der Suchtberatungsstelle „Kajal“. Das Besondere: Die Einrichtung, die kürzlich ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert hat, wendet sich ausschließlich an Mädchen und junge Frauen von zwölf bis 18 Jahren. „Wenn man sich bewusst macht, was man selbst im Leben für Ziele hat, fällt es oft leichter, von der Sucht loszukommen“, erklärt Herrschelmann.

Die Suchtpräventionseinrichtung – so die offizielle Bezeichnung – in der Haubachstraße ist noch in anderer Hinsicht eine Besonderheit: Denn behandelt werden nicht nur Drogenprobleme (Cannabis, Alkohol), sondern auch Essstörungen. Der Grundgedanke sei derselbe, meint Herrschelmann. „Zuviel essen oder auch nicht essen hat ebenso Suchtcharakter wie etwa übermäßiger Drogenkonsum.“

Klum-Sendung gibt „Push in die falsche Richtung“

Bei Kajal, das vom Verein „Frauenperspektiven“ getragen wird, können die Betroffenen nach Wunsch eine Einzelberatung in Anspruch nehmen. Alternativ finden Hausbesuche statt, etwa in Wohngruppen, die von Jugendhilfeeinrichtungen betreut werden. Viele Mädchen nehmen an speziellen Gruppenangeboten teil: Die Gruppe „Sicherheit finden“ zum Beispiel wendet sich an traumatisierte, suchtmittelbelastete Mädchen, „Ess ich! Ess ich nicht“ ist auf essgestörte Betroffene zugeschnitten. „Auch ohne viel Akquise sind beide Gruppen fast immer voll“, sagt die Leiterin. Weiterhin legt „Kajal“ viel Wert auf Schulung und Weiterbildung von Pädagogen und Betreuern, die tagtäglich mit suchtbetroffenen Mädchen zu tun haben.

Die Ursachen dafür, warum junge Frauen sehr viel Alkohol trinken, exzessiv Hasch rauchen, oder etwa magersüchtig werden, sind vielfältig und nicht leicht zu ergründen. Häufig geht es um Konflikte mit den Eltern oder mit Gleichaltrigen. Herrschelmann bringt noch einen anderen Punkt ins Spiel, der in Zeiten von Instagram und „Germany’s Next Top Model“ mehr und mehr (fragwürdige) Bedeutung erlangt hat: ein verschobenes Schönheitsideal. „Das ist sicher nicht der einzige Grund, kann dem Ganzen aber den gewissen Push in die falsche Richtung geben“, sagt sie.

Zahlen:
Die Beratungsstelle „Kajal“ hat laut eigener Zählung in den letzten 25 Jahren über 2.000 Mädchen – und ihren Angehörigen – bei Ess- und Drogenproblemen geholfen. Im letzten Jahr haben sich 167 junge Besucherinnen und 49 Eltern beraten lassen. Darüber hinaus wurden 315 pädagogische Fachkräfte zu Themen wie Drogensucht und Essstörungen weitergebildet.

Alkohol rangiert beim Thema Drogen seit jeher an erster Stelle. Etwa 20 Prozent der Mädchen zwischen 16 und 17 Jahren trinken regelmäßig Alkohol (Jungen: 30 Prozent). Nach wie vor hoch ist auch der Anteil der Cannabis-Konsumenten in dieser Altersgruppe: Bei einer Befragung in Hamburg, ob innerhalb der letzten 30 Tage Hasch oder Marihuana konsumiert wurde, antworteten 8,4 Prozent der 14- bis 17-jährigen Mädchen mit „Ja“ (Jungen: 15,2 Prozent). Gerade bei Cannabis treten mittlerweile deutlich mehr Suchtprobleme auf, da sich der Wirkstoffgehalt (THC) innerhalb der letzten zehn Jahre verdoppelt hat. cvs

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