Teunis, Johanna, Frederick und Charlotte (v.l.) aus dem Oberstufenprofil „Experiment Erde” unter der Leitung von Oliver Kümmerling (r.) stellten in der Vortragsreihe ihre Ergebnisse zum Klimawandel vor, wofür sie die im Hintergrund zu sehenden Stellwände aufbauten. Foto: JVE

Julia Vellguth, Othmarschen

Das Polareis, der Meeresspiegel steigt, es gibt Dürren und Wassermangel – die globalen Folgen des Klimawandels sind Oberstufenschülern durch den Geographieunterricht präsent. Doch wie sieht es mit den Auswirkungen speziell auf Hamburg aus? Dieser Frage gingen die Schüler des Oberstufenprofils „Experiment Erde” des Gymnasiums Hochrad unter der Leitung von Geographielehrer Oliver Kümmerling nach. Ihre Ergebnisse stellten die Schüler jetzt in öffentlichen Vorträgen vor.

Nach den Themen „Hafencity” im Jahr 2013, „Die Elbe” 2015 und „Die Nordsee” in 2017 ist dies die vierte geographische Vortragsreihe eines Oberstufenprofils „Experiment Erde” unter Kümmerlings Leitung am Hochrad. „Der Klimawandel und seine Folgen für Hamburg” lautete das Forschungsmotto. 16 Zwölftklässler begannen in Zweiergruppen im Februar 2018 zu recherchieren.

Betrachtet wurden die Auswirkungen des Klimawandels auf geographische Bereiche wie Mobilität, Landwirtschaft, Gesundheit, aber auch Tourismus und Politik.
Charlotte und Johanna (beide 17) beschäftigten sich mit dem Thema „Klimawandel und die Gesundheit”. Ihre Recherche führte sie zunächst in die Staatsbibliothek, außerdem nahmen sie zu Institutionen wie dem Tropeninstitut, dem Robert-Koch-Institut dem Deutschen Wetterdienst sowie zu einem Dermatologen Kontakt auf.

Zusätzlich besuchten die Schülerinnen einen Vortrag am Geomatikum zum Thema Hitzewellen, durch den sie mit Experten ins Gespräch kamen, die ihnen weitere Ansprechpartner vermittelten.

Die Recherche der Hochradschüler ergab Erstaunliches. „Wir haben erfahren, dass sich durch den Klimawandel Allergien verändern. Durch die Erwärmung blühen Allergiepflanzen früher und länger. Das heißt, es gibt bei uns eine verlängerte Pollenflugzeit”, erklärt Johanna, die das – selbst Allergikerin – so noch nicht wahrgenommen hatte. Die Vermutung der beiden, dass sich durch das Extremwetter und Hitzewellen bei uns tropische Krankheiten ausbreiten würden, bestätigte sich hingegen nicht – die einwandernden Krankheiten stammen aus Süddeutschland.

Mit der Hamburger Politik im Zeichen des Klimawandels beschäftigte sich Frederick (18). Ein wichtiger Kontakt für ihn und seinen Partner Nathanael war die Leitstelle Klimaschutz. Im Wesentlichen drehte sich ihre Arbeit um den Hamburger Klimaplan, die Grundlage der Hamburger Klimapolitik bis 2050. „Interessant ist, dass Hamburg versucht, international eine Vorreiterrolle zu haben. Der Plan enthält Ziele mit über 500 Maßnahmen, zum Beispiel die energetische Sanierung aller öffentlichen Gebäude”, so Frederick, der hervorhebt: „Die Bürger sollen auf Bezirksebene in die Klimakonzepte einbezogen werden.”

Rund 300 Zuschauer
hörten die Vorträge

Mit dem Tourismus Hamburgs setzten sich Teunis und Rosaly auseinander. Sie fanden heraus, dass es im Tourismus einen extremen Wandel gegeben hat. „Er ist viel mehr geworden, Hamburg ist ein beliebtes Ziel”, erklärt Teunis. Mit seiner Projektpartnerin ergründete er, was Hamburg bisher getan hat, um den Kohlendioxid-Ausstoß bei An- und Abreisen zu verringern, vor allem in den Bereichen Flugverkehr und Kreuzschifffahrt.

Die Ergebnisse überraschten die Schüler. „Ich hätte gedacht, dass die Kreuzschifffahrt mehr CO2 ausstößt als der Airport, das ist aber nicht so”, erklärt Teunis. Dennoch habe der Flughafen in den vergangenen acht Jahren eine Minderung des CO2-Ausstoßes um 50 Prozent erreicht.
Insgesamt gebe es in der Gesellschaft einen Interessenwandel in Bezug auf den Tourismus, so Teunis: „Die Gesellschaft will nachhaltiger reisen.” Obwohl Hamburg ein großes Entwick-lungspotenzial habe, sei die Stadt gegen die großen internationalen Kreuzfahrt-Reedereien jedoch hilflos. Während nur 50 Prozent der Energie für die Fortbewegung der Schiffe benötigt werde und die restlichen 50 für die Versorgung an Bord, werde zum Beispiel die Land-stromanlage in Altona noch zu wenig genutzt.

Ihre Ergebnisse stellten die 16 Schüler in jeweils 20-minütigen Vorträgen in der gut gefüllten Aula des Gymnasiums Hochrad vor. Rund 300 Zuschauer – Schüler des Hochrads und der Nachbarschulen Gymnasium Othmarschen und Marion Dönhoff Gymnasium sowie Eltern und wissenschaftliche Mitarbeiter vom Klimarechenzentrum – waren an den Ergebnissen interessiert. Auch auf Nachfragen waren die angehenden Abiturienten vorbereitet. „Sie sind jetzt alle Experten”, so Oliver Kümmerling.

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