Engagierte Wilhelmsburger (v. l.): Hannelore Gfattinger, Dirk Holm, Renate Weber, Horst Pingel und Silke Muhlack. Foto: pr

Das Gerät zeigt auf die erste Kommastelle genau an: 12,7 Mikrogramm PM2,5-Teilchen pro Kubikmeter beträgt die Menge an Feinstaub, die jetzt gerade gemessen wurde. „PM“ bedeutet so viel wie „particulate matter“ (englisch für „Teilchen“).
Mit der Zahl 2,5 ist die maximale Größe der Partikel gemeint – in diesem Fall 2,5 Mikrometer. „Ein geringer Wert, der typisch für Innenräume ist“, meint Jochen Klein, der seine selbstgebaute Apparatur lediglich zu Demonstrationszwecken in einem Wilhelmsburger Café aufgebaut hat.
Seit rund eineinhalb Jahren bietet Klein, Mitglied bei den „Engagierten Wilhelmsburgern“, Kurse für den Selbstbau solcher Schadstoffsensoren an. Fast immer sind die Termine im Bürgerhaus ausgebucht. Die Kosten betragen rund 50 Euro pro Person und Gerät – nicht viel, wenn man bedenkt, dass die offiziellen Messstationen der Stadt mit jeweils Zigtausenden von Euro zu Buche schlagen.
Die Luft im Stadtteil sei schlecht, sagen Klein und seine Kollegen – deutlich schlechter als in anderen Stadtteilen. Als Hauptverschmutzer werden das Kohlekraftwerk Moorburg, der Hafen, die Kupferhütte Aurubis, die Autobahn A1 und die Wilhelmsburger Reichsstraße genannt.
Unter dem – sarkastisch gemeinten – Stichwort „Luftkurort Wilhelmsburg“ hatte die
Initiative im Frühjahr in die Honigfabrik eingeladen. Fazit: „In Wilhelmsburg und auf der Veddel leben 60.000 Menschen. Gleichwohl liegt hier ein Hot-spot für Luftschadstoffe wie Kohlendioxid, Stickoxide, Feinstaub und Schwermetalle“, hieß es in einer Erklärung.
Langfristig fordern die „Engagierten Wilhelmsburger“, dass sich die Luft auf der Elbinsel verbessert. Kurzfristig soll die Stadt mehr Messpunkte einrichten. Denn davon gibt es bislang nur sieben – und in Wilhelmsburg sogar nur einen einzigen. Der steht ausgerechnet in einem Grünzug hinter dem Bunker Neuhöfer Straße. „Kein Wunder, dass dort keine erhöhten Werte gemessen werden“, sagt Klein.
Die elektronische „Nase“ der Marke Eigenbau besteht im Wesentlichen aus einem Sensor und einem kleinen Computer. Untergebracht ist das Ganze in zwei Plastikrohr-Eckstücken aus dem Baumarkt. „Letztlich geht es darum, der Politik Druck zu machen“, sagt Ini-Mitglied Barbara Siebenkotten. „Je mehr Messgeräte, desto mehr Druck.“

 

Feinstaub

Feinstaub gilt als Verursacher von Allergien, Atemwegserkrankungen und Lungenkrebs. Je kleiner ein Partikel ist, desto tiefer kann es in die Lunge eindringen.
Bislang haben die „Engagierten Wilhelmsburger“ nach eigenen Angaben rund 30 bis 40 selbstgebaute Messgeräte im Stadtteil installiert. Die schlechtesten Werte wurden in Kirchdorf-Süd (bis zu 200 Mikrogramm) gemessen.

 

Was sagt die Umweltbehörde?

„Belastbare Werte liefern derzeit nur zertifizierte Mess- geräte, die in den bekannten Schutzcontainern untergebracht sind“, sagt Umweltbehördensprecher Jan Dube. Ein solcher, mit den entsprechenden Feinstaub- und NO2 -Messgeräten ausgestatteter Container koste jedoch sechsstellige Summen in der Anschaffung und im jährlichen Betrieb, deshalb gebe es davon nur eine begrenzte Anzahl. „Wir überprüfen fortlaufend, ob die Messstationen noch an repräsentativen Stellen stehen, und es gibt auch immer wieder Standortwechsel“, so Dube. Überschreitungen der EU-Grenzwerte habe man nur beim Stickstoffdioxid festgestellt – an vier von 15 Messstationen. Die Feinstaubbelastung bewege sich jedoch innerhalb der geltenden Norm. „Private und selbstgebaute Messgeräte liefern oft Ergebnisse, die mit größeren Unsicherheiten behaftet sind“, so Dube abschließend.

 

Der Nabu sucht Helfer

Auch beim Nabu spielt das Thema „Luftreinhaltung“ derzeit eine große Rolle: Aktuell bemüht sich die Naturschutzorganisation darum, ein Messnetz am nördlichen Hafenrand – zwischen den Elbbrücken und Rissen – zu installieren. „Dafür suchen wir interessierte Bürger oder Gewerbetreibende direkt an der Elbe, die bereit sind, einen Sensor zu finanzieren und zu installieren“, sagt Nabu-Experte Malte Siegert.
Dazu brauche man Strom, WLAN – und etwas Geld. Denn die Geräte seien deutlich komplexer und kosteten daher auch mehr als die Wilhelmsburger Eigenbauten. „Das Luftmessnetz in Hamburg ist grob gestrickt. Deswegen ist die Initiative der ‚Engagierten Wilhelmsburger‘ ein wichtiger Beitrag, um das Problem zu verdeutlichen“, findet Siegert.

www.hamburg.nabu.de

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here