Foto: cvs

Die Hamburg Kreativ Gesellschaft ist weiter auf der Suche nach neuen Ideen und Vorschlägen für die künftige Nutzung der Zinnwerke am Veringkanal. Am Freitag, 1. Februar, findet von 17.30 bis 21 Uhr ein Ideen-Workshop statt. Die Veranstaltung findet im Bürgerhaus Wilhelmsburg, Mengestraße, statt. Anmeldungen sind erbeten unter

https://kreativgesellschaft.org/termine/nutzungskonzepte-fur-veringhof-7-ideen-workshop/6195

Die Hamburg Kreativ Gesellschaft möchte zu Beginn des Workshops über den aktuellen Arbeitsstand berichten. Der Fokus der Veranstaltung liegt auf der Erarbeitung von Vorschlägen und gerne auch konkreten Projektideen für eine dauerhafte kultur- und kreativwirtschaftliche Nutzung des Areals Veringhof 7 durch die Workshop-Teilnehmer. Neben Themenvorschlägen der Hamburg Kreativ Gesellschaft, die sich aus den bisherigen Gesprächen und Recherchen des laufenden Verfahrens ableiten, besteht für alle Teilnehmenden die Möglichkeit eigene Themenvorschläge einzubringen und diese im Workshop zu bearbeiten. Die Vorschläge und Ideen aus dem Workshop fließen anschließend in das Nutzungskonzept mit ein.

Im Vorfeld war es zu Unstimmigkeiten gekommen – weil die „Zinnwerker“ befürchteten, auf lange Sicht hin ausgebootet zu werden. Ursache war die offizielle Ausschreibung der Kreativ Gesellschaft, in der die jetzigen Mieter kaum erwähnt werden. In einem offenen Brief an die politisch Verantwortlichen haben die MIeter der Zinnwerke jetzt noch einmal Stellung genommen und Forderungen formuliert.

Das Schreiben im Wortlaut:

ZINN MACHT SINN – KO-KREATION STATT KONKURRENZ!

OFFENER BRIEF der Zinnwerker*innen
Hamburg-Wilhelmsburg am 30.01.2019

Sehr geehrter erster Bürgermeister Tschentscher, sehr geehrte Mitglieder des Hamburger Senats, sehr geehrter Bezirksamtsleiter Droßmann und sehr geehrte Mitglieder der Hamburgischen Bürgerschaft sowie der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte, sehr geehrte Damen und Herren,

Wir, die über 80 MieterInnen der Zinnwerke, begrüßen die Tatsache, dass die im Koalitionsvertrag 2015 beschlossene »Unterstützung der Weiterentwicklung des Kulturkanals« endlich in Angriff genommen wurde und nun ein langfristiges Nutzungskonzept für die Zinnwerke erarbeitet wird, damit öffentliche Gelder für einen dauerhaften Erhalt dieses Ortes eingeworben werden können.

Jedoch ist die zur Erarbeitung eines belastbaren Nutzungskonzeptes für die Zinnwerke beauftragte Hamburg Kreativ Gesellschaft (HKG) dem einstimmigen Beschluss der Bezirksversammlung am 13.12.2018 die NutzerInnen aktiv in den initiierten Beteiligungsprozess mit einzubeziehen bis heute nicht nachgekommen. Sie hat seit Beginn des Verfahrens ihre Verfahrensstruktur nicht geändert und keine vertrauensbildenden Maßnahmen unternommen uns aktiv zu beteiligen. Die mangelnde Transparenz des Verfahrens und die offensichtliche Überforderung der HKG schüren ein Klima der Konkurrenz unter den lokalen AkteurInnen. Hier versucht kein Miethai, sondern eine städtische Gesellschaft ihre Ideenspeicher auf Kosten existenzieller Ängste zu füllen.

UNSERE FORDERUNGEN
Wir fordern weiterhin ein Verfahren, das ein gemeinsames Planen auf Augenhöhe durch ein sensibles, ehrliches Vorgehen im Viertel ermöglicht und das am Ende in einem gemeinsam erarbeiteten Konzeptvorschlag endet. Wir wünschen uns eine nutzerbasierte, prozessorientierte Entwicklung der Zinnwerke und dass sich dieser Ort weiter von unten und mit uns gemeinsam entwickeln darf – unabhängig von Wahlkampfterminen. Es macht Zinn, dass wir gemeinsam auf unseren Erfahrungen der letzten acht Jahre aufbauen. Als BetreiberInnen von vielen kleinen und mittelgroßen Firmen wissen wir, dass die Zinnwerke sich auch in Zukunft wirtschaftlich tragen müssen – gleichzeitig ist es aber essentiell, dass es an diesem Ort auch Raum gibt für gemeinwohlorientiertes Wirken und Handeln. Der Stadtteil ist für uns nicht nur Kulisse und die Zinnwerke dürfen nicht zum Fremdkörper im Stadtteil werden!

ÜBER UNS
Wir haben gemeinschaftlich die Zinnwerke zu dem gemacht, was sie jetzt sind: Seit 2011 bespielen wir den Bürotrakt der Zinnwerke und zahlen unsere Miete jeden Monat pünktlich und ohne Förderung der Stadt. Da die Sprinkenhof GmbH jahrelang unterschiedlichste Mietinteressenten ablehnte und seit Jahren ihren Vermieterpflichten nicht nachkommt, übernahmen wir die Verantwortung für das Gebäude: Auf eigene Kosten beschäftigen wir einen Hausmeister und realisieren gemeinsam im Rahmen unserer Möglichkeiten Instandhaltungen und Instandsetzungen, Renovierungen und die Pflege des Außengeländes als unentgeltliche Eigenleistung. Unter unserem Engagement ist eine einzigartige Mischnutzung entstanden – aus Kreativen und innovativen Start-Ups, Journalismus, Kunst, Initiativen wie »Über den Tellerrand kochen« oder NGOs wie Sea-Watch. Mehr als 100 Arbeitsplätze sind mittlerweile mit den Zinnwerke verbunden. In unseren Betrieben lernen 12 Auszubildende und 7 Langzeitarbeitslose wurden über die Zinnwerke in Arbeit gebracht.

Wir waren nicht nur an der Rettung der historischen Hallen maßgeblich beteiligt, sondern sorgen seit 2013 für eine Öffnung des Ortes, obwohl die Zukunft des Gebäudes gefährdet ist. So entstanden sowohl kulturelle Angebote wie das Stadtteilfest »FlohZinn«, das Jugendfilmfestival »Zinnemax«, die interaktive Plattform »Schau.Spiel.Platz.« bis hin zu innovativen Bildungskooperationen.

Es gibt immer weniger bezahlbare und bespielbare Freiräume in der Stadt – umso wichtiger ist es, sich für einen zentralen Begegnungsort, der für und mit den Menschen im Viertel und darüber hinaus arbeitet, einzusetzen. Die Angebote aus dem Netzwerk der Zinnwerke sind bereits jetzt unglaublich vielfältig und reichen von Workshops zum Radfahren für Schwangere über das Pilgern am KulturKanal mit der evangelischen Pastorin bis hin zu »Kultur macht stark« Projekten für sozial, kulturell und finanziell benachteiligte Jugendliche. Genau diese bestechende Vielfalt wollen wir weiter verstetigen und möchten die bereits geplanten Veranstaltungen für 2019 der Öffentlichkeit nicht vorenthalten müssen.

VEREIN MIT ZINN
Mittlerweile haben wir die Gründung des Vereines »Zinnwerke e.V.« in die Wege geleitet. Eine weitere Veränderung der Betreiberstruktur in Form einer Stiftung oder Genossenschaft soll den Weg freimachen für eine Nutzung der Zinnwerke, die sowohl kreativwirtschaftlich als auch gemeinwohlorientiert handlungsfähig ist. So wird ausgeschlossen, dass die für die Sanierung benötigten Steuergelder für die Partikularinteressen eines privaten Nutzers ausgegeben werden.

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Das Wilhelmsburger Wochenblatt hatte in seiner Ausgabe am 30. Januar behauptet, die Zinnwerke seien teilweise einsturzgefährdet. Belege für diese Behauptung liegen nicht vor. Derzeit gibt es in den Zinnwerken über 80 Mietparteien.

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