Mario Micic zeigt ein Foto seines Elternhauses, das direkt an der kroatischen Adriaküste gelegen ist – davor sein Fischerboot. Foto: wittenburg

Von Wolfgang Wittenburg.

Am 15. Januar vor 50 Jahren kam Mario Micic aus Kroatien, damals noch Teil Jugoslawiens, nach Hamburg. Der mittlerweile pensionierte Dreher und Betriebsschlosser aus Neuwiedenthal war einer der ersten Gastarbeiter in Süderelbe.
Wie hat es den Kroaten, der bis zum 23. Lebensjahr mit Eltern und drei Brüdern in einem kleinen Fischerdorf direkt an der Adria gelebt hat, hierher verschlagen? Ein Berufsschullehrer aus Zagreb war es, der Mario Micic während seiner dreijährigen Ausbildung zum Dreher geraten hat, nach Deutschland zu gehen, wo junge Leute bessere Chancen hätten. Nach Abschluss der Lehre suchte Micic Kontakt zum Konsulat, besorgte alle Papiere, ließ sein Dreher-Zertifikat übersetzen und bewarb sich beim deutschen Arbeitsamt. „Es dauerte nicht lange, da bekam ich positive Nachricht. Auch Frankfurt und München standen zur Wahl, aber ich habe mich für Hamburg entschieden, weil mein Vater als Seemann 1938 hier war und mir oft von Hamburg erzählt hat.“

Ein Kulturschock
in Harburg

Nur mit einem Koffer und ohne ein Wort Deutsch zu können, kam Micic in Harburg an. „Ich war froh, dass ich nicht bis zum Hauptbahnhof gefahren bin, denn ich hatte noch nie einen Zug gesehen. In unserem Dorf gab es damals kein einziges Auto, nur Esel, Schafe und ein paar Fahrräder. In Harburg war der Kulturschock für mich verträglich.“
Zwei Jahre hat Micic im Tempowerk als Dreher geschafft, dann bei einer Montage-Firma in Wilhelmsburg und danach 38 Jahre als Betriebsschlosser in Harburg. Dort lernte er seine Ehefrau Brigitte kennen, eine Postbeamtin und echte Hamburger Deern, die perfekt Plattdeutsch sprach. Stolze 40 Jahre waren sie ein Ehepaar, haben zwei Kinder, Marina (31) und Oliver (42).
Doch das Leben verlief anders als geplant: „Als Rentnerpaar wollten wir auch mal für längere Zeit in Kroatien leben. Mein Elternhaus, das mein Opa 1919 erbaut hat, haben wir renoviert und meine Brüder wohnen in der Nähe. Doch leider ist meine Frau ein Jahr nach ihrer Pensionierung verstorben“, so der 73-Jährige, der auch selbst aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr reisen kann.
An seine Heimat erinnern Mario Micic nur noch Fotos. Täglich kauft er eine kroatische Zeitung: „Ich weiß, dass es davon nur zwei Exemplare gibt. Wer liest die andere Zeitung? Ich würde diesen Leser gerne kennenlernen.“

1 KOMMENTAR

  1. Da ich selber aus ehemaligem Jugoslawien komme und Herr Mičić kenne, muss ich sagen, dass Herr Mičić nicht weiß, was er redet. So rückständig wie er sagt, waren wir Jugoslawen nicht. Übrigens: Ich bin auch 1969 gekommen und habe bei Hanomag-Henschel angefangen zu arbeiten. Wir sind alle mit der Bahn nach Deutschland gekommen.
    Nach Abschluss der Lehre suchte Micic Kontakt zum Konsulat Falls er tatsächlich seine Lehre als Dreher abgeschlossen hat, dann war das im Stadt Zadar, wo Autos (neben Jugoautos auch Mercedes, Opel, Ford, VW….etc.), aber auch eine Bahn gefahren ist (Zadar hat ein Bahnhof). Den Weg zum Konsulat musste er eventuell nach Zagreb entweder mit dem Esel oder von Zadar mit der Bahn fahren.
    Nein, wir Jugos waren nicht so reich wie die Deutsche, aber rückständig waren wir nicht. Um etwas zu unterstreichen: Als ich nach Deutschland gekommen bin, hatte ich in meinem Koffer Schallplatten von Beatles, Rolling Stones , Elvis, Small Faces…etc. Hier habe mich mir einen Schalplattenspieler gekauft.

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