Diese Garage hat Theo zu seinem Schlafzimmer umfunktioniert. Foto: sl

Theo (Namen von der Redaktion geändert) ist verzweifelt. Gut 30 Jahre lang hat er mit Hertha, der Liebe seines Lebens, in einer schönen Wohnung mit Blick über Harburg gelebt. Jetzt sitzt der heute 80-Jährige tagsüber in seinem Auto vor dem Mietshaus. Nachts schläft er in seiner Garage.
Auf Getränkekisten liegt eine dünne Matratze. Nachbarn haben ihm Bettzeug gebracht. Sie versorgen den alten Herrn auch mit heißem Tee und Hühnerbrühe in Thermoskannen. Am geöffneten Fenster seiner alten Wohnung steht Hertha, winkt herunter und ruft nach ihrem Theo. Seit sechs Wochen geht das jetzt schon so. Jeden Tag.
Was ist passiert? Jahrelang hat sich Theo liebevoll um Hertha gekümmert. Hat zwar mitbekommen, dass die ebenfalls 80-jährige Dame immer verwirrter wurde, hat aber eben gut auf sie aufgepasst. Anfang März verletzte sich Theo beim Duschen. Er rief den Rettungswagen an und bestand aber darauf, dass Hertha ihn ins Krankenhaus begleiten sollte, damit sie nicht allein in der Wohnung bleiben muss.

Ich möchte
einfach nur zurück in unsere Wohnung
Theo,
80, Rentner

Im Krankenhaus schaltete sich Herthas Sohn ins Geschehen ein. Und ab jetzt ist die Geschichte nur noch halbwegs klar. Fakt ist, dass Theo nicht mehr in seine Wohnung gehen kann. Er sagt, der Sohn habe ihm den Schlüssel zur Wohnung abgenommen. Theo wurde inzwischen entmündigt und hat einen gesetzlichen Vormund bekommen. Jeden Tag schaut die Polizei nach ihm. Theo erzählt, dass auch Ärzte und der sozialpsychiatrische Dienst des Bezirksamtes nach ihm sehen.
Theo möchte keine andere Wohnung haben. Er möchte auch auf keinen Fall in ein Altenheim ziehen. Und er will um jeden Preis verhindern, dass Hertha in eine solche Einrichtung ziehen muss. „Ich will einfach nur zurück in unsere Wohnung“, sagt er. „Wir haben es erlebt, wie Freunde und Verwandte elendig in solchen Heimen zugrunde gegangen sind, und wir haben es uns gegenseitig versprochen, dass wir niemals zulassen, dass einer von uns ins Heim muss. Ich will einfach nur zurück und Hilfe bei der Versorgung meiner Lebensgefährtin haben.“
Aber Theo will es nicht mit Gewalt durchsetzen. „Ich kann sie nicht vor die Wahl stellen: ich oder dein Sohn! Das würde Hertha das Herz brechen“, berichtet Theo verzweifelt und geht zurück in sein Auto.
Nach Angaben des Bezirksamts ist der Fall bekannt, alle Beteiligten seien dabei, nach einer Lösung zu suchen.

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