Trommel, Saxophon und Seifenblasen als Symbol für zerplatzte Zukunftsträume: die Initiative „Pro Wohnen Ottensen“ vor dem Hochbunker in der Behringstraße. Foto: cvs

Ch. v. Savigny, Ottensen

Schrammelige Musik für günstiges Wohnen: Mit einem Alt-Saxophon und einem zu einer Trommel umfunktionierten Ölfass haben die Mitglieder der Bürgerinitiative „Pro Wohnen Ottensen“ letzte Woche vor dem Hochbunker Behringstraße 38 ordentlich Krawall gemacht. Der Protest richtete sich gegen die Investoren von Quantum Immobilien und Procom Invest, die den Bunker bereits vor vier Jahren abtragen und an dessen Stelle 47 geförderte Wohnungen errichten wollten.

„Wir machen Krach, weil wir nicht möchten, dass das Projekt versandet“, erklärt Ini-Sprecher Matthias Müller-Hennig. „Sozialwohnungen sind im Stadtteil ein rares Gut, für das es sich lohnt, zu kämpfen.“ Mit der umstrittenen Bebauung des wenige 100 Meter entfernt liegenden Zeiseparkplatzes waren Quantum und Procom vor vier Jahren in die Schlagzeilen geraten. Weil dort letztendlich – gegen den Bürgerwillen – ein reines Bürogebäude entstand, entschlossen sich die Investoren kurzfristig, doch noch Wohnungen zu bauen – wohl auch, um die Wogen im Stadtteil zu glätten.

Doch auf die Umsetzung wartet die Bevölkerung bis heute. Das Hauptproblem: Ein benachbartes Wohnhaus, Behringstraße 36a, „lehnt“ sich mit seiner Außenwand direkt an den Hochbunker an. Ein Abriss des – schon länger nicht mehr genutzten – Luftschutzgebäudes würde die Statik des Wohnhauses offenbar schwer in Mitleidenschaft ziehen. Laut der Saga, die das Haus vermietet, müssten sämtliche Bewohner zumindest zeitweise ausquartiert werden.

Eilig scheint es die Saga damit aber nicht zu haben: „Diese Umquartierung – ob temporär oder dauerhaft – kann nur im Einvernehmen mit unseren Mietern erzielt werden“, erklärt Unternehmenssprecher Gunnar Gläser. „Es gelten die bestehenden Mietverträge. Wir ziehen aktuell nicht in Erwägung, rechtliche Möglichkeiten auszuschöpfen.“ Auf die Frage hin, ob den Mietern der Umzug bereits nahegelegt worden sei, antwortet Gläser: „Wir stehen seit 2015 immer wieder im Dialog mit den Mietern der Behringstraße 36a.“

Geplant waren ursprünglich 47 Sozialwohnungen, davon mehr als die Hälfte mit drei bis vier Zimmern. Kaltmiete: gut sechs Euro pro Quadratmeter. Die Bürgerinitiative fordert nun, wenigstens den benachbarten Parkplatz (Nr. 38) zu bebauen. Anderenfalls sei wohl „nicht vor 2024“ mit einer Fertigstellung zu rechnen.

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