So soll er aussehen – der Duschbus für Obdachlose. Das Vorbild für „GoBanyo“ kurvt übrigens durch San Francisco. Dort gibt es seit mehreren Jahren eine mobile Waschgelegenheit für Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben. Projektname: „Lava Mae". grafik: pr

Von Christopher von Savigny. „Wenn man tage- oder wochenlang ungewaschen durch die Straßen zieht, hinterlässt das Spuren“, sagt Dominik Bloh. „Nicht nur auf der Haut, sondern auch auf der Seele!“ Der 30-Jährige, der in Eimsbüttel zuhause ist, muss es wissen: Schließlich hat er selbst rund zwölf Jahre auf den Straßen Hamburgs verbracht und das harte Schicksal des Nirgendwo-zu-Hause-Seins täglich am eigenen Leibe erfahren. Sein vor sechs Jahren erschienenes Buch „Palmen aus Stahl“ erzählt von diesem schwierigen Lebensabschnitt.

Mit dem „mobilen Duschbus“ hat Bloh jetzt ein Projekt gestartet, das seinen früheren Leidensgenossen zugute kommen soll: „GoBanyo“ – so der Name, der laut Entwurf großflächig an den beiden Fahrzeugseiten prangen wird – ist ein umgebauter HVV-Linienbus mit voll ausgestatteten Badezimmern, mehreren Duschkabinen und einer integrierten Kleiderkammer. Obdachlose sollen sich dort gratis waschen und pflegen können. Je nach Wunsch erhalten sie frische Wäsche beziehungsweise Kleidung. Der Bus soll regelmäßig und mit festen Haltepunkten auf Hamburgs Straßen unterwegs sein.
In diesen Tagen ist eine Crowdfunding-Aktion für das Projekt gestartet (siehe unten). 140.000 Euro werden für den aufwendigen Umbau einkalkuliert, weitere 60.000 Euro fallen für den laufenden Betrieb innerhalb der ersten zwölf Monate an. Dominik Bloh: „Mit diesem Geld kann unser GoBanyo-Duschbus an drei Wochentagen für je fünf Stunden betrieben werden. Das macht rund 8.000 Duschen pro Jahr.“ Bloh ist sich sicher: „Die Möglichkeit einer Dusche reinigt nicht nur den Körper, sondern auch das eigene Befinden. Denn wer dreckig ist, vermeidet den Kontakt zu anderen Menschen, geht nicht mehr zum Amt, stellt sich in keiner Schlange für eine Wohnungsbesichtigung mehr an. Dafür möchten wir mit dem mobilen Duschbus eine Lösung schaffen.“ Laut Initiatoren richtet sich das Angebot an alle Menschen, die auf der Straße leben oder die keinen Zugang zu fließendem Wasser haben.

Zu den Förderern von „Go-Banyo“ zählen die Organisationen „Viva con Agua“, die Vereine „Hanseatic Help“ sowie „Clubkinder“, die Hamburger Hochbahn und Hamburg Wasser. Der Umbau des Busses soll etwa dreieinhalb Monate dauern. Läuft alles glatt, könnte „GoBanyo“ Anfang August auf Jungfernfahrt gehen.

❱❱ www.gobanyo.org
Crowdfunding: startnext.com/gobanyo-duschbus
Am Sonntagabend hatte die Aktion bereits knapp 19.000 Euro eingesammelt.

2 KOMMENTARE

  1. Klang am Anfang wie ein schlechter Scherz… aber ehrlich gesagt, ein tolles Projekt. Und irgendwie bemerkenswert, dass es ein Privatunternehmer ist und keine öffentliche Einrichtung. Man kann sich nur wünschen, dass auch unser Senat ein derartiges Projekt unterstützt.

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