Anwohner Horst Gätjens war gerade mit Gärtnerarbeiten beschäftigt, als ihn ein Mercedes fast auf die Kühlerhaube genommen hatte. Foto: cvs

Ch. v. Savigny, Eidelstedt

Als Horst Gätjens vor wenigen Tagen aus der Haustür trat, fuhr ihm ein gehöriger Schreck in die Glieder. „Ein paar Zentimeter weiter, und es gäbe mich nicht mehr“, sagt er. Ein großer Mercedes samt Anhänger war so rasant – wie auch „platzsparend“ – abgebogen, dass der Anwohner Angst um sein Leben bekam. Das Ehepaar Gätjens lebt seit vielen Jahren in einem Einfamilienhaus Ecke Torfweg/ Schachblumenweg – eigentlich eine ruhige Wohngegend. Doch die Verkehrssituation habe sich seither kontinuierlich verschlechtert (das Wochenblatt berichtete). „Wenn hier so ein 20-Tonner durchfährt, dann wackelt das ganze Haus“, so Gätjens.

Zur Ausgangslage: Die gesamte Lohkampsiedlung – vom Redingskamp bis zum Wiesenacker und von der Lohkampstraße bis zur Bahnlinie – ist als Tempo-30-Zone ausgewiesen. Entsprechende Hinweise finden sich gemäß Straßenverkehrsordnung nur am Anfang und am Ende der Zone. Viele Autofahrer scheinen das Tempolimit allerdings zu missachten – oder sie vergessen es schlichtweg, weil sie keine Schilder sehen.

Horst Gätjens hat eine Strichliste gemacht. Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Autofahrer fährt schneller als 30 Stundenkilometer (kmh), ungefähr ein Sechstel mehr als 50 kmh. Natürlich seien das nur Schätzungen. Aber: „Ich komme aus der Autobranche und kann das einigermaßen beurteilen“, sagt er. Neben Pkws seien auch viele Laster – und sogar Behördenfahrzeuge – deutlich zu schnell unterwegs. Die Rechts-vor-links-Regelung im Torfweg werde kaum beachtet, mehrmals habe es schon Beinahe-Unfälle gegeben.

Ein Grund fürs zu schnelle Fahren könnte auch der sich ändernde Ausblick durch die Windschutzscheibe sein: Fährt man stadtauswärts in Richtung Wiesenacker, wird die Umgebung zusehends grüner, die Bebauung nimmt ab – gerade so, als würde man die geschlossene Ortschaft verlassen.
Vor mittlerweile fünf Jahren hatte die Polizei zuletzt eine Verkehrskontrolle im Viertel durchgeführt. Damals war das Resultat nach Auskunft der Beamten „unauffällig“. Auch jetzt soll nichts unternommen werden. „Für das angesprochene Gebiet liegen uns keinerlei Beschwerden vor. Wir haben dort kein Raserproblem“, sagt ein Beamter der Straßenverkehrsbehörde vom Revier Koppelstraße (PK 27).

1 KOMMENTAR

  1. es ist schon erstaunlich, mit welcher Arroganz und fadenscheinigen Argumenten die zuständige Verkehrsbehörde die Hinweise der Anwohner wegdiskutiert. Nicht nur im Torfweg, sondern auch im Redingskamp gibt es Probleme mit Verkehrsteilnehmern, die glauben, für sie gelte die Straßenverkehrsordnung nicht. Es wird nicht nur gerast, nein auch verkehrswidrig geparkt. Gerade so, wie es einen in den Kram passt: „Ich stehe hier nun, alle Andere ist mir völlig egal.“ Sperrflächen, abgesenkte Bordsteine, niemand interessiert es. Die Polizei fährt mehrmals Streife durch die umliegenden Straßen, aber anhalten und mal ein Knöllchen schreiben, das ist wohl in der Arbeitsplatzbeschreibung unserer Ordnungshüter nicht vorgesehen.

    Wenn verkehrswidriges Verhalten keinerlei Konsequenzen nach sich zieht, dann muss man sich auch nicht wundern, wenn die Sitten im Straßenverkehr immer rauer werden

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