Der Weg ins Licht: Die Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema „Tod“ führt dazu, dass die Jugendlichen über ihre persönlichen Wünsche und Hoffnungen nachdenken. Foto: Jugendkirche
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Ch. v. Savigny, Flottbek

Ein langer schwarzer Tunnel, an dessen Ende es plötzlich hell wird – für viele hat dieses Bild, das laut christlicher Überlieferung den Übergang vom Leben in den Tod symbolisiert, etwas Tröstliches. Die Jugendkirche in Groß Flottbek macht daraus seit vielen Jahren ein gefragtes Mitmachprojekt für Schüler und Konfirmanden. Rund 400 bis 500 junge Leute aus dem Hamburger Westen nehmen Jahr für Jahr daran teil.

„Für viele ist es das erste Mal, dass sie sich ernsthaft mit dem Thema Tod auseinandersetzen“, sagt Jugendpastor
Robert Zeidler. Im Grunde gehe es auch gar nicht so sehr um das Ende des Lebens, als vielmehr um die Hoffnung. „Die Jugendlichen sprechen über die Dinge, die ihnen im Leben etwas bedeuten. Vielen gibt das einen großen Schub. Ich habe schon von Eltern gehört, deren Kinder noch Tage später beim Abendessen leidenschaftliche Diskussionen über Themen wie Leben und Tod führten.“

Jeweils im November geht die Veranstaltung mit dem Titel „Die letzte Reise“ in der Jugendkirche über die Bühne. Sie besteht aus einer Fantasiereise und einem Hörspiel. Das Thema kann zum Beispiel lauten: Ein Freund ist todkrank – wie gehe ich damit um? Zum Schluss überlegen die Teilnehmer, was sie auf ihren ganz persönlichen letzten Weg mitnehmen möchten: Erinnerungen, Fotos, eine Kuscheldecke, Freunde, Familie – manchmal sind auch ganz profane Dinge wie Nahrung und Getränke darunter. Die Begriffe werden auf Karten notiert und in einen Koffer gepackt. Selbst der Tunnel ist ganz „lebensecht“ nachempfunden – in Form von schwarzen Tüchern, die den Weg zum hell erleuchteten Altar weisen.

Das Thema „Tod“ wird auch jetzt wieder sehr aktuell – wenn die Jugendkirche an Karfreitag, 19. April, zum „Passionsrock“ einlädt. Die Besucher erleben einen spannenden Gottesdienst mit einer szenischen Lesung der Passionsgeschichte. Für Livemusik sorgt die Band „Projekt Sieben“. Beginn ist um 18 Uhr. Adresse: Bei der Flottbeker Mühle 28.

Jugendkirche
Die Flottbeker Jugendkirche ging 2008 aus der früheren Bugenhagenkirche hervor. Angeboten werden etwa vier bis zehn Gottesdienste pro Jahr, dazu kommt eine Vielzahl an – meist interaktiven – Ausstellungen, so etwa zum Thema „Glück“ oder auch über Martin Luther. Besonders viel Aufmerksamkeit erfuhr die Ausstellung „Der Weg“, die die gefährliche Reise einer Flüchtlingsfamilie nachzeichnete. Sie wurde bereits mehrfach in Hamburg und an anderen Orten gezeigt. 2014 und 2016 war die Berliner Ausstellung „Deine Anne“ (über Anne Frank) zu Gast im Stadtteil. Bemerkenswert: Sämtliche Veranstaltungen werden von Jugendlichen geplant und durchgeführt.
Livemusik spielt in der Jugendkirche eine sehr große Rolle: Die regelmäßig stattfindende „Sound-Andacht“ ist eine Mischung aus Konzert und Gottesdienst, zur „Nacht der Kirchen“ (im September) steigt ein „Soundfish-Festival“ mit jungen Bands. Die Hausband der Jugendkirche – übliche Besetzung: Gitarre, Bass, Keyboard, Schlagzeug – heißt „Bodenpersonal“.
Gefördert wird die Einrichtung vom Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein. cvs

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