Empört über die Klimapolitik der Bundesregierung: Luisa Neubauer. Foto: Wanda von Bremen

Während in Berlin die Kohlekommission verhandelte, protestierten gleichzeitig Tausende vor dem Wirtschaftsministerium, die eigentlich in der Schule sein müssten. Angemeldet wurde die Demonstration von Luisa Neubauer aus Iserbrook. Die 22-Jährige hatte mit 1.000 Teilnehmern gerechnet. Es kamen mindestens fünf Mal soviele aus dem gesamten Bundesgebiet. „Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, riefen sie. Einige hatten ihre Eltern mitgebracht, andere fehlten unentschuldigt.

Die Proteste waren von der 16-jährigen Greta Thunberg inspiriert worden. Die schwedische Schülerin ist vor Monaten in den freitäglichen Schulstreik getreten. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos war die Neuntklässlerin eingeladen worden. Sie redete den Anwesenden ins Gewissen. „Erwachsene sagen immer wieder: Wir sind es den jungen Leuten schuldig, ihnen Hoffnung zu geben. Aber ich will eure Hoffnung nicht. Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre“, sagte das Mädchen mit den Zöpfen zu globalen Entscheidern.

Luisa Neubauer sagt „Ich bin nicht die deutsche Greta Thunberg. Wir sind Tausende Gretas.“ Dennoch ist die junge Frau, die in Iserbrook aufwuchs und ihr Abitur am Marion Dönhoff Gymnasium gemacht hat, eines der Gesichter der Schülerproteste. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier redete mit einer Delegation, der auch Neubauer angehörte. Im ZDF wurde am Freitagabend ein wenig schmeichelhaftes Statement von Neubauer zu diesem Treffen mit dem CDU-Poltiker gesendet: „Ich bin irritiert, wie wenig Vorstellungskraft sie alle haben, dass man schnell aus der Kohle aussteigen kann.“

Luisa Neubauer studiert Geographie in Göttingen, „immer mal wieder“ lebt sie zwischendurch im Hamburger Westen. Egal wo sie ist, kommt sie mit vielen Jugendlichen ins Gespräch. In den vergangenen Monaten habe sich bei vielen in ihrer Generation etwas verändert, glaubt sie. „Der Aspekt der Dringlichkeit, etwas gegen den Klimawandel zu tun, ist angekommen. Viele fühlen das. Es kommt immer stärker ins Bewusstsein“.

Nachdem die Entscheidung der Kohlekommission bekannt wurde, bis 2038 aus der Kohle auszusteigen, kommentierte Neubauer: „Das Ergebnis ist ein leiser Anfang, aber zeigt in aller Schärfe, was am Verhandlungstisch gefehlt hat: Denn den Preis für weitere 20 Jahre der Kohleverstromung zahlt nicht nur das Klima. Die Rechnung geht an uns, an die Menschen die in 20 Jahren mitten im Leben stehen.“ Die „Fridays for Future“-Bewegung fordert den Kohleausstieg bis 2030.

Die Freitagsdemos werden weiter gehen. „Wir sind gerade erst am Anfang“, glaubt die Iserbrookerin. Am 15. März wollen sie „in Deutschland Leute im sechsstelligen Bereich mobilisieren“, kündigt Luisa Neubauer an.

❱❱ www.fridaysforfuture.de

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