Kreuzungsbereich Waltershofer Straße/ Moorburger Elbdeich – hier soll von Anfang April 2019 an für über eineinhalb Jahre kein Kfz-Verkehr möglich sein. Foto: ww

W. Wittenburg, Moorburg

Was ist mit der Bauplanung in Süderelbe los? Noch sitzt der Schrecken über die Sperrung des Ehestorfer Heuwegs den Betroffenen in den Gliedern, da droht schon wieder Ärger, diesmal weiter nördlich: Vollsperrung des Moorburger Elbdeiches wegen Bauarbeiten am Containerterminal Altenwerder – für mehr als ein komplettes Jahr! Das Wochenblatt befragte HPA-Sprecherin Sinje Pangritz:

Was plant die HPA und warum ist das notwendig?
Das Containerterminal Altenwerder (CTA) und das Güterverkehrszentrum (GVZ) in Altenwerder sind derzeit ausschließlich von Norden über die Straße Altenwerder Hauptdeich an das regionale Straßennetz angebunden. Zur Verbesserung der straßenseitigen Erreichbarkeit und für einen leistungsfähigen Anschluss des CTAs und des GVZs soll eine redundante Straßenanbindung im Süden hergestellt werden. Diese südliche Anbindung soll von der Kreuzung Waltershofer Straße/ Moorburger Elbdeich unter den Bestandsbrücken der BAB 7 hindurch verlaufen und nach Überquerung des Altenwerder Hauptdeichs an die bestehende Straße Altenwerder Hauptstraße im GVZ anschließen.

Wie hoch sind die Baukosten?
Die Baukosten belaufen sich auf circa 13 Millionen Euro.

Wann und wie wurden die Anwohner informiert?
Die HPA hat mehrfach im Februar, Mai und Juni 2018 über die geplanten Baumaßnahmen unter anderem im Rahmen des Harburger Stadtplanungsausschusses und im Gesprächskreis Moorburg informiert. Die Unterlagen für das Bauvorhaben (…) wurden fristgerecht im Internet veröffentlicht sowie bei der HPA öffentlich ausgelegt und über die Vollsperrung informiert. Die Möglichkeit, Stellung zu nehmen, wurde auch seitens der Bürgerinnen und Bürger intensiv genutzt, so dass der Entwurf aufgrund der Anregungen nochmals überarbeitet wurde. Die nochmalige Erinnerung kurz vor Baubeginn wurde großräumig, aber leider viel zu spät Mitte Februar verteilt, da die Vollsperrung Anfang April eingerichtet werden soll. Dafür müssen wir uns entschuldigen.

Welche Alternativen gibt es?
Um die Auswirkungen auf ein geringst mögliches Maß zu reduzieren, wurde entschieden, an mehreren Abschnitten gleichzeitig zu bauen. Die Fahrbahn muss dafür aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen komplett gesperrt werden. Eine Verlegung des Durchgangsverkehrs ist aufgrund der beengten Verhältnisse – nördlich Deich, südlich Privatgrundstücke – nicht möglich.

So geht es weiter
Bisher wurden vorbereitende Arbeiten wie Baumfällungen und Kampfmittelsondierungen durchgeführt. Nach dem offiziellen Baubeginn im März wird die Straße Moorburger Elbdeich zwischen der Kreuzung Waltershofer Straße bis Moorburger Elbdeich 299 ab April 2019 bis zum zweiten Quartal 2020 für den öffentlichen Kfz-Verkehr gesperrt werden.

Ärger bei den Anliegern
Sollte der Moorburger Elbdeich wegen Bauarbeiten für eineinhalb Jahre für den Fahrzeugverkehr gesperrt werden, wären Existenzen bedroht, eine Kita in Aufregung, Anwohner in Unsicherheit und sogar die Feuerwehr in Not. Das sagen Betroffene:
Ralf Bock (46), Leiter Kinderland Moorburg, sieht Probleme kommen: „Viele Eltern, Kinder und Mitarbeiter nutzen diese Strecke. Der alternative Weg über die Kreuzung am Kraftwerk ist ein deutlicher Umweg. Wenn wir bedenken, dass dieser Weg jetzt schon sehr staubelastet ist, und es zu enormen Verzögerungen durch die Kattwykbrücke kommt, ist es kaum vorstellbar, dass Eltern pünktlich ihre Kinder bringen und abholen können. Das bedeutet Mehrkosten für die Eltern durch Extrabetreuung und Überstunden für die Mitarbeiter.“

Lisa-Mia Schaich (34) von der Bürgerinitiative „Runder Tisch Moorburg“ ist schockiert: „Was passiert mit dem Bus der Linie 157, der ohnehin nur alle Stunde durch Moorburg fährt? Unsere größte Frage ist, wie unsere Kinder mit dem Schulbus die Schulen in Neugraben und Neuenfelde erreichen sollen. Wir haben großen Gesprächsbedarf und wünschen uns Offenheit und Ehrlichkeit.“

Auch Lennart Rüpke (32), von der Freiwilligen Feuerwehr Moorburg hat Bedenken: „Kommt es zu einer Alarmierung, sehe ich zum einen die Problematik, dass Einsatzkräfte aus ,Unten Moorburg‘ keine Möglichkeit haben das Gerätehaus zu erreichen. Zum anderen können Mannschaft und Gerät keinen Einsatzort in angemessener Zeit erreichen, der sich in ,Unten Moorburg‘ befindet.“

Inge Sockel (66), Küsterin der Kirche St. Maria Magdalena: „Ich mache mir die größten Sorgen um ältere und gehbehinderte Mitmenschen: Wie sollen sie Arzttermine wahrnehmen? Wie sollen sie Gottesdienste besuchen, an Gemeindeversammlungen und -veranstaltungen teilnehmen können, und wie soll der Besuch unseres Friedhofes vonstatten gehen?“

Manfred Brandt (74), Landwirt und Vorsitzender „Moorburger Art“ ärgert sich: „In der Anlieger-Information sollte der Moorburger Elbdeich für den gesamten Anliegerverkehr offen bleiben. Warum die Vollsperrung erforderlich sein soll, wird nicht begründet. Meiner Meinung nach wäre eine Alternative, den Verkehr einspurig an der Baustelle vorbeizuführen, wie bei solchen Baumaßnahmen üblich. Ich werde auch rechtlich gegen die Sperrung vorgehen, wenn keine politische Hilfe kommt.“

Tanzpädagogin Imke Hornack (39) fühlt sich in ihrer Existenz bedroht: „Ich betreibe seit vier Jahren den ,Bewegungsraum Moorburg“. Wir müssen für unsere Kunden erreichbar sein, sind wie alle Moorburger aus allen Wolken gefallen und unangenehm überrascht.“

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