Wer mit einem Rollstuhl Taxi fahren möchte, kann das Pech haben, dass die Fahrer die Tour ablehnen. Foto: sl

Inge O. (Name der Redaktion bekannt) ist sauer. Die 76-Jährige aus Neuwiedenthal kümmert sich rührend um ihre 92-jährige Tante Hildegard B. in Eißendorf. Jede Woche fahren die beiden Frauen mit einem Taxi runter in die Stadt. Zum Einkaufen, zum Friseur, zum Arzt. Die alte Dame ist inzwischen auf einen Rollstuhl angewiesen, den man aber leicht zusammenklappen kann. Eigentlich kein Problem für einen Taxifahrer.
Aber in der letzten Woche mussten die beiden Damen eine knappe Stunde im Regen auf einen Wagen warten. „Ich habe das Taxi wie immer telefonisch bestellt und die Ansage lautete: ‚In zehn Minuten ist es da’“, erinnert sich Inge O. Auf Nachfrage hieß es, man finde keinen Wagen, der rollstuhlgerecht sei. „Dabei ist der Rollstuhl zusammengeklappt nicht größer als ein Koffer“, sagt Inge O.

Wenn so etwas passiert, bitten wir die Kunden, sich bei uns zu beschweren
Carsten Meinst,
Funk Taxi Harburg

Das war nicht iher erste schlechte Erfahrung mit Taxifahrern. Wenige Tage zuvor wollten die beiden Damen aus der Innenstadt zurück nach Eißendorf fahren und steuerten den Taxistand am Herbert-Wehner-Platz vor Karstadt an. „Zwei Fahrer haben abgelehnt. Begründung: Sie hätten Rückenprobleme und könnten den Rollstuhl nicht ins Auto heben“, regt sich Inge O. auf. „Das kann doch nicht sein. Was machen die denn mit Fahrgästen, die einen Koffer dabei haben? Die haben doch eine Beförderungspflicht, oder nicht?“

Die haben sie, sagt auch Carsten Meinst, Geschäftsführer von „Funk Taxi Harburg“. „Wenn so etwas passiert, bitten wir die Kunden, sich bei uns zu beschweren. Wenn das ein Fahrer von uns war, wird der für ein solches Benehmen mit empfindlichen Strafen sanktioniert. So etwas darf nicht passieren.“
Ganz anders sieht die Sache allerdings mit dem telefonisch bestellten Taxi aus. Rund 65 Fahrzeuge und mehr als 100 Fahrer sind bei Funk Taxi Harburg zusammen geschlossen. Es gibt Wagen, die geeignet sind, einen Rollstuhl mitzunehmen, und andere, die es nicht sind. „Es gibt Rollstühle in allen Größen. Die Mitarbeiter in der Telefonzentrale können ja nicht sehen, welches Modell mitgenommen werden muss“, erläutert Carsten Meinst.
„In der Zentrale kommen gut 120 Anrufe in der Stunde an. Die Mitarbeiter geben in das elektronische System, an das die Fahrer angeschlossen sind, nur ‘Fahrt mit Rollstuhl’ ein. Die Zeiten, als die Fahrer noch mit Mitarbeitern in der Zentrale geredet haben, sind lange vorbei. Es tut mir sehr leid, dass die Damen 50 Minuten auf einen Wagen warten mussten, aber in dem Fall hat es tatsächlich so lange gedauert, ehe ein Wagen mit Rollstuhleignung zur Verfügung stand.“

1 KOMMENTAR

  1. Fahrzeuge nur dann als Taxi zulassen, wenn auch Platz für einen klappbaren Rollstuhl im Kofferraum ist. Der wöchentliche Einkauf ist für ältere Menschen und gehbehinderte Mitbürger oft der einzige Tag an dem sie aus der Wohnung kommen. Wenn Nachbarn, Freunde und Verwandte sie dabei unterstützen, ist das lobenswert und zur Nachahmung empfohlen. Evtl. kann man auch die klappbaren Rollstühle in 3 Größen-Gruppen aufteilen und farblich markieren. Die Software in der Telefonzentrale wird angepasst, oder wenn das nicht möglich ist ein neuer Arbeitsplatz geschaffen. Ich habe Ehrenamtlich und auch privat viele Jahre Menschen mit einem Handicap unterstützt und kenne die Problematik. Größere Supermärkte helfen ihren Stammkunden gerne beim ein und Aussteigen ins Taxi, einfach mal fragen. Ich meine auch das Taxifahrer Flug-Gepäck in den Kofferraum packen müssen, das wiegt schon mal bis 30kg. Ein Standartrollstuhl ca. 20kg. Die Nachfrage nach „Behindertengerechte-Mobilität“ wird immer größer und wer jetzt nicht reagiert überlässt den Markt anderen Mitbewerbern.

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