Entscheidung im Sommer: Wird ein moderner Hochbahnzug zum Osdorfer Born oder eine S-Bahn?. Foto: hochbahn

Zweieinhalb Jahre wurde untersucht, wie die U5 von der City Nord nach Stellingen fahren könnte, in der vergangenen Woche wurde die „Machbarkeitsstudie“ von Hochbahn und Senat vorgestellt. Nun rückt endlich die Planung für den westlichen Abschnitt in den Mittelpunkt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem laut Bürgermeister Peter Tschentscher „Jahrhundertprojekt“.

Wie ist der Stand der Planungen bei der U5?
Der Bau ist in drei Abschnitte eingeteilt. Die U5 Ost wird ab 2021 gebaut. Für die U5 Mitte von der City Nord bis zur Haltestelle Stellingen haben Hamburger Hochbahn und Senat vor gut einer Woche das Ergebnis der „Machbarkeitsstudie“ vorgestellt. Darin ist der grobe Verlauf der Strecke festgelegt. Im Februar wird für diesen
Streckenabschnitt die Bürgerbeteiligung beginnen.

Wie weit ist die Planung für die Bahn nach Lurup und zum Osdorfer Born?
Für den westlichen Abschnitt läuft derzeit noch die Machbarkeitsuntersuchung. „Es gibt noch zwei mögliche Varianten, die derzeit untersucht werden: eine südlich geführte S-Bahn und eine nördlich geführte U-Bahn. Beide binden Lurup und den Osdorfer Born an das Hamburger Schnellbahnnetz an. Es ist noch nicht klar, ob es die Variante U-Bahn oder S-Bahn wird. Das Ergebnis der Untersuchung soll in diesem Frühjahr vorliegen“, sagt Hochbahn-Sprecherin Pia Gängrich. Die S32 würde vom Diebsteich über Trabrennbahn, Luruper Chaussee zum Osdorfer Born fahren. Die U-Bahn von Stellingen über die Arenen nach Lurup und zum Osdorfer Born. Bürgermeister Tschentscher hatte im Interview mit dem Elbe Wochenblatt im Dezember bekräftigt: „Lurup bekommt auf jeden Fall eine direkte Anbindung an das Schnellbahnnetz.“

Was macht Bürgermeister Peter Tschentscher bei der Bahn zum Born anders als sein Vorgänger Olaf Scholz?
Der amtierende Erste Bürgermeister hat die Verbesserung des Bus- und Schienennetzes zur Chefsache gemacht, weil er weiß dass dieses Thema bei der Bürgerschaftswahl 2020 für seine Wiederwahl mitentscheidend sein wird.
Auf die Frage, warum die Planung im Westen so lange dauere, sagt Tschentscher: „Da gibt es keine Verzögerungen, aber wir untersuchen das gründlich.“

Wie läuft die Machbarkeitsuntersuchung und was kostet sie?

In der Projektgruppe von Hochbahn und S-Bahn arbeiten 45 Mitarbeiter an der U5. Für die Machbarkeitsuntersuchung der U5 West sind bis einschließlich diesen Jahres 3,2 Millionen Euro veranschlagt. Wenn das Ergebnis vorliegt, könnte ähnlich wie bei der U5 Mitte die Bürgerbeteiligung anlaufen. Senat und Hochbahn nennen als frühesten Termin für den Baubeginn der Schnellbahn im Westen das Jahr 2027.

Was spricht für welche Variante?
Zu hören ist, dass die nördliche Strecke das Verkehrsnetz am besten erweitere und vielen Nutzern eine gute Alternative zum Auto bieten kann. Für die S32 Süd spricht hingegen, dass sie die geplanten neuen Wohngebiete in Bahrenfeld gut erschließt und mit deutlich weniger Aufwand günstiger zu bauen wäre (das Elbe Wochenblatt berichtete). Die Bürgerinitiative „Starten: Bahn West!“, ein Zusammenschluss von Borner Runde, Luruper Verkehrs-AG, Bürgerinitiative Volkspark und Arbeitskreis Verkehrsplanung Schenefeld befürworten daher die S32. Auch in der Altonaer Bezirksversammlung wird die Südtrasse von SPD, Grünen und der CDU befürwortet.

Warum könnte sich der Senat gegen eine S-Bahn entscheiden?
Die Deutsche Bahn, die in Hamburg die S-Bahn betreibt, befindet sich derzeit in einem Zustand, der regelmäßige Bahnfahrer an eine zügige Planung und daran anschließenden pünktlichen Baubeginn einer neuen S32 nicht glauben lässt.

Welche Baustellen hat die Deutsche Bahn im Hamburger Westen?
Den zweigleisigen Bahnhof Diebsteich wollte die Bahn ab September 2018 zu einem Fernbahnhof mit acht Gleisen ausbauen. Dort herrscht allerdings ein vom Oberverwaltungsgericht Hamburg verhängter Baustopp, weil die Planungen der Bahn unvollständig sind. Aber auch vergleichsweise kleinere Bauprojekte sind ins Stocken geraten: Der S-Bahnhof Ottensen sollte bereits 2017 fertig sein, inzwischen ist von 2020 die Rede.

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Die Politik und die Bahn

1974 wurde der Bau der U-Bahn nach Lurup von der SPD versprochen, 1976 aber aus Geldmangel abgeblasen. Gebaut wurde lediglich ein U-Bahnschacht unter der Alster mit Gleisanschluss am Hauptbahnhof und Jungfernstieg. CDU-Bürgermeister Ole von Beust beschloss 2003, den Tunnel lieber für die U4 in Richtung Hafencity zu nutzen. Ab 2012 wurden erstmals wieder Pläne des SPD-Senats für eine Schnellbahn nach Westen öffentlich. Im Koalitionsvertrag aus dem Frühjahr 2015 hatten SPD und Grüne vereinbart, mit den Planungen der U5 im Westen und Osten „möglichst parallel“ zu beginnen. Dieses „möglichst“ bedeutete für den Westen eine jahrelange Verzögerung.
Die Pläne einer Stadtbahn Richtung Osdorf wurden nach Regierungswechseln 2001 vom Senat aus CDU, FDP und den Rechtspopulisten der Schill-Partei und 2011 von der SPD-Regierung aufgegeben. Anfang 2019 fordern die einflussreichen Naturschützer vom Bund den Senat auf, die Planungen für eine Stadtbahn erneut zu beginnen, um die Luftqualität in Hamburg zu verbessern. „Ernst-hafte Argumente gegen die Stadtbahn gibt es nicht und politische Entscheidungen kann man korrigieren“, sagt Manfred Braasch vom Bund Hamburg. EW

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