Rottet vor sich hin: Das Mietshaus Grindelallee 80. Foto: DA

Dirk Andresen, Eimsbüttel

Der Anblick ist gespenstisch: Aufgebrochene Briefkästen, Flackerlicht, schmutzige Ecken: Kein Zweifel, dieses Haus wurde böse heruntergewirtschaftet. Dabei ist die große Stadtvilla einst ein Prachtbau gewesen. Doch inzwischen ist ein regelrechter Immobilienkrieg um das Objekt in der Grindelallee 80 direkt an der Hamburger Uni entbrannt. Und die Verlierer könnten mit großer Wahrscheinlichkeit die Mieter sein.

Hintergrund: Diese und auch die Linken-Fraktion in Eimsbüttel werfen dem Besitzer Sven Basner seit langem schon vor, das Haus „systematisch leer stehen und verfallen zu lassen“ und es als „Spekulationsobjekt“ zu missbrauchen. Laut „Spiegel TV“ treibt Basner ein ähnliches Spiel mit einer großen Villa in Buxtehude. Er selbst gönnt sich eine sündhaft teure Luxus-Villa mit Elbblick. Der Mieterverein Hamburg stuft Basner als einen der „schlimmsten Vermieter Hamburgs“ ein.

Damit nicht genug: Laut der Mietergemeinschaft des umstrittenen Hauses lässt das Bezirksamt Eimsbüttel die Bewohner im Kampf um ihr Zuhause schmählich im Stich, ließ das Haus wegen fehlenden Umbaugenehmigungen und mangelhaftem Brandschutz das Haus räumen.

Mieter sollen bis Ende
Mai ausgezogen sein

Alvaro Pina-Parraguez, ein Psychotherapeut, der seit 20 Jahren in dem Haus lebt und dort auch seine Praxis hat: „Die Leute vom Bezirksamt sind sogar noch schlimmer als Basner. Wir wurden unter Androhungen von Zwangsmitteln aufgefordert, das Haus bis zum 24. Mai zu verlassen. Aber wo sollen wird bei der Wohnsituation in Hamburg hin? Alle hier haben inzwischen Angst. Das ist keine Sozialpolitik der im Bezirksamt zuständigen SPD-Politiker, sondern Politik für Reiche.“

Der Vorwurf des Arztes: „Hier soll eine Art Prachtboulevard an der Uni entstehen. Und dafür sollen wir aus dem Haus gejagt werden.“ Seine bitterböse Anklage: „Ich bin unter einer Militärdiktatur in Chile aufgewachsen. Und ich hätte niemalsgedacht, dass ich in Europa oder gar Deutschand nochmal so eine verzweifelte Situation durchmachen muss.“

Auch Hartmut Obens, Linken-Fraktionschef in Eimsbüttel, nimmt das Bezirksamt Eimsbüttel ins Kreuzfeuer der Kritik. Er fordert: „Das Bezirksamt muss seine Fehler wieder gut machen, sein Vorkaufsrecht für das Haus nutzen und die angestammten Mieter wieder in die Grindelalle 80 zurückholen.“

Nach Auskunft des Bezirks wurde der rechtliche Rahmen ausgeschöpft. Zudem solle den Mietern eine neue Wohnung vermittelt werden.

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