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Von Rupert Fabig/Hamburg Towers.

Was für eine Serie. Das Halbfinale zwischen den Hamburg Towers und NINERS Chemnitz entscheidet sich tatsächlich erst in fünf Spielen. Mit dem Rücken zur Wand stehend, schlugen die Akteure von Headcoach Mike Taylor zurück und gewannen in einer dramatischen Begegnung mit 98:96 (69:70, 53:45, 25:21).

Wie gewohnt starteten Cha Cha Zazai, Malik Müller, Drew Barham, Beau Beech und Jannik Freese. Und wie schon am Freitag erwischte Chemnitz, das von 260 vorfreudigen Fans gewaltig unterstützt wurde, den besseren Start. Nach zwei Minuten lag der Gast mit 8:3 vorne. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten und kam in Form von zwei Beech-Dreiern (9:12/5.). Zwar gelang es den Towers nicht konstant, die Niners vom Korb fernzuhalten, da Beech auf der Gegenseite aber auch einbeinige Distanzbomben mit Ablauf der Wurfuhr verwandelte, störte dies wenig (14:14/7.). Und einen weiteren Dreier, diesmal von Tevonn Walker, sowie einen Alley-Oop-Dunk von (natürlich) Justin Raffington später, hatten die Hamburger Anhänger – unter ihnen Innensenator Andy Grote und Football-Coach Patrick Esume – vorübergehend das Kommando über den Lautstärkepegel in der edel-optics.de Arena zurückerobert. Die Partie begann, richtig Spaß zu machen – vor allem den Gastgebern, die fünf Ballverluste erzwangen und sich so auf 25:21 absetzten.

Erneut eine blitzsaubere Leistung erbrachte Justus Hollatz. Mit sage und schreibe acht Punkten in seinen ersten fünf Minuten auf dem Court, einer perfekten Wurfquote, je einem Offensivrebound, Assist und Steal hielt er seine Mannschaft gegen nun zu ihrer gewohnt passfreudigen Offensive findenden Sachsen in Führung (33:30/14.). Den kurzzeitigen 35:34-Vorsprung des Hauptrundenersten egalisierte der 18-Jährige in Kombination mit Max Montana praktisch im Alleingang. Die stehenden Ovationen nach seiner Auswechslung waren ihm sicher. Eine Ganzfeld-Verteidigung brachte anschließend den Rivalen kurz aus dem Rhythmus. Lang genug, um zur Halbzeit ein 53:45 etabliert zu haben. Ein Vier-Punkt-Spiel von René Kindzeka setzte den Deckel drauf.

Schnell sorgte Zazai per Sprungwurf für die erste zweistellige Führung (57:47/21.), ehe erstmal eineinhalb Minuten das Gegenteil von dem passierte, was im Chemnitzer Block los war: nichts. Bedauerlicherweise geschah genau das auch mit dem Score auf Hamburger Seite. Über 3:33 Minuten blieben die Hausherren ohne Korb, leisteten sich dabei technische Fehler. Die Ostdeutschen kamen auf 51:57 heran, erst dann erlöste Hollatz – wer sonst? – die Hanseaten per Europstep á la Giannis Antetokounmpo (okay, ohne Dunk als Abschluss). Was für eine Partie des Supertalents. Aber nicht nur er begeisterte. Die Towers verzückten das Publikum durch ihren Einsatz, kaum ein Spielzug verging, in dem nicht irgendein Akteur nach dem Ball hechtete und auf dem Boden lag. Ein weiteres Zeichen für die Leidenschaft, mit der das Taylor-Team zu Werke ging, war der deutliche Vorteil bei den Rebounds. Das Match wurde immer intensiver. Erneut ein krachender Alley-Oop von Raffington nach tollem Kindzeka-Zuspiel, technisches Foul Rodrigo Pastore, und dennoch blieben die Wilhelmsburger zum Viertelende nicht vorn, da Matt Vest mit dem Buzzer aus acht Metern zum 68:67 verwandelte.

Urplötzlich taute Scootie Guyton auf. Der Mann für die großen Momente erzielte vier Punkte in Folge und zwang die Niners zur Auszeit (73:70/31.). Von da an waren Fingernägel die Hauptspeise im Inselpark. Chemnitz geriet früh in Foulprobleme, die Story lieferte aber erneut Hollatz, der Virgil Matthews zwei Angriffe in Folge übel blockte. Kindzeka, der sein stärkstes Spiel der Serie zeigte, erhöhte auf 80:75 (35.). Die Freude währte kurz, da Lukas Wank per Dreier konterte. Spektakuläre „Hamburg-Chemnitz“-Sprechchöre in der Auszeit passten ins Bild. Wie viel Vertrauen Hamburg in Hollatz setzte, zeigte, dass sie in der Crunchtime sogar Isolationen über ihn liefen. Die Big Shots trafen allerdings die Amerikaner Walker, Beech und Barham. Ivan Elliott machte es 12,0 Sekunden vor Ultimo durch seinen Dreier zum 93:95 ganz spannend, doch der umgehend gefoulte Walker zeigte an der Freiwurflinie keine Nerven. Geschafft? Denkste. Elliott legte nach zum 96:97. Wieder muss Walker an den Wohltätigkeitsstreifen, trifft nur einen, doch der finale Versuch von Ziegenhagen wurde erst nach der Sirene abgefeuert. Ballgame.

„Heute waren wir im Überlebensmodus und haben mit besserer Energie, Kampfgeist sowie Leidenschaft darauf reagiert. Meine Jungs haben alles gegeben. Ich glaube, das lieben die Fans. Besonders die Rollenspieler waren stark, zum Beispiel Justus, René und Justin. Diese Serie macht wirklich Spaß“, sagte Taylor. Sein Gegenüber Pastore ergänzte: „Was für eine Show für den deutschen Basketball.“

Hamburg Towers: Guyton (4 Punkte), Zazai (8), Beech (18), Walker (15), Montana (5), Kovacevic, Kindzeka (9), Müller (4), Freese (0/9 Rebounds), Hollatz (16), Raffington (6), Barham (13).

Zu Spiel fünf kommt es am Dienstag, 30. April, um 19.30 Uhr in Chemnitz. Dann geht es um alles. Um den Aufstieg. Win or go home. Endlich Bundesliga oder weiter ProA. Auf www.airtango.live wird das wichtigste Match der Towers-Vereinsgeschichte ab 19.15 Uhr übertragen

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