Wohnbauten in Lurup-Veermoor von Bernhard Hermkes 1958-1963. Foto: Ursula Becker-Mosbach Hamburgisches Architekturarchiv

KP Flügel, Altona

Zu Beginn macht Vanessa Hirsch auf das bewusst gesetzte Fragezeichen im Titel aufmerksam. Sie ist die Kuratorin der Ausstellung „Schöner wohnen in Altona?“, die noch bis Montag, 24. Juni, im Altonaer Museum zu sehen ist. Hirsch betont, die Ausstellung sei davon inspiriert, dass „vor unseren Augen in einer gefühlt sehr kurzen Zeit die Neue Mitte Altona, ein völlig neuer Stadtteil, empor schoss. Wir ahnten damals schon, dass dieses neue Quartier Auswirkungen haben muss auf das Zusammenleben im Stadtteil und im Bezirk Altona. Für uns Anlass zu fragen, welche Entwicklungen es in der Vergangenheit gab.“ Wenn die Rede von Altona ist, betrifft es den Bezirk mit seinen 14 Stadtteilen von Rissen über die Altonaer Altstadt bis hin zur Sternschanze.

Bei der Vorbereitung sei festgestellt worden, dass das Wohnen eine sehr persönliche Sache sei mit ganz unterschiedlichen Ansätzen, Ansichten und Ansprüchen. „Stadtentwicklung hat sehr viel damit zu tun, dass diese unterschiedlichen Sichtpunkte und Ansprüche ausgehandelt werden.“ Die Ausstellung thematisiert unter anderem den Kampf gegen die Wohnungsnot um 1890, das Schaffen gesunden Wohnraums für alle in den 1920er-Jahren. Dargestellt werden die gleichgeschaltete Wohnungspolitik in der NS-Zeit und die Nachkriegsvision einer „durchgrünten und autogerechten Stadt“.

Widerstand gegen
die geplante City West

Thema sind auch die Auseinandersetzungen um Ottensen in den 1970er-Jahren. Hier sollte die sanierungsbedürftige Wohnsubstanz einer Bürostadt City West weichen. „Es ist das erste Mal gewesen, dass Menschen einer Stadtplanung Widerstand entgegensetzten. Mit Demons-trationen, der Gründung von Bürgerinitiativen und neuen Formen der Kommunikation wurde Druck auf Lokalpolitiker ausgeübt. Man wandte sich gegen den Abriss der Wohnbebauung.

Ottensen war zu einem attraktiven Quartier für Studenten, Arbeiter und viele Migranten geworden. Da wollte man nicht weg.“ Vanessa Hirschs Fazit: „Ich habe noch nie an einem historischen Thema gearbeitet, das einen so starken Bezug zur Gegenwart hat. Stadtentwicklung ist überhaupt nicht historisch, ist vielmehr Gegenwart und Zukunft. Uns alle, die wir in der Stadt leben, betrifft das Thema akut.“

❱❱ shmh.de/de/schoener-wohnen-in-altona

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