Das Angebot der Nettomieten im Frühjahr in den verschiedenen Hamburgs Stadtteilen. Quelle: Gymnasium Ohmoor

Volker Stahl, Hamburg-West

Die Preisrallye auf dem Hamburger Mietwohnungsmarkt geht unvermindert weiter. Laut einer Untersuchung von Schülern des Gymnasiums Ohmoor stiegen die Neuvermietungsmieten binnen eines Jahres um 5,8 Prozent auf durchschnittlich 13,24 Euro pro Quadratmeter – für den Mieterverein zu Hamburg, in dessen Räumen die Studie vorgestellt wurde, eine Entwicklung von „beängstigendem Ausmaß“.

Seit 33 Jahren erheben Geografie-Schüler der zwölften Jahrgangsstufe des Niendorfer Gymnasiums Daten zum Hamburger Wohnungsmarkt – seit mehr als einem Jahrzehnt kennen die Mieten, von kurzen Verschnaufpausen abgesehen, nur eine Richtung: nach oben. Im Jahr 2010 wurden bei Neuvermietungsangeboten im Durchschnitt noch 10,24 Euro verlangt, heute sind es drei Euro mehr. Allein gegenüber dem Vergleichsmonat 2018 sei die Quadratmetermiete um 73 Cent gestiegen, haben die Nachwuchsgeografen herausgefunden. Damit sind die Mieten der in der Hansestadt angebotenen Wohnungen innerhalb eines Jahres mehr als drei Mal so schnell in die Höhe geschossen wie die allgemeinen Lebenshaltungskosten, die laut Statistischem Bundesamt nur um 1,3 stiegen.

Besonders stark erhöht haben sich die Mieten in Sülldorf (plus 23,5 Prozent) und in der Sternschanze (plus 17,7 Prozent).
Zum ersten Mal seit Beginn der Erhebungen waren die Gymnasiasten auf das Datenmaterial des Immobilienportals Immonet AG angewiesen, das den Schülern rund 2.900 anonymisierte Angebote für Hamburg und 2.247 für das Umland zur Verfügung gestellt hat. „Wegen der neuen Datenschutzverordnung konnten wir auf viele Daten nicht direkt zugreifen. Deshalb hat sich auch die Methode der Datenerhebung geändert“, erklärte die Schülerin Janet zu Beginn der Präsentation die Tücken bei der Erfassung. Die Schüler recherchierten selbst nur vier Prozent des Datenmaterials – vor allem für Stadtteile, in denen es wenig Angebote gab.

17,7 Prozent
sind die Preise in der Schanze gestiegen

„Die Untersuchung bestätigt unsere Annahme, dass der Neubau in Hamburg von mehr als 10.000 Wohnungen allein kein wirksames Instrument ist, kurzfristig den dramatischen Anstieg der Mieten zu begrenzen“, kommentierte Siegmund Chychla, Vorsitzender des Mietervereins zu Hamburg, den alarmierenden Trend. Ein Drittel der Mieterhaushalte hätte monatlich weniger als 1.500 Euro zur Verfügung und somit auf dem freien Wohnungsmarkt keine Chance: „Es ist deshalb verständlich, wenn Tausende Mieter auf die Straße gehen, um ihren Unmut über die hohen Mieten zu äußern und für radikale wohnungspolitische Forderungen, wie zum Beispiel Enteignungen, empfänglich werden.“

Eine Entspannung auf dem Hamburger Wohnungsmarkt ist, wie in vielen anderen deutschen Großstädten, nicht in Sicht. Obwohl in der Hansestadt zwischen 2011 und 2018 rund 56.000 Wohnungen gebaut wurden, fehlen aufgrund des Zuzugs von gut 130.000 Menschen mehr als 30.000 bezahlbare. Der von den Schülern ermittelte durchschnittliche Mietpreis von 13,24 Euro pro Quadratmeter bei Neuanmietung liege fast 60 Prozent über dem Durchschnittswert des aktuellen Hamburger Mietenspiegels von 8,44 Euro und beweise, dass die „schlecht gemachte Mietpreisbremse“ nicht funktioniere, sagte der Mietervereinschef.

Der Neubau von mehr als 10.000 Wohnungen ist allein kein wirksames Instrument, um kurzfristig den dramatischen Anstieg der Mieten zu begrenzen
Siegmund Chychla,
Mieterverein

Den starken Mietenanstieg und dessen negativen Folgen für große Teile der Bevölkerung, konstatierten auch die anwesenden Vertreter von Immobilien- und Eigentümerverbänden. „Deshalb bauen wir gegen die wachsende Stadt an“, versprach der Geschäftsführer des Hamburger Grundeigentümerverbands Ulf Schelenz. Allerdings flössen viele günstige Wohnungen in die Erhebung der Gymnasiasten nicht ein, weil diese oft unter der Hand an Freunde oder Bekannte weggingen, behauptete Peter-Georg Wagner, Geschäftsführer des Immobilienverbands IVD.

Chychla fordert dennoch: „Die Zahl der neu gebauten Sozialwohnungen muss bei gleichzeitiger Verlängerung der Bindungsfristen auf 6.000 im Jahr verdoppelt werden! Hamburg soll auch endlich über den Bundesrat sein Gewicht dazu nutzen, den Zeitraum für die Ermittlung der Vergleichsmiete zu verlängern, die Mietpreisbremse praxistauglich zu machen und die längst überfällige Reform der Mietpreisüberhöhung nach Paragraf 5 des Wirtschaftsstrafgesetzes einzufordern.“

Die Zahlen für
Hoheluft 15,89 Euro pro Quadratmeter im Frühjahr 2019 (15,34 Euro im Frühjahr 2018) entspricht +3,6 Prozent
Ottensen 15,34 (14,21) +7,9
Eimsbüttel 15,21 (14,21) +7,0
Sternschanze 16,26 (13,82) +17,7
Stellingen 14,31 (13,49) +6,1
Neustadt 16,52 (15,57) +6,1
Lokstedt 13,83 (13,25) +4,4
Altona 14,52 (15,61) -7,0
St. Pauli 16,45 (15,96) +3,1
Eidelstedt 12,07 (10,72) + 12,6
Osdorf 13,86 (12,35) +12,1
Blankenese 15,52 (14,22) +9,2
Nienstedten 15,61 (14,44) +8,1
Bahrenfeld 14,04 (13,18) +6,5
Othmarschen 15,26 (14,86) +2,7
Lurup 9,63 (9,75) -1,2
Rissen 11,70 (11,94) -2,0
Groß Flottbek 13,29 (14,48) -8,2

Hamburgweit wurden mehr als 5.000 Wohnungsinserate ausgewertet.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here