Gerettet für die Nachwelt: edle Parfüms und Seifen von Dralle, darunter auch das legendäre Birkenwasser-Haaröl. foto: stahlpress

VOLKER STAHL, ALTONA

Liebliche Duftwolken schweben neuerdings durch das Stadtarchiv Altona. Eine ganze Reihe von Parfüms und Seifen der Firma Dralle haben hier Platz gefunden – in einer Vitrine des Archivs. Liebhaber alter Parfümflacons geraten hier ins Schwärmen, wie etwa bei dem Duft „Mia Cara“ oder den Seifen „Gaby“ und „Princess“.
Auch ein „Bronzea-Hautöl“ befindet sich unter den Exponaten. „Das Hautöl Bronzea wird wohl um die hundert Jahre alt sein“, schätzt Wolfgang Vacano, Leiter des Archivs. Das Alter der Ausstellungsstücke ist leider schwer zuzuordnen, denn dazu fehlen Unterlagen. „Das Haupthaus von Dralle in der Präsident-Krahn-Straße ist bei einem Bombenangriff im Kriege zerstört worden“, so Vacano. Dabei ging auch das Archiv der Firma in Flammen auf.

Dralle hatte Niederlassungen
von Basel bis Bukarest

Bei den historischen Seifen und Flacons handelt es sich um die private Sammlung eines mittlerweile verstorbenen Dralle-Mitarbeiters, schildert Vacano. „Seine Witwe hat seine ganze Sammlung dem Stadtarchiv überschrieben.“ Der unermüdliche Archivar und Stadtchronist Vacano arbeitet aktuell an einem Buch über die „Geschichte der Firma Dralle“, die lange Jahre auch in Altona und Ottensen beheimatet war.

1852 gründet der Ahnherr Georg Justus Dralle (1817-1895) an der Zollenbrücke in Hamburg die „Parfümerie und Feinseifenfabriken Georg Dralle“. Das Unternehmen expandiert sehr schnell. Unter anderem entsteht in der Präsident-Krahn-Straße – nahe dem Altonaer Bahnhof – ein Fabrikgebäude.
Dralle senior und seine Söhne Emil Heinrich Justus und Julius Gustav Anton gründen Niederlassungen in Amsterdam, Basel, Warschau und Bukarest. Das Unternehmen behauptet sich am hart umkämpften Markt. „In Concurrenz gegen erste Pariser und Londoner Marken“, heißt es in einer Werbung aus dem Jahr 1902. Die Werber von Dralle appellieren auch an kaisertreue Konsumenten. So wirbt die Firma für ein Veilchenparfüm, das nach der Kaisergattin Auguste-Victoria benannt wurde: der „Lieblingsduft der vornehmen Welt“.

In der Schulstraße (heute Nernstweg) in Ottensen wird 1920 eine Fabrik zur Herstellung des berühmten „Dralle Birkenwasser“ gebaut. Das imposante Backsteingebäude existiert heute noch. Unter anderem befindet sich dort die W3 – Werkstatt für internationale Kultur und Politik sowie ein Restaurant. Gleich um die Ecke, im Ottensener Werkhof in der Gaußstraße, steht noch ein kleineres Haus mit dem originalen „Dralle“-Schriftzug. Auch das Gebäude in der Präsident-Krahn-Straße wird nach dem Kriege wieder aufgebaut. 1976 zieht das Unternehmen in ein neues, damals modernes Firmengebäude in Steilshoop. 1991 wird die Firma von dem französischen Kosmetikkonzern L’Oreal übernommen. Etwa 180 – nach anderen Quellen 280 Mitarbeiter – verlieren durch die Übernahme ihren Job.

❱❱ Altonaer Stadtarchiv,
Max-Brauer-Allee 134,
(über Seiteneingang Hospitalstraße), Tel. 50 74 72 24
kontakt@altonaer-stadtarchiv.de
www.altonaer-stadtarchiv.com
mo-fr 10-16 Uhr (nur nach Voranmeldung)
Leiter und Ansprechpartner: Wolfgang Vacano

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