Die „Armenkiche“ (Foto um 1940) des zwischen 1713 und 1718 entstandenen Reventlow-Stifts wurde 1745 in Heiligengeistkirche umbenannt. foto: Altonaer Stadtarchiv
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Reinhard Schwarz, ALTONA

Sozialer Wohnungsbau im 18. Jahrhundert: Zwischen 1713 und 1718 entstand in Altona das Reventlowsche Armenstift. Dieses bestand aus einem Waisenhaus, Armenwohnungen und der Armen-Kirche. Die Initiative zum Bau der Anlage ging von Margarethe von Brockdorff (1678-1739) aus. Sie war die Gattin von Christian Detlev Graf von Reventlow (1671-1738), seit 1713 Oberpräsident in Altona. Der umtriebige Adlige nahm als Untertan des dänischen Königs Friedrich IV. von Dänemark an einigen Feldzügen teil. Margarethe von Brockdorff hatte geschworen, sie wolle eine Kapelle stiften, falls ihr Ehemann heil aus dem Krieg heimkomme. Von Reventlow, obwohl einmal verwundet, kam tatsächlich lebend zurück. Die Gräfin ließ ihrem Schwur Taten folgen.

„Die Armen wohnten für ein paar Groschen in den Behausungen“, erläutert Altonas Stadtarchivar Vacano. Die „Wohnungen“, wohl eher „winzige Löcher“, so Vacano, mögen ziemlich einfach gewesen sein, waren für ihre Zeit aber offenbar eine Sensation. Zum Komplex, der sich zwischen heutiger Königstraße und Struenseestraße befand, gehörte auch die Armen-Kirche und ein Friedhof. Auf diesem wurden prominente Altonaer beerdigt, wie etwa der Astronom Heinrich Christian Schumacher. Die Armen-Kirche, die 1745 in Heiligengeist-Kirche umbenannt wurde, existierte bis 1943, wurde von Bomben zerstört und nach 1945 endgültig abgerissen. Der Friedhof, nach der Kirche Heiligengeistkirchhof genannt, wurde 1878 geschlossen und musste Mitte der 1970er-Jahre dem Bau der City-S-Bahn weichen. Dort befindet sich heute ein Park (mit Bismarckdenkmal) und ein Eingang des S-Bahnhofs Königstraße. Einige Grabsteine blieben erhalten, darunter der des Astronoms Schumacher, der heute noch am Rande der Struenseestraße in einer kleinen Grünanlage zu besichtigen ist.

Nach Rechtsstreit ging das Stift an die Stadt Altona

1739 wurde die Stiftung samt dem angesammelten Kapital von 20.000 Talern nach dem Tod Reventlows der Stadt Altona zugesprochen. Ein jahrelanger Rechtsstreit war vorausgegangen und vom Oberappellationsgericht in Pinneberg zugunsten der Stadt entschieden worden, die den Bauplatz zur Verfügung gestellt und deren Bürger beträchtliche Summen gesammelt hatten. Graf Reventlow selbst hatte sich bereits 1732 entnervt auf seine Güter in Dänemark zurückgezogen.

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