Gerd Schlegermann zeigt auf das Switch-Schild am Eimsbütteler Markt. Foto: AnD

D. Andresen, Eimsbüttel

Jeden Nachmittag das gleiche Spiel: In Eimsbüttel beginnt der Kampf um die Parkplätze für Privatwagen. In kaum einem anderen Stadtteil gibt es derart wenige der begehrten Abstell-Möglichkeiten wie hier. Und jetzt wird diese Situation sogar noch verschärft. Es bahnt sich ein regelrechter Zoff um vier neue Parkplätze für Car-Sharing-Autos an.
Gerd Schlegermann wohnt seit 45 Jahren direkt am Eimsbütteler Marktplatz. „Sowas habe ich noch nicht erlebt“, sagt der 72-Jährige. Direkt vor seiner Haustür locken vier freie Parkplätze.

Doch nicht für Otto-Normalautobesitzer, sondern die begehrten Abstellmöglichkeiten sind als so genannte „Switch“-Parkplätze für Autos von Carsharing-Firmen reserviert. Und das ärgert Schlegermann. „Und nicht nur mich“, sagt der rüstige Rentner, „alle Nachbarn, die ich hier kenne, sind wegen der Sache auf Zinne.“

Bis die Bagger kamen,
wussten die Anwohner von nichts

Zum einen, weil äußerst begehrter Parkraum direkt in ihrem Wohngebiet künftig wegfällt. Zum anderen aber auch wegen der Art und Weise, wie das zuständige Bezirksamt und die für das „Switch“-Carsharing planerisch verantwortliche Hochbahn das Projekt durchdrückten.

Schlegermann: „Obwohl die Situation für Autobesitzer hier sowieso schon extrem zugespitzt ist, wurden wir nicht ein einziges Mal gefragt. Am 6. Mai rückten hier ohne irgendeine Vorab-Information die Bagger an und schufen Fakten. Ich finde so ein Vorgehen gelinde gesagt unerhört. Ich habe ganz gewiss nichts gegen Car-Sharing, aber so kann man mit Bürgern einfach nicht umspringen.“

Was ihn und die Betroffenen zuätzlich ärgert: „Ich könnte ja noch verstehen, wenn man solche Parkplätze an Bahnhöfen und viel frequentierten öffentlichen Plätzen einrichtet. Aber doch nicht in einem reinen Wohngebiet.“

Das mag Bezirksamtsprecher Kay Becker so nicht stehen lassen. „Das Konzept sieht bewusst zentrale und dezentrale Orte für diese Switch-Parkplätze vor. Damit auch Bürger in Wohngebieten, die kein eigenes Auto besitzen, mobiler zum Beispiel bei wichtigen Transporten schwerer Dinge mit einem Auto werden.“ Das Bezirksamt ist für Becker in diesem Parkplatz-Zoff ohnehin nur sehr bedingt der richtige Ansprechpartner für Beschwerden: „Für das Konzept ist die Hochbahn zuständig. Das Bezirksamt ist da nicht federführend involviert.“

Für Gerd Schlegermann ist das keineswegs tröstend: „Für mich wurde hier willkürlich gegen die Interessen sehr vieler Menschen in unserem Stadtteil entschieden. Die Parkplatz-Situation hat sich für uns weiter dramatisch zugespitzt.“
Was ihn ebenfalls auf die Palme bringt: „Stundenlang wird nicht ein einziger der Car-Sharing-Plätze genutzt. Und für uns wird das Risiko immer größer, abgeschleppt – und dann richtig zur Kasse gebeten zu werden.“

1 KOMMENTAR

  1. Oh, wie ich sie liebe, diese Kommentare, die mit „ich habe ja nichts gegen …“ beginnen. Aber wenn meine eigenen Interessen berührt werden, dann habe ich natürlich etwas dagegen, dann bin ich nicht gefragt, nicht informiert worden, wurde über meinen Kopf entschieden. Wenn diese Ego-Gesellschaft nicht schon so atheistisch geprägt wäre, würde St. Florian die Hitliste der Heiligen mit sehr weitem Abstand anführen. Gerade nach Eimsbüttel gehören die switch-Plätze, weil es dort immer noch zu viele Autoindividualisten mit dem Anspruch auf einen öffentlichen Stellplatz gibt. Leute nutzt die switch-Plätze mit sharingCars!!!

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