Anzeige


Vier männliche Hebammen, bzw. Entbindungshelfer, gibt es derzeit in Deutschland. Und im letzten Jahr stellte die Weltgesundheitsorganisation fest, dass es sich bei Transsexualität nicht um eine psychische Störung handelt. Zwei Nachrichten, die zunächst einmal nichts miteinander zu tun haben. Außer das sie uns vermitteln können, wie sich die Zeit seit dem 16. Jahrhundert verändert hat. Gleichzeitig zeigen sie uns aber ebenso, wie die Vergangenheit uns noch immer prägt.

Doctor Veit, oder auch Vitus Völsch, lebte im 16. Jahrhundert in Hamburg. Der Chronist Adam Tratziger erwähnt ihn in seiner Chronica der Stadt Hamburg von 1557. Er schreibt, dass dieser „Doctor Veit“ (ob er nun wirklich ein Doktor war, wissen wir nicht) sich eine Zeit lang als „Bademume“ ausgegeben und als Hebamme betätigt habe. Hierfür wurde er 1521 verbrannt, was darauf hindeutet, dass die Hamburger ihn als einen Zauberer oder Hexer ansahen. Rund 350 Jahre später beschrieb der Hamburger Stadtarchivar Otto Beneke die Geschichte ausführlicher. Beneke berief sich hierbei wohl auch auf mündliche Quellen, machte aber keinen Hehl aus seiner vollständigen Verachtung gegenüber Vitus Völsch. Demnach sei dieser der Sohn eines entlaufenen Mönches gewesen. Er habe sich als Gaukler, Wünschelrutengänger und Zahnbrecher verdingt, bevor er nach Hamburg kam. Hier habe er dann die Identität einer Frau angenommen, einer Hebamme aus England. Als solche habe sie „Kundschaft in guten Häusern“ gefunden. Wie nun der „erschreckliche Betrug“ aufflog, also Vitus Völschs biologisches Geschlecht bekannt wurde, weiß auch Beneke nicht zu berichten. Nur dass er daraufhin die „gesetzliche Strafe für Zauberei“ erhielt: die Verbrennung. Es ist wohl nicht der einzige Fall, in dem ein Transgender für einen Hexer gehalten wurde.

Der umgekehrte Fall, dass eine Frau die Identität eines Mannes annahm, war zwar nicht weniger verboten, kam aber häufiger vor. Die Päpstin Johanna und die Karibik-Piratinnen Anne Bonny und Mary Read sind hier wohl die Prominentesten. In Hamburg sorgte der Fall der Anna lsabe Bunk und ihrer Ehefrau Maria Cäcilia Jürgens 1701 für Aufsehen. Anna Ilsabe Bunk hatte jahrelang unter der Identität des Mannes Hinrich Bunk gelebt. Dies brachte beiden umgehend den Vorwurf der Zauberei und Hexerei ein. Der Roman „Schandweib“ der Historikerin Claudia Weiß ist auf der Grundlage dieses Falles geschrieben.

Um diese und andere Fälle wird es gehen – und um noch viel mehr bei „Sechs Sechs Hex!“, einer Suche auf der Spuren der Hexenverfolgung in Hamburg. Los geht es um 18 Uhr in der Kaffeestube – Bei den Mühren 65 – in der Hamburger Altstadt. Ab 18:30 Uhr zeigt zeigt Lucas Kaminski Zauberkunst. Zauberkunst war in früheren Zeiten eine Form der Volksaufklärung, um anschaulich zu machen, dass vermeintliche Magie aus Tricks besteht. Um 19:45 Uhr startet der Rundgang durch die Altstadt auf den Spuren der Hexenverfolgung mit dem Autoren dieses Artikels. Dabei werden Orte aufgesucht, die in Verbindung mit der Hexenverfolgung in Hamburg stehen, wie den Ort des Niedergerichts an der Trostbrücke und den Hinrichtungsplatz in der Bergstraße. Zum Abschluss findet ein Hexentanz vor der Katharinenkirche statt. La Carolina und Pantagruel Krause werden Flamenco und kraftvollen Gitarren-/Banjo-Rock verbinden und so leidenschaftlich wütend an die Hexenverfolgung erinnern und mahnen.

Der Kostenbeitrag für den gesamten Abend (inkl. Zaubertrank) beträgt 21 € im VVk. Die Zaubershow und der Rundgang können separat gebucht werden. Voranmeldung bitte an info@kaffeeverkostung.hamburg oder in der Kaffeestube zu den üblichen Öffnungszeiten: Mo/Di/Do 10–15 Uhr; Fr 10–17 Uhr; Sa/So 13–18 Uhr.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here