Das Berufsbildungswerk in der Reichsbahnstraße ist Teil des städtischen Perspektiv-Kontors und soll privatisiert werden. Foto: tp

Dachgesellschaft Perspektiv-Kontor Hamburg soll verkauft werden – rund 170 Beschäftigte in Eidelstedt betroffen

Thomas Pöhlsen, Eidelstedt

Die Angst geht um im Berufsbildungswerk Eidelstedt: Die Mitarbeiter, die beim Perspektiv-Kontor Hamburg GmbH (Pepko), beschäftigt sind, helfen sonst Menschen, ihren Platz auf dem Arbeitsmarkt zu finden, etwa wenn sie gesundheitliche oder psychische Einschränkungen haben oder über keine Berufsausbildung verfügen. Doch jetzt müssen sie sich Sorgen um ihre eigenen Arbeitsplätze machen. Der Träger, die Stadt Hamburg, will die Pepko privatisieren.

Angelika Gericke von der Gewerkschaft ver.di macht denn auch eine „große Verunsicherung“ bei den mehr als 500 Mitarbeitern des Perspektiv-Kontors Hamburg aus. Die Gewerkschaftssekretärin kritisiert die Privatisierungspläne: „Öffentliche Dienstleistungen gehören in öffentliche Hände.“
Den Verkauf hat im September der Aufsichtsrat des städtischen Unternehmens beschlossen, zu dem unter anderen das Berufsbildungswerk in Eidelstedt gehört (siehe Seite 3). Die „wirtschaftliche Situation“ ist „seit Jahren angespannt“ schreibt der Senat als Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken. 2013 musste das Unternehmen aus der Insolvenz gerettet werden, unter anderem mithilfe von umfangeichen Grundstücksverkäufen, und 2017 wurde ein Minus von 1,7 Millionen Euro angehäuft. Pepko steht in Konkurrenz zu anderen Anbietern, argumentiert der Senat. Mit dem Verkauf „wären sie ihren Wettbewerbern am Markt gleichgestellt“.

Die Autorin der Anfrage, die Linken-Bürgerschaftsabgeordnete Carola Ennslen, sieht die Probleme an anderer Stelle. „Das Unternehmen war einmal hervorragend aufgestellt“, sagt sie. Auf geänderte Rahmenbedingungen – die Zuschussgeber wie Arbeitsagentur, Renten- und Krankenversicherungen fördern immer mehr kürzere statt wie früher längere Maßnahmen – ist jedoch nicht reagiert worden. Moderne Bedarfe, etwa aus der Computerisierung der Arbeitswelt, wurden nicht in die Angebote aufgenommen.
Carola Ennslen befürchtet ähnlich wie nach dem Verkauf städtischer Krankenhäuser an einen privaten Träger „schlechte Löhne, Leiharbeit, Honorarkräfte, befristete Beschäftigungen, Arbeitsüberlastung“.

Aus Mitarbeiterkreisen weiß Angelika Gericke, dass – wenn schon verkauft werden soll – ein Modell favorisiert wird, nach dem 25,01 Prozent bei der Stadt bleiben. „Dann hätte die Stadt die Möglichkeit, bei Fehlentwicklungen einzugreifen“, sagt die ver.di-Expertin.
Für einen Teil der Mitarbeiter hofft Angelika Gericke einen Bestandsschutz herausholen zu können, der so lange wie möglich gilt. Sie verhandelt derzeit über einen Tarifvertrag, der das bisherige Niveau festschreibt, jährliche Steigerungen beinhaltet und auch für den Käufer gilt.

Auf Nachfrage teilt Behördensprecher Martin Helfrich mit, dass wegen grundsätzlicher Klärungen noch kein Zeitplan genannt werden kann. Die Bürgerschaftsabgeordnete der Linken geht davon aus, dass der Verkauf so rechtzeitig abgewickelt werden soll, dass er kein Thema mehr für den Bürgerschaftswahlkampf liefert. Die Hamburger wählen am 23. Februar 2020 ihr neues Stadtparlament.

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