Buchhandlung Lüders (v.l.) Ragna Lueders-Cords, Tochter Rahel Cords und Mitinhaber Thomas Bleitner. Foto: frederika hoffmann

Maren Langenbach, Eimsbüttel

„Ich bin so viel gereist, hab an so vielen Orten fotografiert – nur vor der eigenen noch Haustür nicht. Das wollte ich ändern“, sagt Frederika Hoffmann auf die Frage, warum sie, zusammen mit der Geschichtswerkstatt Eimsbüttel, das Fotobuch „Gezweckt & Aufgemöbelt, Inhabergeführte Geschäfte in Eimsbüttel“ heraus gebracht hat. „Ich lebe nun schon so lange hier, fast 30 Jahre, da war es an der Zeit, den Menschen hier einmal ein Gesicht zu geben.“

Hoffmanns Vater hatte ein Lebensmittelgeschäft

Eine Hommage an Eimsbüttel. Den Stadtteil, den die 64-Jährige „so sehr liebt und aus dem sie nie wegziehen möchte.“ Und in dem die Dichte an inhabergeführten Geschäften so hoch ist wie in fast keinem anderen Viertel Hamburgs. Egal ob „Leder-Israel“ im Schulweg, der Hähnchengrill „Feinschmecker“ in der Osterstraße oder die Buchhandlung „Lüders“ im Heußweg – Frederika Hoffmann schätzt diese kleinen feinen Läden, in denen das Angebot individuell und die Bedienung persönlich ist. Und sie ist dankbar, dass die Geschäftsleute, deren Familien ihre Unternehmen oft bereits über mehrere Generationen führen, ihr für das Projekt so offen gegenüber getreten sind.

„Fast immer bin ich bei den Inhabern auf Begeisterung gestoßen, wenn ich, ohne mich groß angemeldet zu haben, in die Geschäfte kam und von meiner Idee des Fotobuchs erzählte“, erinnert sich die Fotografin, die selbst über und in dem von ihrem Vater geführten Lebensmittelladen in Dassendorf bei Bergedorf aufwuchs.

Hoffmann geht mit großem Respekt an die Arbeit, weiß sie doch aus ihrer eigenen Familiengeschichte, was es bedeutet, einen Familienbetrieb zu führen. Das schätzen die Geschäftsleute und lassen die Fotografin einen Blick hinter die Kulissen werfen. „Sie ließen mich in ihr Allerheiligstes, die Werkstatt, das Büro, das Labor – eben dort, wo sonst kein Kunde hinkommt – und ich durfte sie in ihrem Arbeitsumfeld fotografieren. Das ist schon ein großer Vertrauensbeweis.“

Dabei setzte die gebürtige Hamburgerin nicht auf „Bitte lächeln!“-Fotos, sondern baute ihr Stativ auf und wartete. „Ich wollte die Leute bewusst anders darstellen, mit ernstem oder neutralem Gesichtsausdruck – Lächel-fotos gibt es schon genug.“ Mit ihren Langzeitbelichtungen erinnert dies an den Gesichtsausdruck von Porträtierten in der Pionierzeit der Fotografie. Für den Betrachter wirkt dies im ers-ten Moment etwas befremdlich, ungewohnt, gar etwas unfreundlich. Doch es zeigt auch, dass das Führen eines Familienbetriebs nicht fortwährend Glück und Erfolg bedeutet. Die Texte im Buch zeugen von Familiengeschichten, die Brüche haben, Neuanfänge, generationsbedingte Umstrukturierungen.

Zusätzlich wurden sie mit Abbildungen aus der Historie der jeweiligen Geschäfte versehen. Auch ihre Porträts sind teilweise schon wieder Geschichte: Vier von den im Fotobuch abgebildeten Läden gibt es heute nicht mehr. So etwa „Pelzhaus Schmidt“ in der Osterstraße, dem Geschäft, mit dem Frederika Hoffmann ihre zweijährige Arbeit an dem Projekt startete. Ein Teil des Buchtitels stammt aus dieser Zusammenarbeit. „Gezweckt“ ist ein Begriff aus der Pelzverarbeitung, bei der Pelz oder das Leder auf eine Holzplatte gespannt wird.

❱❱ Frederika Hoffmann:
„Gezweckt & Aufgemöbelt“,
Galerie Morgenland/ Geschichtswerkstatt Eimsbüttel , 80 Seiten, fünf Euro
www.frederika-hoffmann.de

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