Staubsauger gegen Abgase: Initiativenmitglieder demonstrierten medienwirksam gegen Luftverschmutzung in der Stresemannstraße, Höhe Sternbrücke. Foto: Reine! Luft! Altona!

Ch. v. Savigny, Altona

Im vergangenen November blockierten sie öffentlichskeitswirksam den Verkehr in der Stresemannstraße und „saugten“ als weißgekleidete Saubermänner mit ihren Staubsaugern die Auspuffgase der Lkw weg. Jetzt, rund ein Jahr nach ihrer Gründung, zieht die Anwohnerinitiative „Reine! Luft! Altona!“ ein nüchternes Fazit: Die Durchfahrtsverbote seien wirkungslos geblieben – stattdessen hätten nun andere Stadtteile unter dem Verkehr zu leiden.

„Wegen der neuen Regelung wählen viele Autofahrer die Alternativstrecke vor unserer Haustür“, berichtet Rudolf Wilzek, Ini-Mitglied und Anwohner der Harkortstraße. Laut Initiative verteilen sich die Schadstoffe seither lediglich über einen größeren Bereich.

Als erste Stadt Deutschlands hatte Hamburg im Mai 2018 ein Durchfahrtsverbot für ältere Dieselfahrzeuge eingeführt, die die Euro-Abgasnorm 6 nicht erfüllen. Betroffen sind ein 1,6 Kilometer langer Abschnitt der Stresemannstraße (Kaltenkircher Platz bis Neuer Pferdemarkt, nur Lkw) sowie ein 600 Meter langer Teil der Max-Brauer-Allee (Julius-Leber-Straße bis Holstenstraße, Pkw und Lkw). Ausgenommen von der Regelung sind Anwohnerfahrzeuge, Taxen, Linienbusse, Müllautos, Kranken- und Lieferwagen.

Keine Verbesserungen selbst nach offizieller Darstellung

Insgesamt verfügt die Hansestadt über 15 offizielle Messstationen, davon vier im Altonaer Kerngebiet (Max-Brauer-Allee, Stresemannstraße, Kieler Straße und Sternschanzenpark). Gemessen wird unter anderem der Anteil von Stickoxiden und Feinstaub in der Atemluft. Der EU-Grenzwert für Stickoxide liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Dieser wird – insbesondere in Altona – laut Behörde häufig überschritten. Selbst nach offizieller Darstellung haben die Fahrverbote jedoch keine Verbesserungen erbracht – das jedenfalls ergab eine Auswertung von Ende 2018.

Die Initiative fordert deshalb, den Lkw-Transitverkehr generell aus der Innenstadt zu verbannen. Zudem müssten neue Tempo-30-Zonen eingerichtet werden – auch an Hauptstraßen. „Mit einem verkehrspolitischen Gesamtkonzept erreicht man mehr als durch viele kleine Maßnahmen“, sagt Marcial Velasco, Ini-Mitglied und Arbeitsmediziner am UKE. Zu den größten Gesundheitsgefahren zählen laut Velasco Asthma, chronische Bronchitis, Schlaganfall, Herzinfarkt und Lungenkrebs.

Diskussion
Zu einer Diskussionsveranstaltung am Sonnabend, 2. März, um 15 Uhr im Bürgertreff Altona-Nord, Gefionstraße 3, laden die Initiative „Reine! Luft! Altona!“, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND sowie Miglieder der Linke-Bürgerschaftsfraktion.

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