In der Kunstleihe gibt’s für jeden Geschmack ein passendes Kunstwerk zum Ausleihen. Foto: pr

In Harburg können jetzt Bilder, Grafiken und Skulpturen regionaler Künstler für drei Euro Gebühr für drei Monate ausgeliehen werden. Die vom Verein SuedKultur, einem Zusammenschluss Kulturschaffender im Bezirk, organisierte Kunstleihe ist im Kulturzentrum 3falt, der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche in der Neuen Straße, zu finden.
Mitte 2017 hatte SuedKultur eine Idee der Harburger CDU aufgegriffen und begonnen, sich mit dem Thema Kunstleihe (Artothek) zu beschäftigen. Die Artothek-Initiatoren möchten Aufmerksamkeit für einheimische Künstler schaffen. Heiko Langanke (SuedKultur): „Sie leben und arbeiten hier und verdienen unsere Aufmerksamkeit und Wertschätzung.“
Die Hoffnung, eine solche Kunstleihe unter bezirklicher Regie zu betreiben – ähnlich wie es in Buxtehude funktioniert – erfüllte sich nicht. Um das Projekt schon einmal auf den Weg zu bringen und nicht immer nur darüber zu reden, hat SuedKultur seine Kunstleihe Harburg jetzt kurzerhand eröffnet. Dies ermöglichten verschiedene Spender, darunter der Eisenbahnbauverein Harburg und die Töpfer-Stiftung. Fördermittel (Stadtentwicklung Eißendorf-Ost) sind beantragt.
Um arbeiten zu können, wären nach Langankes Schätzung rund 30.000 Euro nötig: für spezielle Kartonagen zur Ausleihe sowie für Rahmen und Passpartouts für Drucke. „Dass wir nun nur Teile unseres ‘Wunschpaketes’ anschaffen konnten, ist nun erstmal so, und irgendwie auch normal. Aber die Sachen sind gut und werden lange halten“, so Langanke.
Wie lange die Kunstleihe die Räume in der Neuen Straße nutzen kann, ist ungewiss. Der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche droht der Abriss. Heiko Langanke: „Wenn es mit der 3falt nichts wird: Das Mobiliar ist eigens so erstellt worden, dass wir mobil sind und umziehen können. Irgendwie geht es immer weiter.“
Die Kunstleihe hat noch vieles vor, etwa den Aufbau einer Stiftung, mit deren Hilfe Kunstwerke angekauft werden können oder die Durchführung von Kunstkursen. Dafür werden weitere Unterstützer benötigt.
Bei der Einweihung der Artothek warteten 100 Kunstwerke auf Entleiher, zur Verfügung gestellt von Künstlern, von der Kunstinitiative der TUHH, vom Stadtmuseum Harburg und aus einer aufgelösten Sammlung. Die ersten sieben Werke wurden bereits verpackt und auf den Weg in die private Kunstwelt entsandt.
Die nächsten Ausleihtage: Sonntag, 10./17./24. Februar, 12 bis 17 Uhr. Wer etwas entleihen möchte, muss seinen Personalausweis mitbringen. Weitere Infos per E-Mail an kunstlei he@sued-kultur.de oder auf ❱ www.sued-kultur.de

 

Welche Zukunft hat „3falt“?

Dreifaltigkeitskirche: Abriss nicht ausgeschlossen –
Kirchengemeinderat berät im März – bis dahin ist die
Zukunft des Kulturprojekts ungewiss

Noch bis Ende Februar kann die Initiative SuedKultur die denkmalgeschützte Dreifaltigkeitskirche in der Neuen Straße für ihr Projekt „3falt“ als Kulturzentrum nutzen. Danach muss die St. Trinitatis-Gemeinde entscheiden, ob und wie es weitergeht. „Das Team von 3falt hat uns mittlerweile einen Zwischenbericht zukommen lassen, der in der Sitzung des Kirchengemeinderats im März beraten wird“, sagt Pastorin Sabine Kaiser-Reis (St. Trinitatis).
Hintergrund: Nachdem sich die Dreifaltigkeits- und St. Johannis-Gemeinde 2006 zur St. Trinitatis-Gemeinde zusammengeschlossen hatten, wurden die meisten kirchlichen Aktivitäten in die St. Johannis-Kirche verlegt. Für die im Zweiten Weltkrieg zerstörte und 1963 wieder aufgebaute Dreifaltigkeitskirche wird seitdem eine neue Funktion gesucht. Bislang vergeblich. Das Gebäude wird nicht genutzt, der Unterhalt ist teuer. Rund 100.000 Euro werden pro Jahr benötigt.
Sabine Kaiser-Reis: „Die Kirchengemeinde möchte langfristig eine finanzielle Entlastung erreichen und daher das Gebäudeensemble und Grundstück im Erbbaurecht abgeben. Durch eine kurzfristige Vermietung wird dieses Ziel nicht erreicht.“
Die Umwandlung der Kirche in das Kulturzentrum „3falt“ ist der letzte Versuch, das Gebäude zu erhalten. Mit vielen Veranstaltungen, Kino und jetzt mit der Kunstleihe hat „3falt“ einiges auf die Beine gestellt. Aber reicht das? Gelingt es den SuedKultur-Machern, für „3falt“ eine dauerhafte Finanzierung auf die Beine zu stellen? Heiko Langanke (SuedKultur) ist zuversichtlich: „Einnahmen aus rein kultureller Nutzung im obersten fünstelligen Bereich sind realistisch. Es müssten nur mal Nägel mit Köpfen gemacht werden.“

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