Rottet vor sich hin: Das Mietshaus Grindelallee 80. Foto: DAd

Dirk Andresen, Eimsbüttel

Showdown im Kampf um die heruntergekommene Prachtvilla Grindelallee 80. Am gestrigen Dienstag wurde der letzte Mieter per Zwangsmaßnahme des Bezirksamtes Eimsbüttel aus seiner Wohnung geholt. Was nun mit dem Gebäude, das bisher dem berüchtigten Miet-Hai Sven Basner gehört, passiert, ist weiter unklar. Der Hamburger Mieterverein erhebt unterdessen schwere Vorwürfe sowohl gegen Basner als auch das Bezirksamt.
„Das Bezirksamt war leider viel zu lange viel zu zahm im Umgang mit Basner“, wettert Mieterverein-Vize Rolf Bosse in Richtung der Behörde, „dort wurde die Entwicklung in diesem Skandal einfach verschlafen. Und jetzt gibt es so gut wie keine Spielräume mehr für eine wirksame Treuhänderschaft durch das Amt.“

„Lassen Sie sich nicht mit Versprechungen abspeisen“

Aber wie geht es jetzt weiter mit den ausquartierten Bewohnern, die teils Jahrzehnte in dem Haus gelebt haben? Bosse: „Wir verfolgen die Strategie, alle betroffenen Mieter in anderen Mietwohnungen und Hotels unterzubringen – und sie mittelfristig wieder in ihre alten Wohnungen zurückzuholen.“
Dazu allerdings müssten sich Basner und das Bezirksamt über einen Verkauf einig werden, damit das Haus überhaupt erst wieder baulich in einen bewohnbaren Zustand gebracht werden kann. Bosse: „Wir sind bereit, gerichtlich eine Instandhaltungspflicht einzuklagen. Dafür würden wir selbstverständlich auch Herrn Basner verklagen.“

Der Skandal, über den das Elbe Wochenblatt in der vergangenen Woche berichtete, und der auch politisch immer höhere Wellen schlägt, sorgt für Alarm bei vielen Hamburger Mietern.
Was rät der Mieterverein bei derartigen Fällen von Häuserspekulation? Bosse: „Man sollte auf jeden Fall seine Rechte als Mieter auf eine mängelfreie Bausubstanz rechtzeitig vehement einfordern. Vermieter, die ihren diesbezüglichen Pflichten nicht oder nur unzureichend nachkommen, sollte man frühzeitig den Behörden melden und dort nachhaltig für eine Sensibilisierung sorgen. Notfalls sollte man die Behörden mit Beschwerden bombardieren.

Sinvoll ist es ebenfalls, sich in betroffenen Häusern zu Mietervereinigungen zusammen zu schließen, um Ansprüche mit mehr Nachdruck durchzusetzen. Solidarität zu zeigen, ist in solchen Fällen ganz, ganz wichtig. Lassen Sie sich von Behörden und Vermietern nicht mit irgendwelchen Versprechungen abspeisern, fordern sie immer wieder konkrete Gespräche ein.“

Bis Redaktionsschluss lag noch keine Antwort des Bezirksamtes auf die Anfrage des Elbe Wochenblatts zum Vorgehen in der Grindelallee 80 vor. Es gibt allerdings eine Kooperation der Hamburger Sozialbehörde mit den Mietervereinen, um Mietern zu ermöglichen, sich gegen unfaire Mieter zur Wehr zu setzen.

Kooperation
Durch eine Kooperation zwischen Sozialbehörde und den Mietervereinen wurden 2018 Forderungen in Höhe von 225.284 Euro abgewendet. Wer Sozialleistungen bezieht und den Eindruck hat, dass Vermieter diese Lage ausnutzen und beispielsweise die Miete für den Zustand der Wohnung zu hoch ist, bekommt Hilfe: Die Stadt finanziert die Mitgliedschaft in einem Mieterverein, in dem Mieter beraten werden.

2 KOMMENTARE

  1. Ja, Herr Bezirksamtsleiter Kay Gätgens (SPD). Wo sind Sie denn, wenn es um Mieterschutz geht? Doch alles nur Worthülsen?

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