Gegenwind aus den Grundschulen: Hier protestiert die Elternschaft der Max-Brauer-Schule mit ihren Kindern gegen die Pläne des Senats -Motto. „Das muss auch anders gehen. Foto:CVS

Gaby Pöpleu, Altona

Wohnungsneubau und steigende Geburtenzahlen lassen die Schülerzahlen in Hamburg steigen, auch in Altona. Schulsenator Ties Rabe legte jetzt offiziell sein neues Schulkonzept für den Stadtteil vor. Insgesamt 23 neue Grundschulklassen plant die Schulbehörde für die kommenden Jahre. Schon in den vergangenen Monaten hatte es Proteste gegen die Erweiterung von bestehenden Grundschulen gegeben.

In unmittelbarer Umgebung des Altonaer Krankenhauses und im Neubaugebiet Trabrennbahn sollen zwei ganz neue Schulen mit jeweils vier parallelen Klassen gebaut werden. Außerdem werden sechs Grundschulen im Bezirk Altona erweitert, die Theodor-Haubach-Schule (plus drei auf sieben Züge), die Max-Brauer-Schule (plus drei auf sechs Züge) die Loki-Schmidt-Schule (plus eineinhalb auf fünf Züge), die Ganztagsschule an der Elbe (plus einen auf vier Züge), die Schule Mendelssohnstraße (plus einen auf fünf Züge) und die Schule Rothestraße (plus einenhalben auf fünf Züge).

Nicht alle sind von den Plänen begeistert: Schon im Dezember hatten Eltern und Schüler der Max-Brauer-Schule gegen die geplante Erweiterung (das Elbe Wochenblatt berichtete) protestiert, Anfang Februar waren rund 400 Eltern, Schüler und vereinzelte Lehrer nochmals auf die Straße gegengen. Auch andere Schulen hatten sich dem Protest angeschlossen.

Wesentliche Kritikpunkte der Max-Brauer-Eltern: Die Grund- und Stadtteilschule – derzeit werden dort rund 1.500 Kinder unterichtet – würde dann mit jeweils sechs parallelen Klassen pro Jahrgang zu groß, das Schulgelände sei zu klein dafür. Insgesamt würden dann 1.750 Kinder an der Max-Brauer-Schule unterrichtet – sie wäre dann die größte Schule Hamburgs. Gerade für die jüngeren Grundschulkinder sei dies zu unübersichtlich.

Die Schulbehörde argumentiert dagegen mit der dichten Bebauung in Altona-Altstadt, Altona-Nord, Ottensen und Bahrenfeld: Weil das Altonaer Kerngebiet bereits dicht bebaut sei und es zu wenig freie, große Grundstücke gebe, könne der Bedarf an Schulplätzen nicht nur durch neue Schulen gedeckt werden, heißt es in einer Mitteilung. Man könne hier nicht noch „auf jede Kreuzung eine Schule setzen“, hatte Schulsenator Rabe im NDR gesagt.

In Sachen Max-Brauer-Schule ist die Behörde ebenfalls eindeutig: „Steigende Schülerzahlen in unmittelbarer Nähe“, „deren Beliebtheit bei den Eltern“, das „großzügige Grundstück und der Mangel an alternativen Grundstücken“ machten die Erweiterung „zwingend erforderlich“, so Behördensprecher Peter Albrecht. Schließlich seien große Schulen bei den Eltern beliebt, Größe scheine die Qualität der Schule laut Schulinspektion sogar zu fördern.

Elternprotest
Die Eltern der Max-Brauer-Schule haben inzwischen eine Online-Petition gegen die Erweiterung ihrer Schule gestartet. Darin fordern sie von Senator Rabe einen „bedarfsangemessenen Neubau von Schulen statt Überlastung der vorhandenen Schulen)“ und einen langfristigen Schulentwicklungsplan. Der letzte lief 2017 aus. Außerdem sollen bei allen größeren Neubauvorhaben „stets Flächen für schulische und soziale Infrastruktur“ ausgewiesen werden.
Mehr Infos auf der Internetseite des Elternrats
❱❱ www.dasmussandersgehen.de

1 KOMMENTAR

  1. Nicht erst seit 2017 gibt es keinen neuen Schulentwicklungsplan, sondern schon seit 2012. Das bedeutet, dass die Schulbehörde seitdem keinen, die aktuellen städtebaulichen Entwicklungen umfassenden, Plan veröffentlicht hat. Parallel entstehen in Hamburg spätestens seit der Bauoffensive 2011 tausende neue Wohnungen, alleine im Altonaer Kerngebiet sind es 12.000 bis 2025. Spätestens seit 2011 liegt auf der Hand, dass dort in Zukunft mehr Schulplätze benötigt werden. Die Schulbehörde wird immer in größere Bauvorhaben einbezogen, aber Schulsenator Rabe hat es verpasst – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – rechtzeitig ein ganzheitliches und nachhaltiges Konzept für diesen Mehrbedarf an Schulplätzen zu entwickeln.
    Das neue Schulkonzept von Herrn Rabe für den Stadtteil, ist nichts anderes als der Versuch, die Konsequenzen der verfehlten Schulpolitik auf den Rücken der Kinder zu laden, indem diese in Zukunft in drangvoller Enge und unüberschaubarer Größe in der Schule zurecht kommen müssen. Das ist nicht in Ordnung. Die Verantwortlichen sollen die Verantwortung für ihr Fehlverhalten übernehmen und dem Bedarf entsprechend ausreichend neue Schulen bauen. Die Grundstücke sind da, aber dafür muss Geld in die Hand genommen werden. Ein gutes Lern- und Entwicklungsumfeld für unsere Kinder sollte uns das allemal wert sein.

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