Unser schönes Osdorf: Der Heidbarghof im Winter. Foto: cj

Von Colleen Johnston. Zurück in Osdorf: Einige Jahre ist es her, seit ich den Heidbarghof in meinem ehemaligen Stadtteil besucht habe. Der frühere Bauernhof mit dem Reetdach und dem gepflegten Garten, in dem wir damals zum Tag der offenen Tür regelmäßig mit der Turnerschaft Osdorf aufgetreten sind, hat sich seitdem nicht verändert.

Dort, vor dem grünen Scheunentor, treffe ich mich mit Gerhard Jarms, einigen auch bekannt als Doktor Qualle. Der Biologe hat sich viele Jahre der Forschung an Quallen gewidmet und ist nebenbei seit mittlerweile 33 Jahren im Vorstand des Bürger- und Heimatvereins Osdorf, seit 20 Jahren als Erster Vorsitzender.

Im vergangenen Jahr feierte Osdorf sein 750-jähriges Bestehen. Und das wurde ordentlich zelebriert, wenn auch nicht mit einem großen Umzug durch das Dorf wie 50 Jahre zuvor, als sich alle Bewohner beteiligten. „Das war eine einmalige Sache“, sagt Jarms.

Seit 1968 habe sich vieles verändert. Nicht zuletzt wegen der „asozialen Medien“, wie Jarms Facebook und Instagram nennt, sei die Beteiligung an der Ausrichtung von Festivitäten zurückgegangen.

Doch immerhin gab es zur letztjährigen Jubiläumsfeier eine Reiterstaffel und Rundfahrten mit historischen Bussen des HVV, an dem vor allem die Kinder ihre große Freude hatten. Auch wenn ich selber leider nicht an der Festwoche teilnehmen konnte, so statte ich meinem überschaubaren Osdorf mit dem urigen Dorfkern und der nahegelegenen Feldmark immer wieder gerne einen Besuch ab.

Uns lüttje Dörp hat auch Prominenz hervorgebracht. Kein geringerer als Joja Wendt, der in Osdorf seine Kindheit und Jugend verbrachte, beehrte die Gäste mit einem Klavierkonzert. Leider bekamen den Auftritt nur geladene Gäste der geschlossenen Gesellschaft zum Festauftakt im Heidbarghof zu sehen.

Wäre der Pianist und Entertainer in dem großen, für die Allgemeinheit errichteten Festzelt auf dem Sportplatz der Schule Goosacker aufgetreten, hätte sich der Bürger und Heimatverein am Festwochenende möglicherweise besserer Besucherzahlen erfreuen können. Diese waren nämlich etwas enttäuschend, teilt Jarms mit.

Umso überraschender, dass während Festwochenendes am Goosackers das Undenkbare passierte, als sich Anwohner bei der Polizei wegen Ruhestörung beschwerten. Trotz dieser Widrigkeiten war die Festwoche, so Jarms, insgesamt ein Erfolg.

Die große Liebe zu seiner Heimat Osdorf verbindet Jarms mit Weltoffenheit. Er ist ein Gesprächspartner, der erheblich jünger wirkt, als die meisten Ruheständler. In der benachbarten Großsiedlung ist der 70-Jährige bestens vernetzt. „Die Stadtteile Osdorf und der Osdorfer Born sind gut zusammengewachsen“, sagt Jarms „und man lädt sich immer gerne gegenseitig auf die Feste ein“. Das fördere die Gemeinschaft und die Identifikation mit dem Stadtteil. Denn im Zeitalter der Digitalisierung treffe man sich am Nachmittag nicht mehr, wie damals, auf den Dorfplätzen und in Vereinen. Jarms: „In Osdorf muss niemand allein sein“.

Obwohl ich schon seit einigen Jahren nicht mehr in Osdorf wohne, freue ich mich jedesmal, wenn ich im Winter bei „Osdorf kocht über“ altbekannte Gesichter aus der Schulzeit sehe – und das wäre ohne das Engagement der Osdorfer Bürger nicht möglich.
Bei der Jahreshauptversammlung am 5. April wird Jarms nicht mehr als Vorsitzender des Bürger- und Heimatvereins Osdorf kandidieren. Ich bin gespannt, wer sein Nachfolger wird.

❱❱ www.buergerverein-osdorf.de

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here