Possierlicher Nager mit Hang zu starker Vermehrung: die Nutria. Foto: panthermedia

Gaby Pöpleu, Hamburg

In Hamburg gibt es deutlich weniger Wildschweine als vor einem Jahr, aber immer mehr Nutrias – das sind die wichtigsten Erkenntnisse, die die Wirtschaftsbehörde jetzt bei der Auswertung der städtischen Jagdstatistik gewann. Tatsächlich erlegten amtliche und private Jäger im abgelaufenen Jagdjahr, es läuft immer von April bis März des Folgejahres, nur 155 Wildschweine – weil einfach nicht so viele vorhanden waren. Erstmals werden in der Hamburger Statistik 313 zur Strecke gebrachte Nutrias ausgewiesen.

2017 waren noch 272 Wildschweine geschossen worden. Der Grund für den Rückgang: Viele kleine im Frühjahr 2018 auf die Welt gekommene Frischlinge haben die Dürre im vergangenen Sommer wohl nicht überlebt. Außerdem hatten die Wildschweine im Herbst 2018 durch ungewöhnlich viele Eicheln einen üppig gedeckten Tisch, waren satt und sprachen kaum auf Lockmittel der Jäger an, mit denen sie die Schwarzkittel bei der so genannten „Kirrjagd“ vor die Flinte locken wollten.

Die Kirrjagd wurde unter anderem eingesetzt, um die Wildschweine vorsorglich abzuschießen, damit die Afrikanischen Schweinepest sich nicht ausbreiten kann.

Auch weniger Wildkaninchen geschossen

2018 gab es auch weniger Wildkaninchen vor den Jägerflinten: Es wurden statt 700 in 2017 nur 337 abgeschossen – minus rund 50 Prozent. Auch die Tieren mit den langen Ohren dürften unter der Dürre gelitten haben: Hasenkinder können schon bei geringen Wasserverlusten sterben.

Nutrias dagegen kommen damit offenbar klar: Die auch „Biberratten“ genannten recht possierlichen Nager stammen aus Südamerika, wurden bei uns ihres Pelzes wegen gezüchtet. Einige entkamen von Pelztierfarmen, fühlen sich seitdem bei uns richtig wohl und vermehren sich reichlich. Da die Nager in Norddeutschland keine tierischen Feinde haben, wächst die Zahl stetig. Nur strenge Winter mit Minustemperaturen können die Population eindämmen: Nutrias vertragen keinen Frost.

Deshalb wurden die tierischen Neubürger schon 2014 von der EU als „invasive Art“ eingestuft und zum Abschuss freigegeben. Bisher offenbar mit mäßigem Erfolg: Nutrias verursachen nach wie vor Schäden an Deichen und Ufern und unterhöhlen Flächen entlang von Gewässern. Besonders gefährlich ist das Unterhöhlen von Äckern, denn Landmaschinen können einbrechen.

Hirsch, Reh, Hase und Fuchs
In Hamburg wurden außerdem folgende Tiere erlegt: 1.105 Rehe, 415 Feldhasen, 394 Füchse, 142 Steinmarder, 139 Marderhunde, 61 Damhirsche, 40 Dachse, 18 Rothirsche, 4 Waschbären, 1 Baummarder, 1 Iltis und ein entlaufener Sikahirsch.
Dazu kommen folgende Vögel: 1.167 Stockenten, 688 Ringeltauben, 678 Rabenkrähen, 423 Graugänse, 172 Kanadagänse, 138 Fasane, 31 Reiherenten und 15 Höckerschwäne, Für den Abschuss von 63 Lachmöwen, 19 Sturmmöwen und 4 Silbermöven waren Ausnahmegenehmigungen beantragt worden.
19 wildernde Katzen – keine Hunde – wurden erschossen.

2 KOMMENTARE

  1. Entgegen der Aussage haben die Nutrias auch in Norddeutschland eine Vielzahl tierischer Feinde. Greifvögel, Raubfische, Fuchs, Marder, Otter, um nur einige zu nennen.
    Entgegen der Aussage sind die Nutrias nicht gründsätzlich zum Abschuss freigegeben. Da sie zu den etablierten Arten zählen, gilt für sie lediglich die Managementliste, die nicht vorsieht jedes Tier zu töten, noch auszurotten.
    Entgegen der Aussage unterhöhlen die Nutrias keine Äcker. Probleme mit einstürzenden Landmaschinen können nur dort vorkommen, wo die ausreichende Gewässerrandstreifen fehlen und Äcker bis an die Gewässer reichen. Ob in diesen Falle dann Nutrias “ schuldig “ sind, bleibt fraglich.

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