Autor aus Eimsbüttel: Martin Schemm (55). Foto: ml

Maren Langenbach, Eimsbüttel

Spuk, fantastische Geschichten, parapsychologische Phänomene – wo es andere eher schaudert ist Martin Schemm fasziniert. Seit früher Jugend ist der Historiker mit Schwerpunkt Mittelalter und preisgekrönte Autor von Kurzgeschichten und historischen Romanen begeisterter Leser unheimlicher Literatur. „Wenn wir früher Ausflüge zu Burgen und sagenumwobenen Orten gemacht haben, war ich total begeistert. Da hat wohl meine Leidenschaft für Geschichtliches angefangen“, erinnert sich der in Duisburg geborene und in der Nähe von Heidelberg aufgewachsene Autor von mittlerweile sieben Büchern.

Mysteriöse Klopfzeichen

Wenig überraschend spukt es auch im neuen Roman des 55-Jährigen, der im Hauptberuf beim Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit arbeitet. „Tod im Mariendom“ spielt im Hamburg des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Möbel wandern durch Räume, Gestalten streifen umher und mysteriöse Klopflaute ertönen. Schauplatz des Ganzen ist der 1806 abgerissene Mariendom.

Für seine Romane, an denen Schemm oft mehrere Jahre arbeitet – immer montags und mittwochs nachmittags, da hat der Behördenmitarbeiter sein festes Schema – reist der Vater einer erwachsenen Tochter stets an die Stätten seiner Handlung. „Ich lese etwas, höre eine Legende, und schon arbeitet es in mir. Ich stelle mir die Personen vor und was ihnen widerfahren ist.“ Er macht Fotos von dem Platz, an dem das Haus oder die Kirche einmal stand, forscht oft monatelang in den Archiven. „Ich möchte den Ort in mir aufnehmen, schaue mir jeden Winkel an, jede Perspektive. Das ist wichtig für die Beschreibung später, obwohl mir meine Frau da oft Detailverliebtheit vorwürft.“

Ehefrau Ina Heidemann, eine Naturwissenschaftlehrerin, ist immer die erste Leserin. „Sie haut mir auch schon mal manche Formulierung um die Ohren, aber das ist okay so“, sagt Schemm, der spätestens nach einem gemeinsamen Erlebnis mit seiner Frau glaubt, dass es da mehr zwischen Himmel und Erde geben muss: „Eines Nachts wurden meine Frau und ich unabhängig voneinander wach, wir spürten, dass jemand im Zimmer war, ohne etwas zu sehen, und plötzlich wurde der Raum eiskalt.“ Wenig später erfuhr das Ehepaar, dass genau in diesem Augenblick ihre alte Vormieterin im Seniorenheim gestorben war. Ein Erlebnis, das genug Stoff für weitere Geschichten birgt. Schemm jedenfalls arbeitet bereits am nächsten Roman, der in Wilhelmsburg spielen soll.

❱❱ Martin Schemm, Tod im Mariendom, Hansanord Verlag, 320 Seiten, 12,90 Euro.

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