Agnes Steiner und ihre Tochter Wibke Steiner-Ghraib sind ein eingespieltes Team. Foto: jbd

J. Bannan, Stellingen

Stahlende blaue Augen, kurze weiße Haare und ein bezauberndes Lachen – am 22. Januar wurde Agnes Steiner 100 Jahre alt. Sie wuchs in Oberschlesien mit acht Geschwistern auf und entschied sich schon früh, Krankenschwester werden zu wollen. „Ich habe mich immer gerne um Menschen gekümmert“, so die alte Dame, die seit dem 1. Juli 1979 Rentnerin ist.

Agnes Steiner hat es nicht leicht gehabt: Im Sommer 1944 heiratete sie, inzwischen als Gemeindeschwester für Kranke zuständig, ihren Mann Otto, der dann kurz danach in den Zweiten Weltkrieg ziehen musste. Am Ende des Krieges floh die junge Frau, schwanger mit der ersten Tochter Ortrud, mit einem Pferdetreck nach Niedersachsen. Sie hielt sich mit Arbeiten auf den Feldern über Wasser.

1946 bekam ihr Mann Urlaub aus der amerikanischen Gefangenschaft und fand durch Hinweise von Bekannten seine kleine Familie. Als er wieder zurück ins Lager musste, war Agnes Steiner schwanger mit Tochter Wibke.
Entbehrungsreiche Jahre folgten, aber auch eine Zeit voller Hoffnung auf Zukunft: Der Sohn Ottmar wurde geboren, die Familie zog in den Harz. Agnes Steiner machte eine Zusatzausbildung als Masseurin und Bademeistern und arbeitete damit in der in Kur-Einrichtung Bad Harzburg.

Seit dem Umzug nach Braunschweig – wegen beruflicher Veränderungen des Ehemannes – war Agnes Steiner die letzten 18 Jahre bis zu Ihrer Rente als Gemeindeschwester tätig. „Ich hatte ein eigenes Büro im Pfarramt und betreute die Kranken und Sterbenden in unserer Gemeinde; häufig fühlte ich schon ganz tief in mir, dass ich gebraucht wurde, weckte meinen Mann und wir fuhren los“, erinnert sich Agnes Steiner.

1989 wurde die alte Dame Witwe und lebte noch bis 2013 selbstständig in ihrem kleinen Häuschen bei Braunschweig. „Als meine Mutter dann 94 Jahre alt wurde, kam sie zu meinem Mann und mir nach Stellingen“, erzählt Tochter Wibke Steiner-Gharib und streicht der alten Dame liebevoll über die Hand. Agnes Steiner hat drei Enkel und zwei Urenkel und genießt nun die Zeit mit ihrer Familie. „Ich habe mich damals auch um meine Schwiegereltern gekümmert und freue mich, dass ich nun bei meiner Tochter sein kann.“

Auch wenn Agnes Steiner nach einem Sturz im vergangenem Jahr etwas wackliger auf den Beinen ist: Hin und wieder räumt sie die Geschirrspülmaschine aus oder kratzt das Unkraut aus den Ritzen – immer dann, wenn Tochter Wibke gerade mal nicht hinschaut. Und wenn sie in Erinnerungen schwelgt, kann es durchaus sein, dass ihr zum Beispiel bei den ersten Schneeflocken ein fröhliches „Schneeflöckchen, Weißröckchen …“ über die Lippen kommt. Ihren 100. Geburtstag feierte sie mit Frankfurter Kranz, Schlesischen Streuselkuchen und Käsekuchen im Kreise ihrer Lieben.

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