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Erst muss ein Gutachten über die Statik der
Dachkonstruktion der Zinnwerke ausgewertet werden

Der Flohmarkt in den Wilhelmsburger Zinnwerken, der FlohZinn, ist bereits zum zweiten Mal ausgefallen. Warum? „Ein Gutachten zur Statik der Dachkonstruktion wurde ganz neu eingereicht“, sagt Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamts Mitte. „Das muss jetzt ausgewertet werden.“ Kann der FlohZinn im März wieder stattfinden? „Das kann man noch nicht sagen, das hängt vom Gutachten ab“, so Weiland.
Bezirksamtsleiter Falko Droßmann verbreitet derweil Optimismus: „Gemeinsam mit den Initiatoren des FlohZinns arbeiten wir im Bezirksamt an einer Lösung, damit diese so wichtige Institution für den Stadtteil Wilhelmsburg erhalten bleibt. Die wohlwollende Prüfung der eingereichten Unterlagen dauert noch an – wir tun im Rahmen der rechtlichen Vorgaben unser Möglichstes, um den FlohZinn ab März wieder stattfinden zu lassen.“
Das FlohZinn-Team hat am Sonntag, zu der Zeit, zu der eigentlich der Kulturflohmarkt hätte stattfinden sollen, mit einigen der Stammverkäufer gesprochen – um zu zeigen, was die Stilllegung des FlohZinns für den Stadtteil für Auswirkungen hat.

Die wohlwollende Prüfung der eingereichten Unterlagen
dauert noch an
Falko Droßmann,
Bezirksamtsleiter

Caro Schäfer (22, Studentin): „Als ich ins Viertel gezogen gezogen bin, war ich erstmal nur als Besucherin beim FlohZinn und hab dann gehört, dass das Team noch Unterstützung sucht. Seitdem kassiere ich am Tor, laufe über den Hof und schaue, dass alles in Ordnung ist. Dass der Flohzinn jetzt zum zweiten Mal ausfallen muss, fühlt sich total merkwürdig an. Hier ist immer so eine tolle Stimmung. Ganz anders als bei anderen Flohmärkten, auf die man nur geht, um etwas zu kaufen. Zum Flohzinn verabredet man sich und bleibt fast den ganzen Tag. Ich sehe hier Leute, die ich sonst kaum treffe, zum Beispiel meine ehemaligen Mitbewohner.

Zum FlohZinn kommen Leute aus dem Viertel zusammen, die sonst nicht zusammenkommen. Alteingesessene Wilhelmsburger, türkische Großfamilien, Studenten.“

Christoph Rommel (Saxophonspieler): „Der FlohZinn hilft mir, nicht so schnell zu verblöden. Ich treffe hier immer auf interessante, kreative, kommunikative Menschen. Und hier wird noch Vinyl verkauft, für mich ein besonderes Hörerlebnis.“

Barbara Hirschhäuser (in Begleitung von Michael Skiba): „Ich komme immer extra aus Schnelsen für den FlohZinn nach Wilhelmsburg und verkaufe zusammen mit meiner Freundin Karin Miosga Spielwaren, Bücher, Kassetten, Haushaltswaren und Kleidung. Ich habe durch den Flohmarkt den Stadteil kennen und lieben gelernt.
Immer, wenn Besuch da ist, fahre ich mit denen ‘runter auf die Insel. Ich gehe ganz bewusst zum FlohZinn, weil es hier nicht so anonym ist. Die Leute suche den Austausch, das ist wunderschön.“

Hintergrund

In den zum Teil maroden Zinnwerken am Veringhof 7 hat sich seit Jahren eine umfangreiche kreative Szene etabliert. Zur Zeit gibt es rund 80 Mieter. Die Stadt möchte die Gebäude sanieren. Allerdings soll die Hamburg Kreativ Gesellschaft zuvor ein Nutzungskonzept erstellen. An der Entwicklung des Konzepts konnte und kann sich jeder beteiligen. Die jetzigen „Zinnwerker“ befürchten, dass dann für sie kein Platz mehr in den Zinnwerken ist: „Wir fühlen uns von dem Verfahren akut bedroht.“
Nach Auskunft von Klaus Lübke, dem Kultursprecher der SPD Mitte, gibt es innerhalb der SPD und der Bezirksversammlung ein klares Bekenntnis für die Aktiven der Zinnwerke: „Wir wollen niemandem etwas wegnehmen. Wir sind auf die Zinnwerker zugegangen, jetzt muss die andere Seite auch nachziehen.“

 

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