Radfahrenthusiast: Lars Amenda. Foto: stahlpress

Volker Stahl, Hamburg-West

Lars Amenda gehört zu den wenigen glücklichen Menschen, die keine „entfremdete“ Arbeit leisten müssen. Im Fall des 1970 in Elmshorn geborenen Wahlhamburgers heißt das: „Ich verbinde meine Fahrradleidenschaft mit meinem Beruf als Historiker.“

Schon als als Jugendlicher tourte er gerne durch die norddeutsche Provinz, am liebsten auf robusten Fahrrädern. Später sei er ein „Alltagsfahrer“ gewesen, sagt er. Erst vor neun Jahren packte ihn das Rennrad-Fieber. „Ich bin in die Langstrecken-Szene geraten und habe dort verwegene Radfahrer kennengelernt“, erzählt Amenda, der seitdem bei großen Rennen die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit austestet – wie 2015 auf der Traditionsstrecke Paris-Brest-Paris, die er in 73 Stunden auf dem Rücken seines Drahtesels absolvierte.

Während der Tortour habe er am eigenen Leibe erlebt, dass das Fahrradfahren in Frankreich einen viel höheren Stellenwert besitze als in Deutschland: „Dort stehen die Zuschauer nachts am Wegesrand, feuern die Fahrer an und kredenzen Getränke und Crêpes.“

Er hat die Ausstellung „China in Hamburg“ kuratiert

Lars Amenda hat in Hamburg Geschichte und Politik studiert mit dem Schwerpunkt Nationalsozialismus. Seine Doktorarbeit schrieb er als Promotionsstipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung über das 1944 von der Gestapo „aufgelöste“ Chinesenviertel auf St. Pauli.

Nach Auslandsaufenthalten in Washington DC und London arbeitete er an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und an der Uni Osnabrück. Seit drei Jahren ist Amenda als freier Historiker tätig, verfasst Bücher mit Hamburg- und China-Bezug. Aktuell hat er die Ausstellung „Heizer, Köche & Container. China in Hamburg“ kuratiert, die im September im Hafenmuseum eröffnet wurde.

Nebenher erforschte der Fahrrad-Enthusiast die Geschichte des Vereins Altonaer Bicycle-Club, den Amenda zwölf Jahre nach der Streichung aus dem Vereinsregister im Jahre 2013 wieder aus der Taufe hob, nachdem ihm sein Professor dazu animiert hatte: „Gründen Sie den Verein doch neu!“ Zusammen mit einem Co-Autor schrieb er die Vereinsgeschichte des mittlerweile 80 Mitglieder starken Klubs auf, dessen Vorsitzender er heute ist. Er fand beispielsweise heraus, dass der Club 1869 im damals noch eher ländlichen Eimsbüttel gegründet wurde.

Man darf gespannt sein, welche spannenden Geschichten aus der Fahrrad-Historie Amenda noch aufspürt – derzeit plant er eine Arbeit zur „allgemeinen Geschichte des Radfahrens am Beispiel Hamburg“.

❱❱ Altonaer Bicycle-Club: 216 Seiten, 164 Abb.,24,80 Euro, ISBN 978-3-00-062242-7, lieferbar ab 23. April, Kontakt www.lars-amenda.de

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