Martina Koepen vor dem Eidelstedt Center. Foto: stahlpress

Volker Stahl, Eidelstedt

Auf der Startseite ihres Facebook-Accounts prangt ein Bild vom Eidelstedt Center, das zurzeit modernisiert wird. Weitere Fotos künden von Terminen im Eidelstedter Bürgerhaus, beim Hamburger SV im benachbarten Stellingen und auf einer Baustellenbesichtigung des A7-Deckels in Schnelsen. Alles um die Ecke ihrer Wohnung am grünen Rand ihres Stadtteil gelegen. Seit September 2018 muss die im Stadtteil Eidelstedt aufgewachsene und lebende Sozialdemokratin ganz Hamburg im Blick haben – als stadtentwicklungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft.

Zum Treffen im Redaktionsbüro reist die Verkehrsexpertin trotz Minustemperaturen mit dem Fahrrad an. Martina Koeppen entscheidet sich für einen Cappuccino mit Sojamilch aus dem Kaffeeautomaten und erzählt, dass sie fast jeden Tag in der Feldmark unterwegs ist, um mit ihrer Boxer-Hündin Gypsi Gassi zu gehen. In ihrem Kiez fühlt sich die 52-Jährige seit frühester Kindheit wohl: „Ich bin mit meinen Eltern im Alter von einem halben Jahr von Eimsbüttel in eine Genossenschaftswohnung nach Eidelstedt gekommen und dort fünfmal umgezogen.“ Kurzum: Sie kam und blieb.

Zurzeit verändert sich der Stadtteil durch zahlreiche Bauvorhaben stark. Am Duvenacker wurden 98 Wohneinheiten fertiggestellt, zunächst für Geflüchtete; am Hörgensweg entsteht vis-à-vis der SAGA-Siedlung ein von Hochhäusern geprägter Mini-Stadtteil mit 890 Wohnungen. Direkt an der Autobahn. Die Frage, ob dort nicht ein neuer sozialer Brennpunkt vorprogrammiert sei, beantwortet die gelernte Bauzeichnerin und studierte Architektin salomonisch: „Unser Eimsbütteler Bezirksamtsleiter meint: Wir schaffen das!“ Baukräne prägen das Bild auch an der Holsteiner Chaussee, am Perlweg, in der Lohkampstraße, an der Pinneberger Chaussee und am Furtweg. Bald verändert sich auch an prominenter Stelle an der Kieler Straße gegenüber dem Busbahnhof das Gesicht des Stadtteils.

Klare Kante gegen
Immobiliengiganten

Seit einem halben Jahrhundert registriert Martina Koeppen die Veränderungen in ihrem Kiez, den sie so beschreibt: „Obwohl Eidelstedt ein Teil von Hamburg ist, hat man den Eindruck, dass es sich um eine eigenständige Gemeinde handelt. Das Dörfliche gibt es zwar nicht mehr, aber der Stadtteil ist sehr vielfältig – von Einfamilienhäusern bis zur Hochhaussiedlung gibt es alles, was sich auch in der Bevölkerung widerspiegelt.“ Ihre größte Sorge ist, dass es bei der Integration und dem Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur haken könnte, besonders in den großen Baugebieten.

Koeppen ist seit 1996 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und seit 2001 im Vorstand der SPD Eidelstedt. Von 2004 bis 2008 gehörte sie der Bezirksversammlung Eimsbüttel an, dann wurde sie in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt, in der sie sich als verkehrspolitische Expertin einen Namen machte. Im September 2018 übernahm sie von Dirk Kienscherf die Aufgabe als stadtentwicklungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion und hat in dieser Funktion jetzt ganz Hamburg im Visier.

Das Engagement in der SPD habe nicht zuletzt in der Familientradition seine Ursache, erzählt Koeppen, die sich auf dem Mitte-Rechts-Flügel ihrer Partei verortet: „Geflogen wird immer in der Mitte.“ Bisweilen vertrete sie aber auch „richtig linke Positionen“, sagt die Selbstständige keck. So kann sie sich mit dem zurzeit in Berlin heiß diskutierten fünfjährigen Mietenstopp durchaus anfreunden, „wenn es rechtlich wasserdicht und für Unternehmen wirtschaftlich darstellbar ist“.

Außer den regulativ wirkenden Instrumenten Soziale Erhaltungsverordnungen, Kappungsgrenzenverordnung und Mietpreisbremse befürwortet Koeppen auch die Nutzung des Vorkaufsrechts durch die Stadt, um Wohnungsspekulanten das Geschäft zu vermiesen. In den Eidelstedter Eisenbahner-Siedlungen, in denen Immobilien-Giganten wie die Vonovia und vor einigen Jahren der Investor und Mäzen Helmut Greve ihr Unwesen treiben und trieben, zeigt die Sozialdemokratin klare Kante: „Wenn ich merke, dass Mieter Unterstützung benötigen, setze ich mich für sie ein und empfehle außerdem den Mieterverein, der in der Stadt enorm wichtig ist, um Mietern gegenüber Eigentümern und der Politik Gehör zu verschaffen.“

Und was macht Martina Koeppen, wenn sie sich von politischen Kämpfen erholen will? „Na, durch die Feldmark laufen und im Urlaub Krimis lesen – gerne die von Liza Marklund und Nele Neuhaus.“

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