Die Postkarte von 1910 zeigt die Blütezeit der Flora: Aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg fanden im „Gesellschafts- und Concerthaus Flora“ am Schulterblatt noch glanzvolle Veranstaltungen statt. foto: Altonaer Stadtarchiv

VOLKER STAHL, ALTONA

Die Flora: Seit 1988 ist das ehemalige Varieté-Theater am Schulterblatt besetzt. Den einen gilt die Rote Flora als Bollwerk gegen Gentrifizierung und Rassismus, andere sehen dort die Anstifter für G20-Krawalle und würden das alternative Zentrum am liebsten räumen lassen. Dabei hat das 1888 eröffnete „Gesellschafts- und Concerthaus Flora“ durchaus eine glanzvolle Vergangenheit. So traten hier noch vor dem Zweiten Weltkrieg Hans Albers, Johannes Heesters und Zarah Leander auf. Auch nach dem Krieg spielten in dem Haus, das den Bombenkrieg halbwegs unbeschadet überstand, noch renommierte Künstler, bis das Gebäude von 1953 bis 1964 als Kino diente und anschließend das Kaufhaus „1000 Töpfe“ beherbergte. Ein Abstieg auf Raten.

1946 spielte Marcello
Mastroiannis deutsche
Stimme die Hauptrolle

Zeugnisse aus der glanzvollen Zeit der Flora sind indes rar. Wolfgang Vacano, Leiter des Altonaer Stadtarchivs, hat dennoch einige Dokumente in seiner umfangreichen Datenbank gefunden. Dazu gehört unter anderem ein Aufführungsheft der Operette „Die Csàrdàsfürstin“ des ungarischen Komponisten Emmerich Kalman (1882-1953), die während der „Spielzeit 1946/1947“ zur Aufführung kam.

Für Theaterliebhaber stellt allein die Auflistung der Schauspieler eine wichtige Information dar. So leitete der Schauspieler Arno Assmann (1908-1979) die Inszenierung. Einigen mag Assmann noch als Hörfunk- und Synchronsprecher, unter anderem als deutsche Stimme von Eddie Constantine und Marcello Mastroianni, sowie als Hobbydetektiv Paul Cox in „Gestatten, mein Name ist Cox“ (1963) bekannt sein. In der dreiteiligen Verfilmung von Theodor Fontanes „Der Stechlich“ spielte Assmann 1975 die Hauptfigur, Dubslav von Stechlin.
Wer ihm das Begleitheft zur Aufführung der „Csardasfürstin“ zur Verfügung gestellt hatte, daran erinnert sich Wolfgang Vacano angesichts der Fülle von Fundstücken, die das Stadtarchiv beherbergt, nicht mehr: „Wir haben etwa 650.000 Fotos, Postkarten, Pläne, Texte und Videos zur Altonaer Stadtgeschichte digital gespeichert und freuen uns immer, wenn uns Bürger mit Dokumenten-Spenden unterstützen.“

❱❱ Altonaer Stadtarchiv,
Max-Brauer-Allee 134,
(über Seiteneingang Hospitalstraße), Tel. 50 74 72 24
kontakt@altonaer-stadtarchiv.de
www.altonaer-stadtarchiv.com
mo-fr 10-16 Uhr (nur nach Voranmeldung)
Leiter und Ansprechpartner: Wolfgang Vacano

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