Zwei Frauen unter vielen Männern: Claudia Höpner (21, l., Freiwillige Feuerwehr Kirchdorf) und Meike Hingeberg-Pedersen (37, FF Wilhelmsburg). Foto: cvs

Der größte Einsatz der letzten Monate? Claudia Höpner (21) muss einen Moment lang überlegen. „Der Wohnungsbrand in der Veringstraße an Silvester“, erinnert sie sich. Zehn Bewohner holte die Feuerwehr damals aus dem völlig verrauchten Treppenhaus. Löschausrüstung, Atemschutzmasken, Fluchthauben für die Geretteten – das volle Programm. Trotzdem dauerte der Einsatz nur eine gute Stunde.
„Das ist wenig“, sagt Claudia Höpner. „Wenn zum Beispiel ein Reetdachhaus brennt, braucht man schon mal vier Stunden, bis alle Glutnester gelöscht sind.“
Seit knapp zwei Jahren engagiert sich die 21-Jährige als ehrenamtliche Brandschützerin bei der Freiwilligen Feuerwehr (FF) Kirchdorf – als einzige Frau von insgesamt 25 Mitgliedern.
„Das Thema Brandbekämpfung wurde mir praktisch in die Wiege gelegt“, sagt sie. Auch ihr Vater engagiert sich bei der Kirchdorfer Wehr. Schon als Kleinkind durfte Claudia mit auf die Wache. „Mich hat gereizt, dass man dort so viel lernen kann – eigentlich ist es das, was Männer auch spannend finden. Da gibt es gar keinen Unterschied“.

Wenn ein Reetdachhaus brennt, braucht man schon mal vier Stunden, bis alle Glut-
nester gelöscht sind
Claudia Höpner,
FF Kirchdorf

Neben der Kirchdorfer Wehr sind auch die Freiwilligen Feuerwehren Wilhelmsburg und Moorwerder für die Elbinsel zuständig. In allen drei Fällen ist der Frauenanteil gering – bei der FF Wilhelmsburg etwa liegt er bei lediglich drei Frauen gegenüber 15 Männern.
Genauso wie ihre Kirchdorfer Kollegin liebt Meike Hingeberg-Pedersen (37, FF Wilhelmsburg) ihre Beschäftigung der Kameradschaft und der interessanten Fortbildungsmöglichkeiten wegen.
Während der drei Monate dauernden Grundausbildung lernen die Teilnehmer den richtigen Umgang mit Schlauch und Pumpe, sie absolvieren einen umfassenden Erste-Hilfe-Kurs und haben darüber hinaus die Möglichkeit, kostenlos einen Klasse-C-Führerschein zu machen. Meike Hingeberg-Pedersen ist seit mittlerweile zehn Jahren dabei. „Meine zweite Familie“, sagt sie. Als Frau fühlt sie sich in der Männerdomäne Feuerwehr wohl. „Das sind sehr schnell meine Jungs geworden.

Zahlen zur
FF Wilhelmsburg
Die Freiwillige Feuerwehr Wilhelmsburg verfügt über ein Lösch- und ein Katastrophenschutzfahrzeug, jeweils zugelassen für neun Mitfahrer. Sechs Personen müssen es mindestens pro Löschzug sein – von denen wenigstens einer über eine entsprechende Fahrerlaubnis verfügen muss.
2018 rückte die FF Wilhelmsburg zu 190 Einsätzen aus, davon rund 50 nachts. Jedes Mitglied trägt Tag und Nacht einen Pager bei sich, über den es im Bedarfsfall angepiept wird. Es gilt die Regel: Wer nicht gerade krank oder aus anderen schwerwiegenden Gründen verhindert ist, fährt mit.
Umsichtige Brandschützer haben ihre Einsatzkleidung immer bereitliegen und parken den Wagen richtig herum in der Einfahrt. Hintergrund ist, dass die Freiwillige Feuerwehr laut Richtlinie spätestens fünf Minuten nach dem Alarmauslösen einsatzbereit sein soll.

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