Das Donnerstagsteam: Werner Lehne, Jawad Mahmoudi, Hossein Rezai, Hamoud Alhoussein (vo. v.l.) und Bettina Domzalski, Gerhard Weiß, Irmtraud Westphal und Tesfay Tadesse (hi. v.l.) Foto: wit

Von Wolfgang Wittenburg.

Wer mit Behördenmitarbeitern reden oder sie anschreiben möchte, muss Deutsch sprechen können. Doch für viele erst kürzlich Zugewanderte ist das ein Problem: Ihnen fehlen Sprachkenntnisse und Wissen über die deutsche Verwaltung. In Neugraben stehen seit Sommer 2016 ein Dutzend Ehrenamtliche und acht Übersetzer als „Behördenhelfer“ mit Rat und Tat zur Seite.
Die Behördenhelfer sind dienstags von 9.30 bis 11.30 Uhr und donnerstags von 16.30 bis 18.30 Uhr in der Unterkunft „Am Aschenland“ beim Ausfüllen von Formularen und dem Verstehen von Behördenpost kostenlos behilflich. Dann geht es um Fragen wie: Was ist eine Bedarfsgemeinschaft? Wie verlängert man den Bezug von Arbeitslosengeld? Wie viele Zählkinder hat ein Mann? Auch für Deutsche ist das nicht immer gleich ersichtlich, hat das Donnerstagsteam aus Bettina Domzalski (56), Irmtraud Westphal (67), Werner Lehne (64) und Gerhard Weiß (73) festgestellt. Doch mit etwas gutem Willen können die Behördenhelfer meist einen Weg finden.

Dabei ist auch die Unterstützung von Übersetzern nötig: Sie nehmen Landsleuten Hemmungen und übersetzen für eine Aufwandsentschädigung von zehn Euro pro Stunde: Gefragt sind vor allem die Sprachen Tigrinya (Eritrea), Farsi und Dari (Iran und Afghanistan) und Arabisch – wie sie Jawad Mahmoudi (22, aus Afghanistan), Hossein Rezai (17, Afghanistan), Hamoud Alhoussein (30, Syrien) und Tesfay Tadesse (29, Eritrea) sprechen.
Aktuell suchen ein Afghane und seine älteste Tochter Rat: Sein Jüngster (1) musste zum Arzt, aber die Krankenkassenkarte kam zu spät. Ein Fall für Dari-Übersetzer Hamoud Alhoussein und Gerhard Weiß, der gleich mal versucht, die Kasse telefonisch zu erreichen. Die Tochter möchte im nächsten Jahr eine Stadtteilschule besuchen – wie geht das? Darüber redet das Mädchen – in perfektem Deutsch – mit Kinderbuchautorin Bettina Domzalski.
Domzalski leitet die Behördenhelfer. „Mein Mann und ich pflegen seit Jahren Freundschaft zu acht jungen geflüchteten Männern.“ So habe sie die Bürokratie mitbekommen, denen Geflüchtete oft hilflos gegenüberstünden. Leistungen und Hilfe vom Staat seien nämlich in vielen Teilen der Erde komplett unbekannt.
Wer die ehrenamtlichen Behördenhelfer unterstützen möchte, erreicht sie per E-Mail unter an info@insuederelbe.de und unter Tel 60 95 25 00.

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