Wilfried Lehmpfuhl auf seiner Ducati. Foto: Stahlpress
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Von Volker Stahl. Er ist längst in Rente, aber sein Kampf geht immer weiter: Seit fast 40 Jahren ist Wilfried Lehmpfuhl das „Kampfschwein“ beim Mieterverein zu Hamburg. Zurzeit befindet sich der 68-Jährige, den alle nur „Willi“ nennen, im Unruhezustand und arbeitet noch zwei Tage in der Woche für die Organisation.

Lehmpfuhl hat nicht nur als Berater rund 100.000 Hilfesuchenden rechtliche Hilfe erteilt, sondern als mutiger Anwalt vieler Mieter auch den Kampf gegen Abzocker und Spekulanten auf dem Wohnungsmarkt in der Öffentlichkeit geführt. Mitte der 1990er-Jahre genoss Lehmpfuhl als wackerer Kämpfer gegen den Umwandlungsterror von Firmen, die der Scientology-Organisation nahestanden, mediale Dauerpräsenz. Für sein Engagement wurde er von der langjährigen Mieterbund-Präsidentin Anke Fuchs mit der Silbernen Ehrennadel ausgezeichnet. Nicht Lehmpfuhls erstes Scharmützel in vorderster Reihe: Ende der 1980er-Jahre waren falsche Heizkosten- und Fernwärmeabrechnungen ein großer Aufreger: In der Großsiedlung Mümmelmannsberg hatten Mieter von Außenwohnungen für die anderen mitbezahlt. Nach Protesten des Mietervereins wurde 1989 die Hamburger Heizkostenverordnung geändert – Lehmpfuhls größter Erfolg.

Momentan kämpft der agile Senior, der zu Terminen gerne mit seiner knallroten Ducati braust, gegen den Immobilienkonzern Vonovia, der im Eisenbahnerviertel in Eidelstedt kräftig an der Mietpreisschraube dreht, dringend notwendige Reparaturen nur schleppend ausführt und die Betroffenen mit nicht korrekten Betriebskosten-abrechnungen zur Verzweiflung treibt. Zu seinen Beratungsstunden kommen an jedem Montag (14.30 bis 17 Uhr) „zehn bis zwanzig Ratsuchende“ ins Bürgerhaus Eidelstedt, „die meisten leider wegen der Vonovia“.

Stets half Wilfried Lehmpfuhl Mietern, in denen er vor allem den Menschen sieht, auch im Verborgenen. Dabei gilt sein Engagement vor allem Problemgruppen, die Schwierigkeiten haben, eine Wohnung zu bekommen oder zu halten. Auslöser für dieses Engagement war ein Obdachloser, der in seiner Not Lehmpfuhls Kirchengemeinde kontaktiert hatte. Er schaffte es, ihm eine Wohnung zu vermitteln.

„Willi hat vielen Ärmsten der Armen helfen können, wo andere nicht mehr weiter wussten“, sagt Mietervereinsvorsitzender Siegmund Chychla. Zuletzt hat Lehmpfuhl seinen Chef davon überzeugen können, dass der manchmal etwas betulich wirkende Mieterverein am nächsten Mietenmove teilnehmen wird. Der startet am Sonnabend, 4. Mai, auf dem Hamburger Rathausmarkt unter dem Motto „Miethaie zu Fischstäbchen“. Dass der Mieterverein den Demoaufruf als einer von bisher 62 Unterstützern neben dem Centro Sociale, der Gängeviertel-Ini, dem Dachverband Autonomer Wohnprojekte, der Interventionistische Linke und der Bauwagengruppe Zomia unterzeichnet hat, ist Willis jüngster Coup.

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